Eko Fresh - Hartz IV - Cover
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Eko Fresh Hartz IV


  • Label: Subword/SonyBMG
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der 23. Juni wird ein aufregender Tag in Deutschland. Aber ausnahmsweise nicht wegen der Fußball WM. An diesem Tag finden zwar die letzten Gruppenspiele statt – darunter solche Straßenfeger wie Ukraine gegen Tunesien und Schweiz gegen Südkorea – aber die Kandidaten für den Einzug in das Achtelfinale sollten bis dato längst feststehen. Nein, der tatsächliche Battle findet an diesem Tag nicht im Fußballstadion, sondern an den Kassen der Plattenläden statt. Denn wie es der Zufall so will, veröffentlichen Eko Fresh und Aggro-Berlin-Kollege Fler gleichzeitig ihre neuen Alben.

Dabei scheint Fler eindeutig im Vorteil zu sein. Mit seinem Debüt „Neue deutsche Welle“ (2005) startete er von Anfang an durch und entwickelte sich zum Teenie-Star unter Deutschlands Gangsta-Rappern. Ekrem Bora alias Eko Fresh erlebte dagegen in kürzester Zeit den Aufstieg und den Fall eines als Wunderkind der HipHop/Rap-Szene gepriesenen Nachwuchsstars. Er stürmte mit dem Album „Ich bin jung und brauche das Geld“ (2003) die Verkaufscharts und etablierte den Rap von der Strasse bei den Bravo-Lesern. Und weil er glaubte, sich alles erlauben zu können, schob er mit „L.O.V.E.“ (2004) gleich noch eine Platte hinterher, auf der er mit seiner damaligen Freundin Valezka zu smoothen R&B-Tracks rappte und in Windeseile die gesamte Rap-Szene gegen sich aufbrachte.

Selten wurde ein Rapper dermaßen von seinen Kollegen gedisst und verachtet, als der in Mönchengladbach geborene Türke. Die Diss- und Battle-Tracks wanderten hin und her und bald zeichnete sich ab, dass Eko Fresh den kürzeren ziehen würde. Auch die Plattenfirma (Subword/SonyBMG) fiel dem inzwischen in Köln-Kalk lebenden Rapper in den Rücken und verweigerte die Veröffentlichung von weiteren Diss-Attacken. Als dann der Tantiemenregen versiegte, fiel Eko in ein Loch. Er vegetierte am Rande des Existenzminimums, holte sich einen Lungenriss und wurde wegen einer Überdosis Marihuana ins Krankenhaus eingeliefert.

Das geplante Mixtape „Fick deine Story“ (2005), ein Album, auf dem Eko mit allen Vorurteilen, sowie seinem Softie- und Hungerhaken-Image aufräumen wollte, erschien erst gar nicht. In einer überarbeiteten Version, unter dem Namen Elektro Eko, brachte der Rapper Ende 2005 „Fick immer noch deine Story“ heraus. Das Mixtape konnte aber keine nennenswerten Verkaufszahlen aufweisen (man munkelt von 3.000 abgesetzten Einheiten). Doch da liefen schon längst die Vorbereitungen für Ekos tatsächliches Comeback, das den ungewöhnlichen Titel „Hartz IV“ trägt.

Das im Schlafzimmerstudio von Produzent Kingsize aufgenommene Album ist vielleicht die letzte Chance für Eko Fresh, die Kurve zu bekommen. Deshalb vertraut er nicht nur auf die Unterstützung von Freunden wie Summer Cem und Kay-One, dem türkischen Rap-Paten Killa Hakan, SD, G-Style, Hakan Abi, DJ Rocky, Sti und Beatlefield, sondern auch auf die Star-Power der Berliner Rap-Gangsta Bushido und dessen Cousin Saad. Zu Gunsten von Bushido fiel die geplante Kollaboration mit Hengzt ins Wasser. Dieser soll nun auf dem Album von Fler zu hören sein.

Aber was hat Eko tatsächlich zu bieten, nachdem schon die erste Singleauskopplung „Gheddo“ alles andere als ein Feuerwerk ist? Denn hier wurde auf einen bedächtigen Beat lediglich ein bisschen Pianogeklimper geschraubt – und fertig. Dazu rappen Eko und Bushido von ihren „Gettos/Blöcken“ in Berlin-Tempelhof bzw. Köln-Kalk und dass Peter Hartz niemals in der „Grembranx“ auftauchen wird, um sich nach den wahren Zuständen zu erkundigen. Na ja. Das geht wirklich besser. Und zum Glück macht Eko auf den übrigen Tracks eine bessere Figur und lässt das Gefasel á la „die Welt ist schlecht und mir geht’s auch nicht gut“ stecken. Schließlich ist Eko noch immer der freshte unter Deutschlands Rappern. Einer, der es versteht, seine Songs mit ironischen Untertönen auszustatten, so dass auch Dicke-Hose-Angeber-Tracks wie „Kings of Cologne“, „Ek is back“, „Stenz Gang“ und „Der Don 2“ mit einem Augzwinkern rüberkommen.

Eines stellt „Hartz IV“ ganz deutlich unter Beweis: Eko Fresh hat den Kinderquatsch aus der Anfangszeit seiner Karriere abgelegt. Dafür liefert er nun ein fettes Bündel starker Tracks mit guten Beats und herausragenden Kollaborationen. Man höre nur die grandiosen Flows von SD und Kay-One in „Kings of Cologne” bzw. „Wir sind Soldier, Homie“. Am Ende stehen haufenweise starke Tracks. Aber warum wurde mit „Gheddo” einer der schwächsten Songs des Albums ausgekoppelt? Ein Rätsel. Doch mit dem Bushido-Star-Turbo geht das Ding sicher in die Top 10.

Anspieltipps:

  • Westside
  • Der Don 2
  • Kings of Cologne
  • Wir sind Soldier, Homie
  • Darauf kannst du Gift nehmen
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