Greg Graffin - Cold As The Clay - Cover
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Greg Graffin Cold As The Clay


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei den elf Songs geht es äußerst konservativ und streng traditionell zu.

Während der Aufnahmen zum Bad-Religion-Album „The Process Of Belief” (2003) spielte Sänger Greg Graffin im Studio ein wenig auf der Akustikgitarre herum. Kollege Brett Gurewitz hörte, wie Graffin das Traditional „Omie wise” anspielte und zeigte sich spontan begeistert. Er schlug vor, ein Album nur mit Folksongs und alten amerikanischen Traditionals einzuspielen und bot sich als Produzent an. Gesagt, getan...

Für die Aufnahmen stattete Brett Gurewitz das Studio mit Raummikrophonen aus, um einen authentischen Live-Sound zu erzeugen. Digitaler Schnickschnack und Folkmusik passen eben nicht zusammen. Außerdem holten die beiden Punkrocker mit Stephen Carroll (Gitarre), Greg Smith (Bass) und Jason Tait (Drums) von der Band The Weakerthans, sowie der charmanten Jolie Holland als Backgroundsängerin, ein paar ganz vorzügliche Musiker dazu, die das Songmaterial ohne großes Tamtam innerhalb einer Woche einspielten. Im Studio muss es dabei ähnlich spontan zugegangen sein, wie bei Bruce Springsteens „We Shall Overcome: The Seeger Sessions“ (2006), denn Greg Graffin ist ein ums andere Mal zu hören, wie er die Musiker durch die Songs dirigiert.

Die Platte besteht allerdings nicht, wie vielleicht anfänglich gedacht, ausschließlich aus Coverversionen. Mit „Don’t be afraid to run“, „Cold as the clay“, „Rebel’s goodbye“, „The watchmaker’s dial“ und „Highway“ sind auch fünf Eigenkompositionen von Greg Graffin dabei, die das staubtrockene Folk-Gesamtwerk etwas auflockern. Denn seinen Punk-Background kann Dr. Graffin selbst bei ruhigen Akustiksongs nicht verleugnen. Ersetzt man nämlich die akustischen Instrumente durch eine gutes E-Gitarren-Pfund, lässt Banjo und Mundharmonika weg, und schraubt das Tempo ein paar Takte höher, sind Songs wie „Don’t be afraid to run“ und „Rebel’s goodbye“ als glasklare Bad-Religion-Nummern zu erkennen.

Ansonsten geht es bei den elf Songs äußerst konservativ und streng traditionell zu. Greg Graffin zeigt ein überraschend feines Gespür für das zum Teil uralte Songmaterial. Er singt pathosfreie Texte zu Banjo, Mandoline und Fiddle und schmiegt sich auf diese Weise zurückhaltend, aber nicht ohne einen gewissen Drive („Talk about suffering“) bei seinen Hörern ein. Dennoch wird so mancher gestandener Punkrocker wenig mit „Cold As The Clay“ anfangen können. Im Zweifelsfall sollte man sich dennoch überlegen, ob man der x-ten, immer gleich klingenden Bad-Religion-Platte, nicht einmal ein Country- und Folkalbum vorzieht, dessen kompositorische Grundlagen um drei Ecken im Punkrock verwurzelt sind.

Anspieltipps:

  • Little sadie
  • Rebel’s goodbye
  • Don’t be afraid to run
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