O.S.I. - Free - Cover
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O.S.I. Free


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

O.S.I., benannt nach einer Propagandaabteilung des Pentagons, setzt sich auf diesem Album aus den Dream-Theater-Mitgliedern Kevin Moore (inzwischen bei Chroma Key) und Mike Portnoy sowie Jim Matheos und Joey Vera von Fates Warning zusammen. Das Gebilde kann man getrost als Supergroup bezeichnen, was für sich genommen allerdings noch nicht unbedingt für super Qualität bürgen muss, wie das Beispiel Kino vor ungefähr einem Jahr zeigte.

Im Gegensatz zu den Kollegen, haben O.S.I. allerdings den Vorteil, bereits ein Album miteinander eingespielt zu haben. Zu dem selbstbetitelten Debüt durfte sogar Musikgenius Steven Wilson (Porcupine Tree) einen Beitrag leisten. Entsprechend groß war die Vielfalt dieses Erstlings, entsprechend überschwänglich die Kritiken und das Fanecho. Doch anstatt an dem bewährten Rezept festzuhalten, setzen O.S.I. mit „Free“ verstärkt auf Geradlinigkeit, die sich irgendwo zwischen den frühen Dream Theater, Chroma Key, Fates Warning und Depeche Mode verorten lässt.

Depeche Mode? In der Tat scheinen die Herren den letzten Silberling der Elektro-Vorreiter ausgiebig gehört zu haben. Denkt man sich die harten Gitarren weg und Dave Gahan dazu – „Free“ würde zweifellos als starkes Depeche-Mode-Album durchgehen. Doch O.S.I. gehen noch einen Schritt weiter und frönen offenkundig einer bisher latenten Leidenschaft für einfache Popmusik. Anders lässt sich der ebenso simpel getextete wie instrumentalisierte Opener kaum erklären. „I did it my way. I did it my way. I did it may way on the highway”. Das versteht sogar der Rezensent und kann soviel Mut zur Einfachheit nur begrüßen. Müssen doch nicht immer die gleichen intellektuellen Geistesergüsse sein, die sowieso kein normaler Mensch kapiert. Der nachfolgende Titeltrack beinhaltet alle Eigenschaften, die die schnelleren Stücke des Albums auszeichnen. Die Klampfen drücken so tief, dass die Erde bebt und das Blut kocht. Schmeißt das Ding als Single auf den Markt und die Langhaarträger werden in den Diskotheken die Tanzfläche stürmen!

Nach so viel Adrenalinausstoß ist „Go“ mit seiner wavigen Atmosphäre genau das Richtige zum durchatmen. „All gone now“ weckt im Anschluss nur die allerbesten Erinnerungen an Tool, bevor mit „Home was good“ abermals eines der gediegeneren Stücke ansteht. Gleiches gilt im Prinzip auch für „Bigger wave“, wären da nicht die impulsiven Gitarren die ab der dritten Minute einsetzen. Ohnehin hätte man sich gewünscht, dass die heiligen Saiten öfter und stärker zum Einsatz kommen, denn insgesamt dominiert die ruhigere Seite der Band, was angesichts feuriger Nackenbrecher wie „Better“, „Free“ und „Sure you will“ etwas unverständlich ist. Ein paar mehr Vertreter dieses Stils hätten es schon sein dürfen. Dennoch sollte dieser kleine Mangel nicht die Hörfreude trüben, dafür ist ein „Simple life“ mit seinen verzerrten Synthesizerklängen und dem wunderbar unaufdringlichen Gesang Kevin Moores einfach zu schön um wahr zu sein. Und mit dem countryartigen Ausklang „Our town“ hätten die vier Kreativgeister kein besseres Ende für ein rundum gelungenes Album finden können.

Mit O.S.I. wuchs zusammen, was schon immer zusammengehörte. O.S.I. ist somit ein Musterbeispiel für die symbiotische Verschmelzung verschiedener Talente. Wo andere Supergroups mit Gigantismus zu beeindrucken versuchen um ihren großen Namen gerecht zu werden, schlägt die Propagandaabteilung einen gänzlich anderen Weg ein. Gerade seine unspektakuläre Art und Weise macht „Free“ so verdammt effektiv. Und damit ist auch klar, woher der Name rührt: Wie geschickt gestreute Propaganda nistet sich das Werk im Unterbewusstsein ein, so dass man sich ihm nur noch schwer entziehen kann. Und wer von all dem nicht genug bekommen kann, greift zur lohnenswerten Special Edition im aufwändigen Pappschuber und mit einer sechs zusätzliche Songs umfassenden Bonusdisk.

Anspieltipps:

  • Free
  • Simple life
  • All gone now
  • Sure you will
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