Phantom Ghost - Three - Cover
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Phantom Ghost Three


  • Label: Lado/SPV
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Thies Mynther, Musiker bei Stella, Superpunk, Glove, Die Regierung und einigen anderen sowie Tocotronic-Sänger/Gitarrist Dirk von Lowtzow fangen vor einigen Jahren an, aus purer Freude Lieder von John Cale und Leonard Cohen zu covern, doch wie so oft in Bandhistorien bleibt es nicht beim nachspielen. Von märchenhafter Theatralik und elektronischen Raffinessen getragen, entsteht Phantom/Ghost. Ein Projekt, welches nie als bloßes Freizeitvergnügen zwischen den anderen Bands der beiden gesehen wird und mit einem großen künstlerischen, visuellen Anteil versehen 2001 durch das Debütalbum „Phantom/Ghost“ bei Ladomat seinen Einstand im Langspielformat feiert.

Einerseits stehen die seltenen Auftritte in dunklen Clubs mit der großen Geste in nicht zu verachtender Verbindung, andererseits covert das Duo „You´re My Mate“ von Right Said Fred als offensichtliches Zeichen gesunder Selbstironie. Vermehrt pulsierende Songs zieren den Zweitling „To Damascus“, wobei der Kölner Elektroniker Justus Köhncke (Whirlpool Productions) den Song „Nothing Is Written“ mitproduzierte und anscheinend auch die restlichen Tracks beeinflusste. Zwischen kühler Elektronik, die teils sogar mit gradlinigen Beats den Weg gen Discokugel weist, sind es wieder versponnene, lyrische Texte und der Hauch von knisternder Romantik, welche in Dirk von Lowtzows Stimme einen außerordentlichen Fürsprecher findet.

Folkloristische und meditative Momente bestimmen den dritten Longplayer, die erst langsam reifen müssen, um schließlich genussvoll in den Ohren und der Seele zu versinken. Auch wenn die Klanggerüste recht karg daherkommen, bleibt es in den knapp 40 Minuten spannend und geheimnisvoll. Akustikgitarren und Tasteninstrumente glitzern sanft auf dem von Dirk träumerisch besungenen Terrain. Bei „Relax It´s Only A Ghost“ vernimmt man unterschwellige Beats, die obwohl kaum wahrnehmbar wesentlich zur beschwingten Stimmung dieses Songs beitragen. An ein Glockenspiel angelehnter Tasteneinsatz und das triumphierende, tröpfelnde Piano in „Where More Gifted People Cracked“ lassen dem Hörer wohlige Schauer über den Rücken laufen, während er die Sehnsucht in den Tönen aufsaugt. Elektronische Klangteppiche besinnen sich auf raschelnde, der märchenhaften Atmosphäre zuträglichen Sounds, die sich der Dominanz aus Piano sowie Akustikgitarre unterordnen und bei näherem Hinhören dennoch voller Ausdrucksstärke sind.

Orchestrale Sounds und mittelalterliche Trommeln stellen auf den ersten Blick eine seltsame Konstellation dar („Open Book In A Dead Language“). Doch was bei anderen Bands bis zur Peinlichkeit in Oberflächlichkeit versinkt, perfektionieren Phantom/Ghost zu einer Symbiose, welche gleichermaßen sanft und theatralisch verstörend die Gunst der Hörer erklimmt. Ein Land voller Elfen, wie es einem bei „A Blush“ dank der erhabenen Instrumentierung in den Sinn kommt, hat hier nichts mit großspurigen Fantasy-Epen zu tun, sondern ist Teil einer dem Spaß an der Sache zugewandten Eskapismus. Dass Dirk von Lowtzow bei „Far From The Madding Crown“ in einigen Textpassagen etwas zu exaltiert seine Stimme einsetzt und fast schon etwas comedy-artiges hat, macht diesem hochklassigen Werk mit dem Weltentsagungsbonus nichts mehr aus. Phantom/Ghost beehren uns mit Longplayer Nr. 3 in Bestform, die den beiden großartigen Vorgängern in nichts nachsteht.

Anspieltipps:

  • All Is Hell
  • Relax It´s Only A Ghost
  • Open Book In A Dead Language
  • Where More Gifted People Cracked
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