Till Brönner - Oceana - Cover
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Till Brönner Oceana


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 66 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ausgedehnt auf gut 70 Minuten Spielzeit, entsteht aber schon nach der Hälfte des Albums gepflegte Langeweile.

Ab und zu muss es erlaubt sein, einen Kollegen zu zitieren. Zum Beispiel dann, wenn so wunderbare Vergleiche hergestellt werden, wie folgender zum neuen Studioalbum von Jazztrompeter Till Brönner: „Armani-Trompeter Till Brönner als Chet Baker des dritten Jahrtausends“ (Guido Fischer, Musikexpress 05/2006). Damit trifft Fischer nicht nur musikalisch den Nagel auf den Kopf, sondern auch atmosphärisch. Der 35-Jährige aus Viersen an der Aller hat sich nämlich in den 12 Jahren nach seinem Plattendebüt „Generations Of Jazz“ (02/1994) zum deutschen Vorzeigemusiker schlechthin gemausert. Zudem gehört Brönner zum überschaubaren Kreis von Jazzmusikern, die als Popstarts vermarktet werden (siehe Diana Krall, Norah Jones, Jane Monheit, Michael Bublé und Jamie Cullum).

Der zehnte Streich hört auf den Namen „Oceana“ und wurde inspiriert durch einen längeren Aufenthalt an der amerikanischen Westküste, genauer, in Los Angeles und Hollywood. Dort sog Brönner die Leichtigkeit des kalifornischen Jazz auf, der im Gegensatz zum verkopften New Yorker Jazz den Bauch und die Seele anspricht. Zusammen mit Produzent Larry Klein (Joni Mitchell, Leonard Cohen, Rodney Crowell, Chris Botti) und den Musikern Larry Goldings (Piano, Orgel), Dean Parks (Gitarre), David Piltch (Bass), Jay Bellerose (Schlagzeug) und Gary Foster (Saxophone) wurden 12 Songs aufgenommen, die bis auf ein paar wenige Eigenkompositionen bekannte Stücke anderer Künstler sind.

Als Gesangspartner holte sich Brönner, der sich bei Nick Drakes „River man“ ebenfalls als Sänger versucht, Luciana Souza, Madeleine Peyroux und Supermodel Carla Bruni ins Studio. Sie begleiten die meist mit gedämpfter Trompete eingespielten super kuscheligen Jazz-Lounge-Songs aus der Feder u.a. von Wes Montgomery („Bumpin’“), Larry Goldings („Subrosa“), Leonard Cohen („In my secret life“), Hank Williams („I’m so lonesome I could cry“) und Jimmie Rowles („The peacocks“). Besonders charmant ist dabei der wackelige Gesang von Carla Bruni und das südamerikanische Croonen von Luciana Souza.

Doch das bewahrt „Oceana“ nicht vor Kritik. Die perfekte Beherrschung der Instrumente und die gnadenlos entspannte Atmosphäre in allen Ehren. Ausgedehnt auf gut 70 Minuten Spielzeit, entsteht aber schon nach der Hälfte des Albums gepflegte Langeweile. Können alleine ist eben nicht genug. Und das Konzept eines Jazz-Lounge-Albums gewiss nicht der Weisheit letzter Schluss. Das Problem ist nämlich, dass die Songs wie in Trance am Hörer vorbeischleichen und wirklich alle Konzentration benötigt wird, um die kleinen Melodien und makellosen Trompeteneinlagen aus dem langen, ruhigen Fluss der Töne herauszuhören. Etwas mehr Pep hätte da wirklich nicht geschadet.

Anspieltipps:

  • Subrosa
  • Chinatown
  • In my secret life
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