Delbo - Havarien - Cover
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Delbo Havarien


  • Label: Loob/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es scheint als ob sich ein Masterplan in Erfüllung setzt: Die Bäume strahlen grün, der Frühling hat sein blaues Band an den Sommer abgegeben und in Parks vernimmt man den stechenden Duft von Gillabenden. Nahezu ideal melden sich drei Berliner zurück, die zweifellos den Soundtrack zu diesem Treiben liefern: Delbo, das sind drei junge Männer, Tobias, Florian und Daniel, die mit ihrem komplexen Indie-Rock bereits auf ihren ersten beiden Alben gezeigt haben, dass sich Musik weiterentwickeln kann. Eine Linie, die sich auf „Havarien“ treu bleiben.

Mit kryptischen Texten hält der Gesang wie ein Turm jedes Wetter aus und ist die einzige Leine, die man greifen kann, wenn man sich in den Melodien verläuft. Der manchmal disharmonisch wirkende Gesang ist somit der Dreh- und Angelpunkt, während sich Gitarren- und Bassmelodien und Rhythmen um diesen kreisen. Dazu gesellen sich immer wieder schöne Textzeilen wie „Sie fragt mich nach Zahlen, ich antworte in Zahlen, weil ich es ihr nicht anders sagen kann, und sie kann mich nicht anders fragen.“ („Saldo“), die man später auf Mappen, Tische und Zimmertüren schreiben wird, weil man sie nicht mehr los wird.

Je öfter „Havarien“ im Abspielgerät des Vertrauens routiniert, desto eingängiger wird die CD, was Delbo-Begeisterte selbstverständlich schon wissen und was Newbies umso schwerer macht, die Leichtigkeit sofort zu genießen. Doch spätestens bei „Peroma“ finden beide Parteien ihren nötigen „Indie-Deutsch“-Konsens, was bei dem harmonisch-eingebauten Krach am Schluss von „Saldo“ nicht möglich wäre. Das Album an sich erscheint in seltsamer Form: Ein weißes Album, auf dessen Cover jemand mit Bleistift herumgekritzelt hat. Es gibt keine Trackliste, zumindest nicht auf den ersten Blick. Ein genaueres Betrachten zeigt, dass sie sich eingedrückt in der Pappe versteckt.

Radiogewöhnte Konsumenten, ebenso wie Hörer von den üblichen Verdächtigen der deutschsprachigen Indie-Musik (Tomte, Blumfeld, ...) sind zunächst überfordert mit dem Getrommel, Geklimper, Gezupfe und Gefiepe. Doch Delbo zeigen damit, dass das alte Argument, Musik könne sich nicht mehr weiterentwickeln, weil es nur 12 Töne gibt, längst noch nicht zur Disposition steht. Nicht einmal, wenn nach dem dritten Durchhören der acht Tracks das Grillfleisch durch ist und man „Havarien“ als Chill-Out-Musik an heißen Sommertagen akzeptiert hat.

Anspieltipps:

  • Saldo
  • Peroma
  • Partie
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