We - Smugglers - Cover
Große Ansicht

We Smugglers


  • Label: Rodeostar/EDEL
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Oft genug schon schallte der Satz „Rock is dead” durch die internationale Musikpresse und wurde immer wieder aufs Neue in seinen Grundfesten erschüttert und widerlegt. Am eindruckvollsten wohl durch die Geburt des Grunge in Seattle, der vor allem durch Nirvana, Pearl Jam, Mudhoney, Soundgarden und der Schlabberpulli-tragenden Ikone der 90er schlechthin, Kurt Cobain, der am 5. April 2006 seinen zwölften Todestag hatte, seine Blütezeit und den kommerziellen Ausbruch aus dem Underground erfuhr.

Beinahe zeitgleich schickte sich allerdings ein anderer Sound an, den durch die Journaille geprägten Ausspruch in den Boden zu stampfen. Übeltäter waren John Garcia, Josh Homme, Scott Reeder und Alfredo Hernandez, die gemeinsam als Kyuss den Begriff des Stoner Rock prägten, obwohl sie von sich selber behaupteten: „Wir sind Rock’n’Roll, nicht mehr und nicht weniger. Es ist kein Grunge, es ist kein Heavy Metal, es ist kein psychedelischer Retro-Seventies-Punk-Thrash-Grindcore oder was auch immer. Es gibt keine Schublade für unsere Musik. Wir sind eine Rockband aus der kalifornischen Wüste, was nicht mit Los Angeles zu verwechseln ist. Uns geht es um die Musik. Nichts anderes zählt.“

Fakt ist, dass der markante, bassschwangere Klang und das messerscharfe Riffing als ungetrübtes Markenzeichen für den Stoner Rock in dem 1994er Meisterwerk „Welcome To Sky Valley“ gipfelte. Aufgrund mäßiger Umsätze des Nachfolgers „And The Circus Leaves Town“ trennten sie sich 1996, Homme gründete allerdings mit Hernandez und dem bereits vor den Arbeiten zu „Welcome To Sky Valley“ ausgestiegenen Nick Oliveri die Queens Of The Stone Age, deren letzte Veröffentlichung aus dem CD/DVD-Paket „Over The Years And Through Tthe Woods“ (11/2005) besteht und die mit wesentlich größerem Erfolg gesegnet sind.

Aus dem kalten Norwegen macht sich nun die Band We auf, mit ihrem bereits sechsten Longplayer „Smugglers“ den Stoner Rock weiter auf Vordermann zu bringen. Produziert von Chris Goss, der schon Alben der oben genannten Kyuss und Queens Of The Stone Age veredelte und aufgenommen in den Hangaroundsounds in Oslo, bläst einem der Vierer, der sich aus Thomas Felberg (Gesang), Krisvaag (Schlagzeug), Don Dons (Gitarre) und Goshie (Bass) zusammensetzt, elf Tracks um die Ohren, die sich trotz ihrer furztrockenen Attitüde mehr als einmal gewaschen haben.

Nachdem sich ein verzerrtes Schlagzeug im Opener „Cosmic Biker R´N´R“ von einer Lynyrd-Skynyrd-gleichen Gitarrenwand erschlagen lässt, geht auch schon die Post ab. „Kickin´ out cosmic bicker rock´n´roll / A roll on the drum and the war has begun” gibt Sänger Felberg im Refrain zu Protokoll und nichts anderes zelebrieren die folgenden drei Stücke „Sulphur roast stomp”, „Crwaling out of the wreckage” und „Wroom” in bester Stoner-Rock-Manier. Vor allem der Beginn des zweiten Tracks fegt mit einer derart heftigen Bassline um die Ecke, dass dem Hörer allein beim untätigen Zuhören der Schweiß aus allen Adern tropft. Die erste Verschnaufpause offenbart das schwebende „Sassy Zazie“ und der beinahe zehnminütige Titeltrack „Smuggler“, eine episch angehauchte Erzählung über den Drogenhandel.

Danach wird nach allen Regeln der Kunst an Geschwindigkeit aufgenommen, wenn mit „Lucid“ auf musikalischer Ebene ein Ticket für eine Achterbahnfahrt gelöst wird, die in „Sugar & Cannabinoles“ in psychedelische Dimensionen abdriftet und mit „Lightyears ahead“ ihren turbulenten, adrenalinausstoßenden Höhepunkt erfährt. „Catch electrique“ ist der im wahrsten Sinne des Wortes elektrifizierte und taumelnde Gang auf die Tanzfläche und „On the verge to go“ der lange und mit Kopfweh geprägte Weg zur Besinnung danach.

„Smugglers“ ist ein Album, von dessen Anziehungskraft und Wirkung man sich nur schwer loseisen kann. Das Rock-Feuerwerk, das die vier Jungs von We abbrennen, ist durchzogen von mitreißender musikalischer Inszenierung, gleichsam Zimmer- und Stadion-tauglichen Hooklines und einem hohen Eigenständigkeitsfaktor. Ohren auf, das sollte man nicht verpasst haben!

Anspieltipps:

  • Lucid
  • Catch Electrique
  • Lightyears Ahead
  • Crawling Out Of The Wreckage
Neue Kritiken im Genre „Stoner-Rock“
Diskutiere über „We“
comments powered by Disqus