Glenn Hughes - Music For The Divine - Cover
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Glenn Hughes Music For The Divine


  • Label: Frontiers/SOULFOOD
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ich war vollkommen zugekokst, konnte nicht atmen, sprechen oder laufen. Also fuhr ich zum Krankenhaus, wo mir der Arzt sagte, es gelange kein Sauerstoff mehr in mein Hirn. Wenn ich zuhause geblieben wäre, wäre ich gestorben. Drei Jahre lang hatte ich Gott gebeten, mir ein Zeichen zu geben. Ich bettelte um Hilfe, und die Hilfe kam in Form eines Aufenthalts auf der Intensivstation.“ Sprachs und rührte angeblich auch keine bewusstseinserweiternden Mittelchen mehr an: Glenn Hughes, die Stimme hinter dem Deep-Purple-Klassiker „Burn“, der mit seinem soul-gefärbtem Organ für eine kurze Zeitspanne im Hardrock das Ruder in der Hand hatte und Meinungen, er könnte Ian Gillian als abgetretenen Sänger von Deep Purple nicht ersetzen, im Keim erstickte. Seit dieser Hochphase sind allerdings gut 30 Jahre vergangen, Hughes wäre mittlerweile fast an seinen Drogenexzessen zu Grunde gegangen und wurde zum Arbeitstier, das in mühsamer Kleinarbeit die Zuneigung zu den alten Fans wieder herstellen musste.

Das Ergebnis waren mehrere Solo-Platten, Zusammenarbeiten mit Joe Lynn Turner (ebenfalls Sänger bei Deep Purple und Rainbow) und Tony Iommi (Gründungsmitglied von Black Sabbath) und seit seinem letzten Album „Soul mover“ aus dem letzten Jahr, arbeitet er mit Chad Smith (Schlagzeug, Perkussion, Piano) von den Red Hot Chili Peppers zusammen, der auch als Produzent in Erscheinung tritt. Für „Music for the divine“ schaute noch zusätzlich John Frusciante (Gitarre) vorbei und das Triumvirat war komplett. Nachdem Hughes nicht nur den Part als Sänger, sondern auch den des Bassisten, Akustik- und Funkgitarristen übernimmt, bleibt für die zusätzlichen am Album fungierenden Musiker JJ Marsh (Gitarre) und Mark Kilian (Streicher, Keyboard) beinahe nichts mehr übrig.

Für den Opener „The valiant denial“ wird sich dann erst einmal viel Zeit genommen, bis der Track nach über einer Minute gemächlicher Einleitung voranschreitet und auch Hughes zurückhaltend einsetzt. Hier tobt er sich noch nicht allzu sehr aus, aber nachdem er in „Steppin´ on“ nebst einem Synthie-Geschwurbel erste Anzeichen eines stimmlichen Ausbruches setzt, wird dem funk-rockigen „Monkey man“ richtig eingeheizt und in „You got soul“ schreit sich der Gute die Seele aus dem Leib als gäbe es kein Morgen, allerdings nicht mit der „je lauter – je besser-Attitüde“ zahlreicher, kreischender Metal-Sänger, sondern mit Stil und herzhaftem Biss. Die Halb-Ballade „Frail“ und das sanfte „This house“ stellen die Gegenpole zu den vorangegangen und nachfolgenden Stücken dar und mit „Black light“ geht wieder ordentlich die Post ab.

Herzstück ist, obwohl es sich um eine Coverversion handelt, der Song „Nights in white satin“, erstmals schmerzhaft von Moody Blues vorgetragen, erreicht Glenn Hughes mit seiner Fassung eine Wirkung, die nicht nur für Gänsehaut sorgt, sondern auch den Hörer still und anmutig den Klängen wie im Rausch lauschen lässt, der spätestens ab dem wunderbaren Gitarrensolo von Frusciante gefangen ist und nicht anders kann als die Repeat-Taste zu betätigen, bevor der Song gleichsam von Schlagzeug, Gesang und Saiteninstrument ins Ziel gepeitscht wird. Nach dieser bemerkenswerten Wohltat für die Lauscher erklingt das zappelnde „This is how I feel“, der astreine Hardrock-Song „Too high“ und der in nostalgischen Farben präsentierte Rausschmeißer „The divine“.

Zweifelsohne hat Glenn Hughes mit „Music for the divine“ ein abwechslungsreiches, rockiges und funkiges Ungetüm zu Tage gefördert, das auch nicht auf seine verletzlichen Seiten vergisst oder hin und wieder ausrastet. Zudem muss gesagt werden, dass hier keine Platte eines alternden Musikers vorliegt, der Musik für Menschen jenseits der 50 macht, sondern 11 Tracks eines Künstlers, der vor 30 Jahren auf dem Zenith seines Schaffens war, auf CD gebannt wurden, die auf ihren zeitgemäßen Anstrich nicht vergessen und diesen mit einem dicken Pinsel bekommen haben.

Anspieltipps:

  • Black Light
  • Monkey Man
  • You Got Soul
  • Nights In White Satin
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