Watershed - Mosaic - Cover
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Watershed Mosaic


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

In ihrer Heimat Südafrika sind Watershed längst Superstars, wie ausverkaufte Stadien bei ihren Tourneen beweisen. Jede Single, jedes Album wandert ohne Umschweife in die Hitlisten und wird von den Menschen dort aufgesogen, dass die Vergötterung der Band um Sänger und Songschreiber Craig Hinds in gar nicht so weiter Entfernung bereit liegt. Die Alben „In The Meantime“ (2002) und „Wrapped In Stone“ (2003) behaupteten sich jedoch auch in Europa, wobei dieser Umstand sicher viel mit dem durch Radio-Airplay forcierten Top20-Hit „Indigo Girl“ zu tun haben dürfte. Für den einen der Nerven-Overkill, da es wirklich keinen öffentlichen Ort gab, wo der luftigleichte Song nicht zum Besten gegeben wurde, für den anderen der Beweis, dass es aktueller, zeitloser Pop noch in die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten schafft.

Da nun das in Südafrika bereits 2005 veröffentlichte Album „Mosaic“ in den Startlöchern steht, nehmen wir Abschied vom resistenten Ohrwurm der letzten Jahre und öffnen uns einem Longplayer, der neben durchschnittlichen, teils zu aufgesetzten Schmachtfetzen Musik für einsame wie zweisame Leidensphasen und Glücksgefühle der beherzten Sorte dem Hörer liebevoll anbietet. Als Opener fungiert „Live Another Day“, dessen klebrige Streicher etwas zu dick aufgetragen sind und so die eigentlich netten Harmonien in den Hintergrund befördern. Schöne E-Gitarren, die sich sanft in die unbeschwerte Kombination aus zurückhaltenden Drums und dem vollmundig erobernden Gesang von Craig Hinds eingliedern, erklingen viel zu selten. Wie auch beim folgenden „Cloudy Day“ ist der Refrain höchst eingängig, aber auch ohne großen Wiedererkennungswert. Die musikalische Präsenz reicht gerade zu Beginn nicht aus, um sich daran festzubeißen oder die unabdingbare Lust am Wiederhören herauszukitzeln. Jedoch ist es immer wieder die Stimme, welche dunkel und voller sehnsüchtiger Schönheit die Songs erhellt und in den mitunter euphorischen Refrains auch in höheren Stimmlagen grandios zur Geltung kommt.

Ehe man sich versieht, sind plötzlich auch wunderbare Arrangements zu erkennen, die betörend den Gesamteindruck des Albums in positivere Gefilde heben, als man es nach dem Opener-Dreigestirn noch für möglich gehalten hätte. „Close My Eyes“ dosiert z. B. den Einsatz der Streicherfraktion auf angenehme Weise und kann sich neben dem beschwingten, mit leichten Rock-Elementen bestückten „Outside“ deutlich von den anderen Tracks abheben und sonnige Wohligkeit dank unersättlicher Eingängigkeit verbreiten, an der man einfach nicht vorbeikommt. Im weiteren Verlauf plätschert es zuweilen vor sich hin, doch bleibt das Niveau gleichmäßig und die Songstrukturen in radiotauglicher Manier ansprechend, ohne einen wirklichen Ausfall verzeichnen zu können. Als Abschluss serviert uns Craig Hinds und seine Band gar eine echte Offenbarung, wenn „Sister Mary“ erklingt und sakrale Elemente berührend Einzug halten, während das Piano mit jedem Ton mehr gen Göttlichkeit tendiert. Ein schöner Ausklang eines Albums, dem die langjährige Erfahrung Watersheds anzuhören ist und dennoch nie seelenlos auf die Hitlisten abzielt. Die Südamerikaner melden sich zurück, so dass auch Musik-Europa erkennen sollte, wie viel Watershed neben „Indigo Girl“ zu bieten haben.

Anspieltipps:

  • Close My Eyes
  • Outside
  • Far Away
  • Sister Mary
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