Neil Young - Living With War - Cover
Große Ansicht

Neil Young Living With War


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach den letzten, etwas schlapp wirkenden Alben des 60-jährigen Kanadiers, hatte man sich eigentlich vom hymnisch rumpelnden Garagen-Rock á la „Rockin’ in the free world“ verabschiedet.

Onkel Neil ist wütend. Mächtig wütend sogar. Und zwar auf Amerika und seine Politiker. Insbesondere auf Präsident George W. Bush. Deshalb schreibt und spielt er in knapp zwei Wochen ein Protestalbum ein und stellt es als Stream auf seiner Internetseite online. Zwei Wochen später bringt es seine Plattenfirma in die Läden: „Living With War“ – Neil Youngs härtestes, radikalstes und eindeutigstes Werk seit gefühlten 15 Jahren. Darauf zu finden: Zehn aufrüttelnde Songs, eingespielt ohne seine Stammkapelle Crazy Horse, dafür mit einem imposanten 100-köpfigen Chor und drei auf den Punkt spielenden Musikern im Rücken (Rick Rosas am Bass, Chad Cromwell am Schlagzeug und Tommy Bray an der Trompete).

Nach den letzten, etwas schlapp wirkenden Alben des 60-jährigen Kanadiers (wobei „Prairie Wind“ lediglich sieben Monate zurückliegt), hatte man sich eigentlich vom hymnisch rumpelnden Garagen-Rock á la „Rockin’ in the free world“ verabschiedet. Um so größer ist jetzt die Überraschung, dass Young zu alter Schärfe zurückgefunden hat und sowohl musikalisch als auch inhaltlich ein ordentliches Pfund auffährt. Getreu dem Motto „drei Akkorde sind genug“, serviert Neil Young dem Hörer seine ganz persönliche Abrechnung mit der US-Regierung im Stile eines, wie er es nennt, „Metal Folk Protest“-Albums. Er greift die Medien wegen Volksverdummung an, tröstet die Witwen getöteter Soldaten, prangert den Irak-Krieg an und fordert völlig unverblümt die Amtsenthebung von George W. Bush.

Harter Tobak, der sich als idealer musikalischer Nährboden herausstellt, der ab und zu gefährlich nahe an der Kitsch- und Klischeegrenze vorbeistreift („After the garden“, „America the beautiful“), aber nichtsdestoweniger überzeugt. So ist es verblüffend, wie Youngs lärmende Gitarre mit der Trompete von Tommy Bray und dem riesigen Chor harmoniert („Living with war“, „Shock and awe“, „Let’s impeach the president“). Schlecht abgemischt, kommt bei solchen Aktionen nämlich undefinierter Soundbrei heraus. Nicht so beim Produzentenduo „The Volume Dealers“ alias Neil Young und Niko Bolas (Kiss, Toto, Billy Joel, Fiona Apple). Diese holen aus den gradlinigen Songs – wie gesagt: in nur zwei Wochen eingespielt – das Maximum heraus.

„Living With War“ ist ein Album, das man bei voller Lautstärke hören sollte. Erst dann entfaltet sich der raue Sound aus wummernden Drums, Neil Youngs heiser bellender Stimme und seiner „rostigen Gitarre“. Kurz gesagt: Wunderbarer Garagen-Rock mit unmissverständlichen politischen Aussagen.

Anspieltipps:

  • Shock and awe
  • Living with war
  • Flags of freedom
  • Lookin’ for a leader
Neue Kritiken im Genre „Folk-Rock“
Diskutiere über „Neil Young“
comments powered by Disqus