Mediengruppe Telekommander - Näher Am Menschen - Cover
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Mediengruppe Telekommander Näher Am Menschen


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 34 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Dank des Hamburger Indie-Labels Enduro kommen Gerald Mandl und Florian Zwietnig 2002 in den Genuss, eine erste EP unter das Volk zu bringen. Verwinkelte, partytaugliche Electrobeats treffen auf den durch´s Megaphon rausgepressten Sprechgesang, der nicht selten mehr Spaß als Inhalte vermittelt. Die Konzertbesucher und Viva Zwei-Zuschauer (wo das Video zu „Telekommanda“ des öfteren bei Charlotte Roches „Fast Forward“ untergebracht wird) bringen der Mediengruppe Telekommander Begeisterung entgegen und machen den Plattendeal bei einer größeren Firma unabdingbar. Mute/EMI wird hellhörig und lässt sich nicht lange bitten, das Debütalbum „Die Ganze Kraft Einer Kultur“ im Dezember 2003 auf die Menschheit loszulassen.

Viele Konzerte in Deutschland und im benachbarten Ausland, einen Videodreh in Las Vegas sowie Support-Auftritte für die Sportfreunde Stiller und die Beatsteaks später werkeln die beiden mit Moses Schneider ausführlich am neuen Album „Näher Am Menschen“, welches in seiner Aufdringlichkeit jeden Nerv fordert und trotz der geringen Spielzeit einen kompletten Hördurchlauf zur Schwierigkeit werden lässt. Es ist nicht mal die Musik, die das Ohr belastet und recht nett mit Breakbeats, Old School-Synthesizer und dem allgegenwärtigen Punk-Flair durch die Gegend holpert, sondern der unoriginelle Gesang in Beastie Boys-Manier (selbstredend ohne je deren Klasse zu streifen) und Texte, die infantil versuchen, die Gesellschaft sowie Engstirnigkeit im Musikbusiness anzuprangern. Da ist man schon beruhigt, wenn die Lyrics im Nonsens-Bereich bleiben und einfach nur lästig sind.

Dabei ist man beim Opener „Bild Dir Deine Meinung“ noch guter Dinge, dieser CD mehr als nur ein Ohr abzugewinnen. Lawinenartig grooven sich schwere Electrosounds und ein Hauch von Gitarrensample durch den Track und auch der übersteuerte Sprechgesang geht für den Moment in Ordnung. Leider bietet jeder Song dasselbe überdrehte Strickmuster und der Gesang droht spätestens nach der Hälfte des „Longplayers“ beim Hörer durch nervliche Überlastung mehr Unwollen als Spaß zu verbreiten. Hier und da ein paar Retro-Synthies und Basslines, deren Dringlichkeit nach und nach verblasst, sind eben noch nicht der gewinnbringende Effekt, den sich die Mediengruppe davon verspricht.

So flirtet sich das Duo durch Retroschick, vermeintlichen Spaß im Punkkleid und Tanzbarkeit, dass sich das Gähnen nicht vermeiden lässt und die Frage zu stellen ist, inwieweit das mit ernstzunehmender Musik noch etwas zu tun hat. Fragezeichen über dem Kopf der Hörers regieren die Landschaft, die nach dem Konsum dieses Kunstproduktes vor dem inneren Auge ihre Nonsensbahnen eröffnet. Fans werden die Scheibe mögen, sie vielleicht gar lieben – der Rest muss das aber großzügigerweise nicht verstehen.

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