KMFDM - Ruck Zuck EP - Cover
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KMFDM Ruck Zuck EP


  • Label: Metropolis/Alive
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

1984 entstand in Hamburg die genreprägende Industrial-Formation Kein Mehrheit Für Die Mitleid, welche sich in der Kurzform KMFDM etablierte und durch verschiedene musikalische Phasen ging, ohne an Ansehen einzubüßen. Nach der Europa-Tour mit My Life With The Thrill Kill Kult entschied sich die Band um Sascha Konietzko in die USA überzusiedeln und dort ihr Quartier aufzuschlagen. So eng, wie die Musik von KMFDM mit der sogenannten „American Industrial Music Scene“ verbunden war und immer noch ist, schien diese Entscheidung mehr als schlüssig.

Während im Jahr 1999 mit dem Album „Adios“ das Ende besiegelt schien, gab es schon drei Jahre später die Rückkehr mit dem Longplayer „Attak“ und einer Besetzung aus Sascha Konietzko, Tim Skold, Raymond Watts, Lucia Cifarelli, Bill Rieflin (u. a. Ministry) sowie der außerordentlich markanten Vokalistin Dorona Alberti. „Hau Ruck“ folgte 2005, überzeugte nicht nur langjährige Fans und wird nun von einer Remix-EP flankiert, die unter anderem auch eine Coverversion von DAFs „Der Mussolini“ bereithält und mit ihrer großzügigen Spielzeit eher einem Album ähnelt.

Ganz wie man es sich wünscht, wütet im Opener „Free Your Hate (Käptn´s Krunch Mix) eine bedrohliche Atmosphäre, welche von unheilschwangeren Brachial-Gitarren eingerahmt und anhand lawinenartiger Drummings zum genialen Eröffnungstrack wird. Druckvoll verzerrte Vocals unterstützen die hasserfüllte, doch nicht blind knüppelnde Melange aus Freigeistigkeit und Zorn. Bläser und Swing beherrschen dagegen das lässig tänzelnde „Mini Mini Mini“ im Swingin´ Samples Mix, das eine angemessene Horrorshow im schillernden Spaßgewand präsentiert. Dorona Alberti verzaubert bei „Professional Killer (The One And Only Mix) mit sehnsüchtiger Wärme im Gesang und gibt dem treibenden Electro-Rock des Stückes eine süßliche, doch keinesfalls kitschige Note. Die Beats reihen sich perfekt zwischen einschneidenden Gitarren und flirrenden Synthflächen ein, so dass kein Wunsch unerfüllt bleibt.

Scratches beleben das bedrohlich lauernde „Ready To Blow“, welches mit orientalischem Flair überrascht und die außerordentliche Stellung von KMFDM unterstreicht. Jedoch bleibt der Song trotz extravaganter Note im knapp durchschnittlichen Bereich, genau so wie auch das folgende „Hau Ruck“ im Spezial K-Mix nur durch frische Sequencersounds und ein paar elektronische Spielereien Aufsehen erregt, vom Song an sich aber zu wenig hängen bleibt. Ganz anders die begnadete Coverversion vom provokanten DAF-Evergreen „Der Mussolini“, die zielstrebig noch mal einiges mehr an Druck als das ohnehin schon energetische Original erzeugt und die physische Wirkung nicht verfehlt.

Als Abschluss sinniert Herr Konietzko im Spoken Word-Track „Ansage“ nicht humorlos über die Irrungen seiner Wahlheimat USA und natürlich bekommt auch deren Cowboy aus Texas sein Fett weg, so dass die aufrüttelnde Ansage zwar nah die Pathos-Grenze tuschiert, aber doch den Genialitäts-Bonus einheimst. Und so endet eine starke, vielseitige Reise durch Industrial-Rock, Broken Beats und hochwertigen Electrosound voller Ideenvielfalt, die deutlich Lust auf ein baldiges Album von KMFDM macht, denn diese Herren und Damen sind nicht totzukriegen, wie „Ruck Zuck“ mehr als genug beweist.

Anspieltipps:

  • Free Your Hate (Käptn´s Krunch Mix)
  • Professional Killer (The One And Only Mix)
  • Real Thing (Nude Mix)
  • WWIII (The One And Only Extended Mix)
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