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  • Label: EMI Austria
  • Laufzeit: 51 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwei Bands haben in den letzten zwei Jahren die Chance genutzt bei Österreichs größtem Bandwettbewerb, dem „Soundcheck”, der durch den Radiosender Ö3 ausgetragen wird, ihrer Musikkarriere einen beträchtlichen Sprung nach vorne zu gewähren und sich plötzlich, in Anbetracht der Belohnung, die in Form eines Vertrages mit einem Major-Label (in beiden Fällen EMI) winkte, in den heimischen Hitparaden auf den vorderen Rängen, wenn nicht sogar auf dem ersten Platz zu sehen. Gewinner Nummer eins war die Gitarren-Rockband Shiver, die sich nach der Gründung 1998 und dem Erschaffen einer soliden Fanbasis dazu entschieden haben einen Schritt weiter zu gehen und ihr Können bei bereits genanntem Wettbewerb zusammen mit etwa 300 anderen Mitstreitern unter Beweis zu stellen. Als der Sieg in der Tasche war wurde der Siegessong „Dieser Augenblick” veröffentlicht und stieg eher verhalten auf Platz 16 ein, konnte sich aber auf acht verbessern, nur um gleich darauf konsequent abzusteigen und aus dem Ranking zu fliegen. Mit dem Debüt „Zwischen den Zeilen” lief es ähnlich schlecht, denn gerade einmal in der ersten Woche wurde die zwölfte und somit höchste Position erreicht, danach begann die Talfahrt. Aufgrund dieser zurückhaltenden Euphorie wurde eine Werbekampagne für andere deutschsprachige Länder gekippt. Zur Zeit versuchen Shiver jetzt zumindest im Alpenland nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren und mit ihrem Zweitling „Herzlich Willkommen” dennoch auf kommerzieller Ebene durchzustarten.

Wesentlich besser lief es bei SheSays, die zwar erst seit 2004 bestehen, aber eigenen Angaben nach bereits ein eingespieltes Team sind, obwohl sich die Mitglieder Gudrun Liemberger (Gesang), Andreas Liu (Gitarre), Valentin Rosegger (Bass) und Catharina Priemer (Schlagzeug) vor der Gründung noch nicht kannten, aber ihre musikalische Erfahrung aus anderen Bands mitbrachten. „Unser Sound ist manchmal Pop und manchmal Rock, aber immer emotional. Alle unsere Empfindungen fließen in unsere Musik. Sie trägt unsere Herzschrift!” erläutern die frischgebackenen Sieger des „Soundcheck” und freuen sich über den Erfolg der ersten Single „Rosegardens”, die es bis zur Silbermedaille schafft. Das selbstbetitelte Debüt erscheint am 10. März und katapultiert sich sofort an die Spitze, kann sich aber trotzdem nicht länger als drei Wochen in den Top 10 halten. Nichtsdestotrotz wird für SheSays die Werbetrommel gerührt und ein Releasetermin in Deutschland angesetzt, schließlich singt Frontfrau Liemberger auf Englisch („Weil ich sehr fantasievoll und bildhaft schreibe, fühle ich mich der Idiomatik des Englischen näher an meiner Intuition”) im Gegensatz zu den in Deutsch gehaltenen Texten von Shiver und schreibt außerdem alle Stücke alleine oder mit Hilfe der Bandkollegen, was zumindest für vorhandenes künstlerisches Potential spricht.

Im Vergleich zu diesen kühlen und durchaus vielversprechenden Fakten klingt das Ergebnis in den 13 Pop/Rock-Songs allerdings weniger aufregend. Gebärdet sich der Titeltrack, der zugleich als Opener fungiert, noch als gefälliger, aber genauso unauffälliger Radio-Rock, offenbaren „Flowers”, „Sex” und „Mayday” die bemühten Ambitionen von Liemberger ihrer Stimme mehr Ausdruck zu verleihen indem sie sie an gewissen Stellen aus sich heraus presst, was nicht nur sehr gewöhnungsbedürftig klingt, sondern auch unnötigerweise vom restlichen Geschehen des Tracks ablenkt. In „Mountainside” erlebt man die Sängerin in einem der besseren Songs und so wie sie ihre Stimme immer einsetzen sollte. „Moonlight” ist die Halb-Ballade, die das Wort „emotional” des emotionalen Pop/Rocks des Quartetts gut zum Ausdruck bringt und „Fallen angel” die komplementäre, knisternde Lagerfeuer-Romantik dazu. Langsam wird mit „Love U” wieder an Fahrt aufgenommen, „Bees & stones” zieht ohne besondere Regung beim Hörer vorbei und „Venus” und „Lady in the sky” dudeln ebenfalls in gediegenem Midtempo vor sich hin. „Rosegardens” sticht im Anschluss daran regelrecht heraus und schnell wird klar wieso dieser Song der erfolgreichste der Band ist, wenn eine sehnsüchtige Gitarrenmelodie im Hintergrund zu Liembergers bester gesanglicher Performance schlussendlich doch noch ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubert, bevor „Deeply” mit einem Wechselspiel aus ruhigen und aufbegehrenden Passagen die Platte beschließt.

Was lässt sich nun im Endeffekt mit dem Debüt der österreichischen Band anfangen? Ein kompletter Fall für die Mülltonne ist das Werk sicher nicht, obwohl einige der Songs dermaßen unbeeindruckend vor sich hin plätschern, dass der Griff zur Skip-Taste nie außer Acht gelassen werden sollte. Ansonsten liefern Gudrun, Andy, Valentin und Cathi poppige Rocksongs, die zu selten aus sich heraus gehen und das Gefühl evozieren: „Da wäre mehr drin gewesen!”

Anspieltipps:

  • Moonlight
  • Rosegardens
  • Mountainside
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