Ignite - Our Darkest Days - Cover
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Ignite Our Darkest Days


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 36 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit über zehn Jahren treibt die US-Band aus Orange County ihr Unwesen in der politisch orientierten Punk/Hardcore-Szene und mauserte sich durch endlose Tourneen und omnipräsente Authentizität zu einer der absoluten Genre-Größen, obwohl mit „Our Darkest Days“ erst ihr viertes Studioalbum vorliegt. Der Vorgänger „A Place Called Home“ war eindeutig eine Großartigkeit der melodischen und trotzdem zielstrebigen Rockmusik mit filigraner Gitarrenarbeit, einer gehörigen Energie und Zoli Teglas´ einzigartiger, recht hohen Stimme. Ignite zeichnen sich durch Beständigkeit aus, dessen Ziel es nicht ist, jedes Jahr ein halbgares Album gesichtslos zu präsentieren, immerhin sind seit dem letzten Werk fast sechs Jahre vergangen, sondern politische Texte mit der Unterstützung von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen zu untermauern und zeitlosem Punkrock neues und doch klassisches Leben einzuhauchen, ohne die Hardcore-Wurzeln zu verdrängen.

Das Intro erhöht dann folgerichtig noch die Spannung auf mehr als eine halbe Stunde brachial melodischer Energie, die mit Zolis Stimme neben der technisch versierten Gitarrenläufe und komplexer Drummings das Markenzeichen von Ignite nach außen trägt. Gleich der erste Song („Bleeding“) entpuppt sich als Ohrwurm voller Wucht und inhaltlicher Präsenz, die sich in diesem Fall mit dem Einmarsch der US-Truppen in den Irak und dem Irrsinn, diesem zerrütteten Land bei der Gelegenheit gleich den westlichen Stempel aufzudrücken, beschäftigt. „Let It Burn“ lebt von hymnischen Shoutings und einem Refrain, der sich dem schwitzenden Moshpit geradezu aufdrängt und stimmlich Zuversicht sowie Sehnsucht nach einer Menschheit, die geistig noch nicht begraben ist, vermittelt.

Immer wieder fallen messerscharfe Riffs und mehr als günstig platzierte Breaks ins positive Erscheinungsbild von „Our Darkest Days“, welches zugleich aufrüttelt, anspornt und ungeheuer Spaß macht. Ohne übertreiben zu wollen und mit dem Hintergedanken an die eher beschränkten Möglichkeiten von Punk/Hardcore, haben wir es hier mit einer der genialsten Punkrock-Scheiben des bisherigen Jahres zu tun, die bei all´ der Energie niemals Proll-Attitüde oder aufgesetzte Parolen nötig hat und doch ohne Umschweife die Zielgerade in Beschuss nimmt. Hochgeschwindigkeitsattacken bei „Save Yourself“ und dem direkt folgenden „Are You Listening“ lassen einen ob der musikalischen Versiertheit staunen und werden dank der Rhythmuswechsel sowie durchdringender Melodien auch beim allgemeinen Musikkenner für Glücksgefühle sorgen.

Fraglich bleibt einzig und allein, warum es das U2-Cover von „Sunday Bloody Sunday“ (ebenso vertreten auf der europäischen Ausgabe vom Album-Vorgänger „No Place Like Home“) erneut zu vernehmen gibt. Abgesehen davon, dass an der Ignite-Version überhaupt nichts auszusetzen ist und sie wunderbar den melancholischen Text mit musikalischer Dringlichkeit verbindet, schürt es die Verwunderung. Wundern oder einfach nur erfreuen kann man sich an dem letzten Song, denn „Live For Better Days“ erstrahlt lediglich mit Akustikgitarre und Zolis unverkennbar klarer Stimme, dafür allerdings umso heller.

Anspieltipps:

  • Bleeding
  • Let It Burn
  • Save Yourself
  • Know Your History
  • Live For Better Days
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