Gnarls Barkley - St. Elsewhere - Cover
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Gnarls Barkley St. Elsewhere


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 37 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Lustige Possenspielchen mit gepflegtem Hang zur Maskerade sind auf dem Musiksektor nicht erst seit PeterLicht (das großartige Kartoffelmännchen), Daft Punk (ausschließlich in ihren roboterähnlichen Anzügen anzutreffen), Slipknot (9 Musiker mit jeweils einer Latex/Leder-Maske am Kopf) oder gar Ratty (das waren ja Scooter – lustig, nicht?!) gang und gebe und somit in aller Munde. Die in letzter Zeit äußerst erfolgreichen Gorillaz, eine sogenannte Comic-Band, ist da keine Ausnahme, sind sie doch praktisch nicht existent, wäre da nicht Damon Albarn von Blur, der sich für den Großteil der Songs verantwortlich zeichnet. Im Zusammenhang mit dem Debüt von Gnarls Barkley stellt sich natürlich wiederum die Frage, wer das denn nun ist, der auf „St. Elsewhere“ aus den Boxen tönt?

„Soul-Gigant Isaac Hayes und Violent Femmes-Chef Gordon Gano? Gut gehütetes Geheimnis von Popstars wie Mariah Carey und Janet Jackson? Englischlehrer der Synthrock-Legenden Kraftwerk? Croupier mysteriöser, jährlicher Versammlungen in der Bay Area, die sowohl Mitglieder des Wu-Tang-Clans, als auch des britischen Kunst-Kollektivs der Stuckisten anzieht? Es wirkt so, als sei Gnarls Barkley in der Welt der Musik immer in der Nähe, aber unmöglich aufzufinden“ will uns der Waschzettel der Plattenfirma auf mysteriösem Weg weismachen. Ganz so unauffindbar ist der gute Herr Barkley nämlich letztendlich nicht, reicht es schließlich allein schon wenn ein Blick ins Beiheft geworfen wird und am häufigsten die zwei Namen Brian Burton und Thomas Callaway fallen, die unter ihren Pseudonymen Danger Mouse und Cee-Lo alles andere als die großen Unbekannten sein sollten.

Produzierte der Erste nämlich „Demon days, das letzte Album der Gorillaz, für das er eine Grammy-Auszeichnung als Produzent des Jahres erhielt und erntete großen Beifall für sein „Grey Album“, das eine Zusammenlegung aus dem „Black Album“ von Jay-Z und dem „White-Album“ der Beatles darstellt, so wirkte der Zweite jüngst als Songwriter bei den Pussycat Dolls beim Song „Don´t cha“ mit und ist sonst als Rapper und anerkannter Funk-Soul-Brother vor allem in Amerika bekannt. Nun gemeinsam als Gnarls Barkley unterwegs offenbaren die zwei Herrschaften einen wunderbar tanzbaren, mitreißenden und groovenden Stilmix aus HipHop, Soul, Funk, Breakbeat, 2Step und Jazz, der unter anderem Geschichten über unliebsame Bewohner im Sanitätsbereich enthält („The boogie monster“), Suizidgedanken durch den Raum kreisen lässt („Just a thought“), die chinesische Harmonielehre sarkastisch beäugelt („Feng Shui“) oder sich einfach nur über lächelnde Gesichter freut („Smiley faces“).

Die kurze Laufzeit von gerade etwas über 37 Minuten stört dabei weniger, gilt es doch diesen Brocken einer Platte namens „St. Elsewhere“ erst einmal eingehendst zu studieren, sich alle Facetten näher zu bringen, übereinandergeschichtete Samples heraus zu filtern und sich zu überlegen zu welchem Song man beim nächsten Discobesuch am liebsten die Hüfte kreisen lassen will, denn selbst die ruhigeren Tracks bieten genügend Freiraum für tanzbare Eigeninterpretationen um die Sau raus zu lassen. Für Unentschlossene dürfte wohl „Go-Go gadget gospel“ ausreichen um ein bekennender Fan zu werden, denn ein Polka-infiziertes Akkordeon, das von einem Big-Beat-Mantel umhüllt wird hat man in dieser Weise (wenn überhaupt) noch nie gehört.

Anspieltipps:

  • Crazy
  • Smiley Faces
  • Storm Coming
  • Just A Thought
  • Go-Go Gadget Gospel
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