Portugal. The Man - Waiter: You Vultures! - Cover
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Portugal. The Man Waiter: You Vultures!


  • Label: Fearless/DEFIANCE
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Da ist man schon fast felsenfest davon überzeugt, dass man das Debütalbum einer gemischten Band mit Leadsängerin hört und dann das: das sind alles Männer! Die hohe Stimme des Sängers lässt wirklich erfahrene Hörer zweifeln, ob das wirklich so ist. Doch nach dem zu empfehlenden mehrmaligem Hören des Albums können die Zweifler beruhigt werden. Das Kölner Independentlabel Defiance Records hat die Band aus Alaska mit dem seltsamen Namen und Sound erlaubt, ihr erstes Werk der Musikwelt vorzustellen. Dreizehn Songs, die die musikalische Einordnung stark erschweren, wurden zusammen mit dem Produzenten Casey Bates von der eher unbekannten Band „Gatsbys American Dream“ kreiert. Ist das jetzt Emocore im Stile von Jimmy Eat World oder einfach Indierock mit Posthardcoreexperimenten?

Doch diese Band legt etwas Frisches und Eigenständiges vor, dass in keine Schublade passt. Der ungewöhnliche Name ist zufällig entstanden und lässt erahnen zu welchen verschlungenen Gedankengängen die vier jungen Musiker fähig sein können. Bis auf den Drummer Jason Secrist sind alle gesangstechnisch aktiv: als Hauptsänger fungiert John Baldwin Gourley, Wesley James Hubbard bedient die Keyboards und Zachary Scott Carothers den Bass.

Der Opener „How the leopard got it’s spots“ beginnt sehr eingängig und die Erkenntnis wächst, dass die feine Melodieführung und der harmonische Gesang ein treuer Begleiter der 52 Minuten Newcomerrock aus dem kalten Alaska bleiben werden. Das sperrige und unerwartete Moment wird aber keineswegs weggelassen, denn das macht den Unterschied zum chartkompatiblen Gedudel. Der erste Track ist aber definitiv trotz Gitarren und Drumseinsatz radiotauglich und nach drei vergnüglichen Minuten erklingt zum Schluss nur „lalala“ und das passt einfach.

Gutes Songwriting Marke Portugal.The Man sieht so aus: Verblüffende Breaks und Tempowechsel kombiniert mit dem guten John Gourley und seinen ebenfalls sangesfreudigen Kumpanen ergibt eine schöne Emocore-Mischung. Die Instrumente der Marke Hardcore werden aber auch nicht vergessen. „Marching with 6“ strapaziert den Drummer und die Gitarrenfraktion und überrascht mit etwas männlicherem Gesangspart. Das ist natürlich keine leichte Kost für Gelegenheitshörer, sondern ein ziemlich anstrengender Track, der sich ausnahmsweise stark auf Gitarrengebolze beschränkt. Danach kommt mit „Elephants“ wieder leichte Erholung mit einem ruhigem Anfang. Es folgt eine Temposteigerung und rhythmisches Klatschen fängt die Melodie ein. Nach drei Minuten wird ein wenig Schreien eingesetzt und die Eingängigkeit ist dahin.

Das Quartett möchte nicht gefallen, sondern zieht alle Register, die Neulinge so parat haben, um sich nicht anzubiedern. Stattdessen werden Songs geboren, die konzentriertes Hören erfordern. Leider sind eben nur einige wirklich zugängliche Songs dabei, daher wird die CD verkaufstechnisch nur dem Kreis von Eingeweihten vorbehalten bleiben, die an neuer und innovativer Musik interessiert sind. Die Band hat auf jeden Fall viel Talent und hat es verdient, entdeckt zu werden.

Anspieltipps:

  • Waiter
  • Elephants
  • Gold Fronts
  • Kill me the King
  • How The Leopard Got Its Spots
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