Peeping Tom - Peeping Tom - Cover
Große Ansicht

Peeping Tom Peeping Tom


  • Label: Ipecac Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Peeping Tom ist das neue Projekt von Mike Patton. Bekannt wurde Patton durch seine Sanges- und Komponierkunst bei den Crossoverrockern von Faith No More, die sich 1998 auflösten. Er gründete ein eigenes Plattenlabel namens Ipecac, dass er für seine Projekte wie Fantomas oder Tomahawk nutzte. Keine Kompromisse hieß Pattons Motto und er probierte wirklich jede Art von Musik aus, die zwischen Kunst und Wahnsinn pendelte.

Die zwölf Songs auf seinem neuesten Longplayer sind Produkte diverser Kollaborationen mit sehr unterschiedlichen Künstlern. Norah Jones, die „Sucker“ mit Herrn Patton singt, die brasilianische Sängerin Bebel Gilberto, der Old-School-HipHopper Keith Thornton, der sich gern Kool Keith nennt, Massive Attack und der kanadische DJ Kid Koala sind nur ein Auszug der Gästeliste. Der experimentierfreudige Mike Patton ist mit seiner Stimme immer dabei und spielt auch fast alle Instrumente. Elektronischen HipHop könnte man es nennen, aber eigentlich ist es sehr schwierig, eine einheitliche Musikrichtung in diesen Songs festzustellen. Der Songwriter Patton hat innerhalb eines Tracks mehr Ideen als manche Musiker in ihrem ganzen Leben und das sorgt für große Abwechselung.

„Mojo“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass Peeping Tom im Gegensatz zu Pattons anderen Outputs radiotauglich daherkommt. Ein harter Groove und seine wandlungsfähige Stimme lassen Erinnerungen an alte Zeiten aufkommen, wenn da nicht ein samplefreudiger Gast namens „Dan the Automator“ fremde Klänge reingemischt hätte. Doch schon ist eine diese Songwritingperlen geboren für die andere ihre Großmutter verkaufen würden. Auch „Don't even trip“ erreicht in seinen fast sechs Minuten Spielzeit den Hörnerv. DJ Tobin und Mike Patton kreieren ein tanzbares Etwas, dass von Drumattacken und natürlich der flüsternden Stimme oder des voll eingesetzten Organs des Masterminds lebt.

Massive Attack steuert mit „Kill the DJ“ ein eher schwächeres Stück bei, das zu viele Experimente auf einmal versucht und durch Melodielosigkeit auffällt. Nach diesem Elektronikangriff erklingen mit der Sängerin Bebel Gilberto entspannte Beats, die zurecht den Namen „Caipirinha“ tragen. Unterbrochen wird die Erholung durch einen Schlagzeug- und stimmlichen Angriff des Chefs, die dem Song das gewisse Etwas geben.

Die Zusammenarbeit mit dem kanadischen Soundmixer Kid Koala groovt wieder clubtauglich und verstört wieder ein wenig durch die eingestreuten harten Drums. Doch diese Mixtur lässt einen nicht los. Die HipHop-Fraktion um Doseone oder Cool Keith lässt keine Langeweile aufkommen, denn die Auserwählten stehen nicht für sturen Mainstreamrap, sondern gerade Doseone besitzt die nicht vorhandene Angst, mit gänzlich fremden Musikrichtungen wie Jazz oder Klassik in Berührung zu kommen.

Norah Jones singt „Motherfucker“ und den Musikkritikern bleibt das Herz stehen. Der Song passt überhaupt nicht zu ihrem bisherigen musikalischen Stil, aber die Leichtigkeit mit der Mister Patton die nette Norah zu seinem interessanten Ausflug in die Welt von Scratches und groovender Black Music meets Klangexperiment überreden kann, zeigt, dass dieser Mann genial sein muss. Den Schlusspunkt dieses Longplayers setzt „You're not alone“, das nichts auslässt. Denn von einer etwas heftigeren Schreiattacke bis zu einer amtlichen Melodie ist alles vertreten.

Der Hörer dieses Werkes lehnt sich nach einer anstrengenden Reise durch den pattonschen Klangteppich erschöpft zurück und staunt, wie abwechselungsreich Mike Patton Songwriting betreibt. Den Mainstreampfad verlässt der gute Mann ab und zu mit voller Absicht und trotzdem zieht einen die Musik in den Bann. Warum macht dieser Vollblutmusiker nicht immer Platten wie diese?

Anspieltipps:

  • Mojo
  • Caipirinha
  • Don't even trip
  • How U Feelin?
  • We're not alone
  • Celebrity Death Match
Neue Kritiken im Genre „Rock“
9/10

News Of The World (40th Anniversary Edition)
  • 2017    
8/10

Automatic For The People (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Peeping Tom“
comments powered by Disqus