Kante - Die Tiere Sind Unruhig - Cover
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Kante Die Tiere Sind Unruhig


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Peter Thiessen war zwischen 1992 und 2001 Bassist bei Blumfeld. Parallel betrieb er mit Kante sein eigenes Projekt, bis er Blumfeld den Rücken kehrte, um sich ausschließlich dem eigenen musikalischen Baby zu widmen. Hier spielt er Gitarre, singt und ist federführend für das Songwriting verantwortlich. Dennoch gab es bei seinem Gesang, den Texten und vielen Arrangements immer wieder auffallende Ähnlichkeiten zu seinem ehemaligen „Chef“ Jochen Distelmeyer.

Doch damit könnte jetzt Schluss sein. Denn während sich Blumfeld auf ihrer aktuelle Platte „Verbotene Früchte“ (04/2006) vermehrt dem Thema Flora und Fauna widmen und dabei Hörer zurücklassen, die nicht wissen, ob sie gerade veräppelt werden, lösen sich Kante von den verkopften Dichter- und Denker-Ansätzen, die der Gruppe beim Entstehungsprozess des letzten Studioalbums „Zombie“ (08/2004) beinahe der Garaus gemacht hätten, und legen nun mit „Die Tiere sind unruhig“ ein ungewöhnlich rockiges Album vor, dass vom Stoner-Rock der Queens Of The Stone Age beeinflusst wurde.

Aber keine Angst, an Auswüchse in Form von verkifftem Doom-Metal und Stoner-Riffs muss sich der geneigte Kante-Fan nicht gewöhnen, auch wenn die Anzeichen daraufhin deuten. Denn mit nur sieben Songs und 48 Minuten Spielzeit liegt der Verdacht nahe, dass das Quintett einen progressiven Riff-Teppich ausgerollt hat, der so manchen Hörer vor den Kopf stoßen könnte. Doch für solche Experimente ist die Band dann doch zu sehr im Indie-Rock verwurzelt. Und so kommt lediglich das großartige „Nichts geht verloren“ dem Stoner-Sound am nächsten, wenn sich in über acht Minuten zerrende Gitarren mit polternden Drums und nervösen Bassspuren duellieren. Trotzdem rocken Kante auch in Tracks wie „Die Wahrheit“ und „Ich hab’s gesehen“ ziemlich forsch ab und präsentieren sich hitzig, ruhelos und rau. Man merkt deutlich, dass die von Moses Schneider (Tocotronic, Beatsteaks) produzierten und von Michael Ilbert (The Hellacopters, The Hives, Supergrass, Kaiser Chiefs) abgemischten Songs quasi live eingespielt und nur mit wenigen Overdubs versehen wurden.

Darüber hinaus gibt es im Titeltrack flirrende Gitarren á la „Where the streets have no name“ (U2) und ein grandioses 9-Minuten-Epos namens „Die Hitze dauert an”, das sich langsam, wie ein aufbrausender Ozean aufbaut, zuerst nur mit Stimme und Piano auskommt, und Stück für Stück an Dramatik dazugewinnt, indem zuerst Streicher einsetzen, Gitarren und ein sanftes Schlagzeug hinzukommen, bis eine große Welle über dem Kopf des Hörers zusammenschlägt. Danach herrscht Stille.

Gar nicht ins Konzept passt dagegen der gewollt lustige Song „Die größte Party der Geschichte”, der mit Rap-Part, Handclaps, grölendem Chor, asiatischen Klängen, funkigen Bläsern und einem abgedrehten Text („Vors Weltgericht geladen, kommt die Band zu spät, weil die Wegbeschreibung scheiße war“) eher als Proberaumscherz, denn als ernstzunehmender Song verstanden werden kann. Aus dem Rahmen fällt auch die jazzige Nummer „Ducks and daws“, die mit seiner Instrumentierung (Piano, Trompete, Flügelhorn und Bongos) eher auf das letzte Werk gepasst hätte.

Kante gelingt mit „Die Tiere sind unruhig“ ein gutes bis sehr gutes Album, das sich wohltuend von den Peinlichkeiten vieler deutscher Veröffentlichungen abhebt. Es stellt auch das letzte Blumfeld-Album deutlich in den Schatten, von dem der Rezensent bis heute nicht genau weiß, was die Herren eigentlich damit sagen wollen.

Anspieltipps:

  • Die Hitze dauert an
  • Nichts geht verloren
  • Die Tiere sind unruhig
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