Zeraphine - Still - Cover
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Zeraphine Still


  • Label: Phonyx/Soulfood
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Hervorgegangen aus den Dreadful Shadows schafften es Zeraphine, drei Alben in vier Jahren herauszubringen und sich nach und nach als eigenständige Formation in Gothic-Regionen zu etablieren. Sänger Sven Friedrich und seine vier Mitstreiter legen nach dem 2005´er Album „Blind Camera“ schon gut ein Jahr später „Still“ nach und machen die relativ kurze Produktions- und Aufnahmephase anhand von einer gewissen Räudigkeit deutlich, während die Finesse eines nahezu live eingespielten Longplayers nur selten ihren ganzen Reiz entfaltet.

Nach durchaus netten, beschwingten Rocksongs mit lyrischer Dunkelheit und Pathos ohne die Reue am Kitsch ist es „Gib Mir Dein Gift“, welches das musikalische Unheil heraufbeschwört und neben drucklosen Doom-Ausflügen vor allem durch die halbherzigen Growls irritiert und kaum Authentizität erkennen lässt. Für todessehnsüchtige Schwarzmalerei mit unspektakulären Gitarrensounds und holprigen Drums sicher ganz okay, doch der allgemeine Musikhörer kann sich wirklich nur noch fragen, warum die ewige Proberaum-Band von nebenan trotz ernstzunehmenderen Texten nicht eine ähnliche Fanschar an Land zieht, wie der Fünfer von Zeraphine.

Zum Glück gibt es auch Ausflüge in englischsprachige Regionen, die wie bei „Toxic Skies“ wunderbar rocken und eingängig an die besseren Momente der Dreadful Shadows erinnern. Der Refrain ist mit synthetischen Spielereien verziert und schafft es als einer der wenigen Tracks von diesem Album, den Kitschfelsen entspannt zu umkurven. Electro-Beats und etwas zu schüchterne Riffs leiten „Fang Mich“ ein, ehe es von teils dichten Gitarrenfundamenten zum durchschnittlichen Pathos-Rock auserkoren wird. Gerade die Stimme von Sven Friedrich holt aus so manchem Song, wie auch aus dem letztgenannten, einen Pluspunkt heraus. Leider sind es viel zu oft die lyrisch belanglosen und schmerzhaft einseitigen Texte von Trübsal und Bitterkeit, welche Kopfschütteln erzeugen und gen plattem Gotik-Klischee tendieren.

Musikalisch rockt es sich mal bedächtig, mal beschwingt durch allseits bekannte Gothic Rock-Gebiete, die in ihrer Beständigkeit nach gewisser Zeit zwar eher langweilen als zunehmend begeistern, jedoch durchaus als gut zu bewerten sind und konsequent das miefige Patchouly-Feld beackern. Dieses dürfte das typische Klientel begeistern, obwohl textlich eine Menge Schwachstellen auszumachen sind, die eventuell noch Nachwuchs-Goten begeistern, allerdings an Tiefgang zu wünschen übrig lassen. Eine reine Genre-Platte, die leider auch nicht mal in diesem begrenzten Segment den Durchschnitt erreicht. Bis zum nächsten Album darf also gern mehr als ein Jahr vergehen, damit uns ein derartiger Schnellschuss erspart bleibt.

Anspieltipps:

  • Toxic Skies
  • I´ll Follow You
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