AFI - Decemberunderground - Cover
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AFI Decemberunderground


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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10 1 7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Entgegen aller Klischees haben AFI bisher durch alles andere als charttaugliche Musik im anheimelnden Gewand überzeugt.

Alles begann auf der Highschool und mit der Idee, eine Rockband zu gründen. Voller Euphorie und auch tiefer Liebe zur Musik, hätte man am liebsten gleich richtig durchgestartet, aber leider konnte niemand in der Band ein Instrument spielen und so lösten sich AFI, welche sich damals noch A Fire Inside nannten, erst einmal wieder auf. Sänger Davey Havok belegte Psychologie- und Englisch-Kurse am College, Gitarrist Jade Puget spielte in ein paar anderen Hobbybands und auch Hunter Burgan und Adam Carson gingen eher unspektakulären Zielen nach. Doch es verging nicht viel Zeit, da wurde dem Quartett der gutbürgerliche Alltag zuwider und so trafen sich die Vier zu einer Reunion, lernten ihre Instrumente richtig zu bedienen und auf einmal passierten Dinge, mit denen niemand gerechnet hatte.

Sänger Havok brach sein Studium ab. Die Band fing an, richtige Songs zu schreiben und an den Instrumenten zu reifen und so begaben sich AFI mit ihrer Musik auf ausgiebige Tourausflüge durch die Staaten, ohne zu wissen, was die Zukunft bringen sollte. Man veröffentlichte Songs bei Underground-Labels und erspielte sich eine stetig wachsende Fanbase. Soviel Idealismus beeindruckte natürlich nicht nur die Anhänger lauter Gitarrenmusik, sondern auch die steifen A&Rs der großen Plattenfirmen wie zum Beispiel Dreamworks. Die haben ihren Job ja auch mal aus Liebe zur Musik angenommen und vielleicht war es eben genau dieser Grund, weshalb AFI bei jenem Majorlabel einen Plattendeal an Land ziehen konnten.

Entgegen aller Klischees haben AFI bisher durch alles andere als charttaugliche Musik im anheimelnden Gewand überzeugt. Vielmehr bestimmte düstere, kantige Musik das Werkzeug ihres Schaffens. Dark-Punk geprägt durch tiefe Depressionen und Melancholie, Soundtracks für die tristeren Tage des Lebens. Musik, lauernd in der selbst geschaffenen Nische.

Mit „Decemberunderground“ erscheint nun das inzwischen achte Studiowerk der vier Kalifornier und wartet mit einigen Überraschungen auf. Eigentlich haut die Platte schon ab dem Opener „Prelude 12/21“ alles aus den Angeln, was man bisher von AFI zu kennen glaubte. HipHop, Elektro-Pop, und dancetaugliche Chartstürmer. Fernab von drückendem Punk mit Gothic-Anleihen, gepackt in eine selbstmörderische Atmosphäre jenseits des Sonnenlichts. Ob der Autor vielleicht die falsche Platte gehört hat? Keinesfalls, aber es hat ja auch niemand behauptet, dass das neue Bewusstsein der Band etwas mit einem musikalischen Schlaganfall gemeinsam hätte.

Hat man den ersten Schock nämlich erst einmal überwunden, wissen die 13 Tracks durchaus zu bezirzen. Da wäre zum einen die erste Singleauskopplung „Miss murder“, ein Gassenfeger der ersten Stunde, ein Tanzflächenfüller, dominiert durch einen mitgröltauglichen Refrain und den typischen AFI-Pathos. Zum anderen finden sich noch Songs wie „Kill caustic“ oder „The killing light“, welche schon etwas mehr nach vorne gehen und auch den Seitenblick zum Lieblingsalbum „Sing The Sorrow“ erlauben. Choräle, Synthie-Sounds und die undurchsichtigen Momente dürfen auf einer AFI-Platte dann eben doch nicht fehlen.

Klar klingt „Decemberunderground“ etwas eingängiger und vor allem elektronischer als noch seine Vorgänger und erreicht mit Sicherheit nicht die Größe und Tragweite einer „Sing The Sorrow“. Hört man aber zischen den Zeilen und gesteht dieser Band den Wunsch zur Weiterentwicklung ein, so sollte man über den Sound dieses Albums weniger überrascht sein. Im Endeffekt bleibt zu konstatieren: Mehr Opulenz, mehr Elektronik und mehr Eingängigkeit – AFI haben alles richtig gemacht.

Anspieltipps:

  • Miss Murder
  • Kill Caustic
  • The Killing Light
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