Nitzer Ebb - Body Of Work 1984-1997 - Cover
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Nitzer Ebb Body Of Work 1984-1997


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 156 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Heroen und Initiatoren der Electronic Body Music (kurz: EBM) ist das Duo bestehend aus Douglas McCarthy (Gesang/Shouting) sowie Bon Harris (Synthesizer) in jedem Fall, denn ihre erste Single „Isn´t It Funny How Your Body Works“ (1984) modifizierte den schon bestehenden Electro-Pop mit härteren Sounds und einer zielstrebigen Tanzbarkeit, dass z. B. in der Folgezeit der Erfolg von Techno/Trance ohne Nitzer Ebb nie möglich gewesen wäre. Daniel Miller zeigte sich beeindruckt und nahm sie unter seine Fittiche, als er das Duo für sein Label Mute Records verpflichtete.

Durch das Debütalbum „That Total Age“ (1987) und die Shows mit Depeche Mode kam das muskulöse Monster namens EBM gehörig in Fahrt und entzückt noch heute eine eingeschworene Gemeinde mit stakkatoartigen Beats sowie einer etwas zweifelhaften Attitüde, die sich nah am Militarismus aufhält und doch für Spaß auf der abgedunkelten Tanzfläche sorgt. So auch Nitzer Ebb, die sich nach dem Split in 1997 nun wieder zusammen getan haben und eine ausführliche Retrospektive in Form von „Body Of Work 1984 – 1997“ in die Läden stellen.

In chronologischer Reihenfolge ebnen sich die 19 Songs der ersten CD den Weg in Richtung Unsterblichkeit, obgleich die heutige Relevanz nur noch für Musikgeschichtsinteressierte und EBM-Fanatiker der ersten Stunde besteht. Dennoch kommt man an nicht tot zu kriegenden Hits wie „Join In The Chant“, „Control I´m Here“ sowie „Fun To Be Had“ mit ihrer unnachahmlichen Energie und Zielstrebigkeit nicht vorbei. Sicher wird kaum ein neuer Fan durch pumpende Sequencer, adrenalinfördernde Beats und Shoutings von Douglas McCarthy gewonnen werden, trotzdem kann man auch als Spätgeborener oder Electro-Verachter die Größe und den Spaß fühlen, welchen Nitzer Ebb in jeder musikalisch festgehaltenen Sekunde bis 1997 verbreitet haben.

Herausragend und vom Songwriting mehr als nur ein simples Feuerwerk der konsequenten Aggressivität stechen besonders die späteren musikalischen Lebenszeichen wie „Godhead“ (dem eine wunderbare Dynamik innewohnt, ohne bedenkenlos das Gaspedal durchzutreten und E-Gitarren als Hauptaugenmerk neben vorherrschender Elektronik bereithält) oder das abschließende, schwelgerische „I Thought“ (wo Douglas McCarthy sich gar als Sänger versucht und melancholisch diese Situation meistert) hervor.

Die zweite CD ist verschiedenen Remixen (u. a. von William Orbit) gewidmet und bietet gelungene, erfrischende Neubearbeitungen, die sich musikalisch zwar nicht außerordentlich weit aus dem Fenster lehnen, doch als Abwechslung für zwischendurch ihren Sinn erfüllen. Erquickende, variantenreiche Sounds ergänzen die lawinenartigen Beats und eine Stimmung, die größtenteils von Aggression lebt, doch nie kopflos durch die Wand geht. Und so stehen ehemalige Heroen wieder im Neonlicht der Plattenläden und erfreuen sich an einer verstärkten Öffentlichkeit, die mit dieser allumfassenden Werkschau mehr als gerechtfertigt ist.

Anspieltipps:

  • Let Your Body Learn
  • Control I´m Here
  • Getting Closer
  • Godhead
  • Hearts And Minds (Mix Hypersonic)
  • Backlash (William Orbit)
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