Head Automatica - Popaganda - Cover
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Head Automatica Popaganda


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Achtziger waren schon ein wenig seltsam. Komische Schlaghosen in den unmöglichsten Passformen und noch unmöglicheren Farben dominierten das Bild. Ohne hautenge Rüschenhemdchen in denen wahrscheinlich sogar Brad Pitt bescheuert ausgesehen hätte und überdimensionale Krawatten, die das Bäuchlein galant verdeckten, konnte man sich in der Disco nicht blicken lassen. Tanzen war kein Hobby, sondern eine anarchistische Volksbewegung und Kylie Minogue oder auch Modern Talking wurden zu Symbolfiguren einer unbeschwerten Generation. Was Head Automatica damit zu tun haben? Ganz einfach: Head Automatica sind funky und groovy, die Reinkarnation der gutgelaunten Popmusik ohne Hintergedanken, schlicht und ergreifend „Achtziger“.

Diejenigen, die wissen, wer hinter Head Automatica steckt, werden jetzt mit den Augen rollen: „Ist Head Automatica Frontmann Daryl Palumbo nicht auch das grölende Organ der Hardcore-Statussymbole Glassjaw?“ Stimmt genau, und er wird mit Glassjaw auch definitiv ein neues Album veröffentlichen, doch mit seinem Zweitprojekt Head Automatica macht er fast eine bessere Figur. Es scheint, als wäre Mr. Palumbo der Head-Automatica-Style direkt auf den Leib geschneidert worden, was er mit „Popaganada“ und seinen Mannen lautstark und leicht unter Beweis stellt. Da treffen BritPop im Discogewand auf coolen College-Rock der Neunziger, luftig-leichte Pop-Riffs auf Hammondorgel und mitgrölfähige Refrains. Abba meets Simple Plan.

Was hier im ersten Moment recht unspektakulär klingt, hat im Endeffekt das Potenzial, Stadien zu füllen, die Massen in exstatisches Hüftewackeln zu versetzten und die Tanzböden dieser Welt zu füllen. „Popaganda“ ist großes Pop-Kino ohne lesbische Liebeszene, ohne erzwungenen Witz und garantiert mit Happy End. Natürlich hat auch ein Album wie „Popaganda“ seine Schwachstellen. Um genau zu sein, geht der Platte nach der mittleren Streckenmarkierung die Puste aus und kann sich gerade noch so über die Ziellinie retten. Doch der powergeladene Startsprint holt es dann eben doch wieder raus. Da übergibt ein Gassenhauer wie „Graduation day“ den Stab an einen Smashhit wie „Lying through you teeth“ und die Brücke schlägt ein arenataugliches Brett wie „Laughing at you“.

Auf „Popaganda“ finden sich einerseits die perfekten Soundtracks für den ganz persönlichen Road-Trip und andererseits humorvolle Aufforderungen, mal ein wenig Ärger abzulassen. Alles in allem ein Album, das sich traut, einen Schritt weiterzugehen – vom klassischen, amerikanischen Rock, in Richtung traditionelle Popmusik. Eine Scheibe für den Sommer, für Erwachsene, die nicht erwachsen werden wollen, eine Platte zum gernhaben und wohlfühlen.

Anspieltipps:

  • Graduation Day
  • Laughing at You
  • Lying Through Your Teeth
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