Madsen - Goodbye Logik - Cover
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Madsen Goodbye Logik


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!


Das Album wäre ideal als B-Seiten-Sammlung des Debüts, emotional, Madsen-typisch, aber nicht ganz zuende gedacht.

Es begab sich im Frühling 2005, als eine junge Band aus dem Wendland die nationalen Musiksender und Radiostationen beschallten, Festivals eroberten und Kritiker zu kleinen Kindern werden ließ. „Die Perfektion“, die erste Single der Band Madsen, war die willkommene Abwechslung zu der üblichen Musik auf Heavy Rotation: Mit dem Geist der jungen Tocotronic und dem Charme der Sportfreunde Stiller waren Madsen als Art „Best Of“ der bisher erfolgreichen deutschsprachigen Acts angesehen. Leicht kalkulierend sorgten sie dennoch für die nötige Gänsehaut. Und eigentlich wollte der Autor dieser Zeilen genau deshalb das Debütalbum „Madsen“ nicht gut finden, was aber nicht funktioniert hat, weil das Album viel zu gut war! Mit dem zweiten Album „Goodbye Logik“ machen es Madsen einem leichter sie nicht gut zu finden.

Bereits die erste Single „Du schreibst Geschichte“ ist ein Problemkind. Sie klingt so, als sei sie aus einer Madsen-Schablone entstanden, uninspiriert und leicht durchschaubar. Dennoch wird der Song nach mehrmaligem Hören besser, was böse Zungen auch als „Schönhören“ bezeichnen. Das gilt auch für den Titelsong „Goodbye Logik“ und „Ich rette die Welt“, das mit seinen Popmelodien und seinem Standardrock zu den schlechtesten Songs des Albums gehört. „Unzerbrechlich“ ist das Stück auf der neuen Platte, das am ehesten an das Debütalbum erinnert. Mit seinem Rockriff und den scheppernden Drums vergisst man den etwas plumpen Text und man freut sich nach fünf Liedern endlich, dass Madsen so schön schreit, wie vor einem Jahr. Dagegen strömt sofort das soulig angehauchte „Ich komme nicht mit“, ein netter kleiner Popsong, der live besser funktioniert, als auf dem Album. Generell ist das große Problem dieser Platte, dass den Songs etwas an Emotionen im Ausdruck der Stimme fehlt, was zweifellos auf den Konzerten anders ist. Auch „Der Moment“, die obligatorische Ballade des Albums, berührt nur fast, obwohl es der Song ist, der einen am ehesten emotional mitreißt. Madsen sind leider zu vorsichtig, versuchen alles abzurunden, obwohl ihre Stärke doch gerade darin liegt mit Rauheit Gänsehaut zu erzeugen.

Schizophren verhalten sich die Stücke „Piraten“ und „Ein Sturm“. Beide Lieder vereinigt, dass sie wie 08/15-Stücke anfangen, sich dann aber mit großen Melodien entfalten und man irgendwie das Gefühl hat, diese Musik, diese Instrumentierung wird diesen Melodien einfach nicht mehr gerecht. Und so stellt sich die Frage, ob Madsen sich dieser Tragik bewusst sind und dies als Stilmittel benutzen. Die Frage, die sich aber doch eigentlich stellen sollte, ist, ob nach einem Jahr nach der Veröffentlichung des Debüts schon nach einem Nachfolger verlangt wird und die Antwort drängt sich bereits nach dem ersten Durchhören von „Goodbye Logik“ auf: Nein. Das zweite Album wirkt wie ein kalkuliertes Weiterdenken des Debüts, hier die Singles, da die Ballade, dort wird gerockt, aber nirgends der Punk des letzten Albums.

Womöglich hätten Madsen mit ihren neuen Songs länger touren sollen und jeden Ton und jede Emotion zweimal umdrehen sollen, um sich klar zu werden, was sie da eigentlich für kleine künstlerische Perlen haben. Es gibt keinen Song, bei dem man sofort aufspringen möchte, sondern lieber gemütlich auf dem Sofa sitzen bleibt. Erst der letzte Song „Euphorie“ sorgt für ein gutes Gefühl. Ein Song nachdem man gemütlich einschlafen könnte, eine Steigerung in ein Blitzlichtgedonner und die letzten Worte, die so ehrlich klingen und so nah an den Zuhörer gerichtet: „Du bist noch hier und das ist schön, vielen Dank, auf Wiedersehen“ und man wünschte sich, dass einem ganze Album so berührt hätte, wie dieser eine Song.

Das Album „Goodbye Logik“ wäre ideal als B-Seiten-Sammlung des Debüts, emotional, Madsen-typisch, aber nicht ganz zuende gedacht. Mit Sicherheit steigert sich das Album mit jedem Durchhören, doch das werden nur die wirklichen Madsen-Fans herausbekommen. Für alle anderen funktioniert das Album eher im Stillen und vor allem als Lückenfüller auf den Konzerten zwischen den großen Krachern dieser Band.

Anspieltipps:

  • Piraten
  • Ich komme nicht mit
  • Der Moment
  • Happy End
  • Euphorie
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