Front Line Assembly - Artificial Soldier - Cover
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Front Line Assembly Artificial Soldier


  • Label: Metropolis/ALIVE
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Vancouver strikes back, auch ohne Glanz und allzu präsenten Ehrgeiz.

Der aus Vancouver (Kanada) stammende Bill Leeb treibt mit der genreprägenden Electro/Industrial-Band Front Line Assembly (FLA) mittlerweile seit 20 Jahren sein musikalisch hochwertiges Unwesen und bestätigt zusammen mit Rhys Fulber, Chris Peterson sowie dem neu hinzugekommenen Jeremy Inkel auch im Jahr 2006 seine niemals versiegende Inspirationsquelle, welche FLA auf dem neuen Werk „Artificial Soldier“ anhand von atmosphärischer und ebenso antreibender, tanzbarer Musik ausschöpfen. Leebs Vorliebe für apokalyptisch anmutende Soundcollagen, die er auch im Videospiel „Quake 3 – The Arena“ unterbrachte, wird auf „Artificial Soldier“ konstant weitergeführt, ohne die zwingende Dringlichkeit von Electro vermissen zu müssen. Zu den markanten, als Markenzeichen eines jeden FLA-Albums fungierenden Vocals gesellen sich Jean-Luc De Meyer (Front 242) sowie Eskil Simonsson von Covenant, die sich gut ins Gesamtbild einfügen und relativ spät auf dem Longplayer noch einmal für Spannung sorgen.

Man kann nicht sagen, dass die vorigen Songs spannungslos oder behäbig in die Ohren wandern, doch schon der Opener „Unleashed“ gibt mit Breakbeats, E-Gitarrensamples und der bereits erwähnten einzigartig verzerrten Stimme Leebs die Marschrute für die knappe Stunde vor, die da noch kommen soll. Sich langsam entfaltende Synthflächen erzeugen zwischendurch eine angenehme Weite, welche gar wohlig und sanft den eher bedrückenden Cocktail aus industriellen Klangeskapaden, thronenden Beats und in Musik gehüllter Dunkelheit auflockert. Leider bleibt es im weiteren Verlauf allzu konstant und kalkuliert, dass echte Höhenflüge ausbleiben und dennoch die omnipräsente Klasse der routinierten, doch nie leidenschaftslosen Musiker durchschimmert. Besonders die schnellen, punkigen Ausflüge zum Ende von „Low Life“ erweisen sich als tolle Idee eines ansonsten eher mäßigen Songs.

Das Mäßige lässt allerdings nicht auf substanzloses Songwriting schließen, sondern ist Ausdruck einer Band, die ihren Weg seit Jahren geht und neue, magische Momente viel zu wenig fordert. Schließlich sind FLA nicht ohne Grund als Innovatoren der Electro-Szene anerkannt und da kann man einfach mehr erwarten, als immer wieder die gleiche Mixtur aus krachigen Substanzen und melancholisch verzaubernden Zwischenparts. Wie es fast schon zu erwarten war, holen FLA mit „Future Trail“ (feat. Jean-Luc De Meyer) sowie „The Storm“ (feat. Eskil Simmonson) gerade noch so die Kastanien aus dem Feuer. Dass es der kanadische Vierer eher den Abwechslung verbreitenden Stimmen der Gastsänger verdankt als seinem eigenen Antrieb, interessiert am Ende keinen. Denn was vor 20 Jahren für Entzückung sorgte und in den Neunzigern zur Hochform auflief, kann heute nicht wirklich schlecht sein, wenn eine Band wie Front Line Assembly routiniert und klassisch an die fragwürdige Zielsetzung herangeht, ihren Ruf in Stein zu meißeln. Man kann es drehen und wenden wie man will: Vancouver strikes back, auch ohne Glanz und allzu präsenten Ehrgeiz.

Anspieltipps:

  • Unleashed
  • Dissension
  • Buried Alive
  • The Storm
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