Peaches - Impeach My Bush - Cover
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Peaches Impeach My Bush


  • Label: XL Recordings/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ohne Namedropping der allerfeinsten Sorte kommt man im Umgang mit der Wahl-Berlinerin Peaches nur schwerlich aus, gehören doch Größen wie Iggy Pop, Björk, Lil´ Kim und Josh Home (u. a. Queens Of The Stone Age) zu ihren Verehrern. Berüchtigte Live-Shows und Videos, in denen die sexuell ambitionierte Künstlerin mit überaus prächtiger Achselbehaarung und wuchtigen Dildos ihren dreckigen Rock´n Roll auf Electro-Tabletts serviert, prägten ein Bild, das einerseits Grenzen sprengt, kritisch die Verteilung zwischen den Geschlechtern beäugt und andererseits fragwürdige Thesen in den Raum stellt, bei denen die weibliche Übersexualisierung als Waffe benutzt wird und das Machotum umgekehrt wird.

Ästhetisch ist das natürlich bei weitem nicht, aber es fällt auf und glänzt mit einer, wenn auch primitiven, eigenständigen Ausdrucksweise. Nach den Alben „The Teaches Of Peaches“ sowie „Fatherfucker“ ist es nun Zeit, Longplayer Nr. 3 „Impeach My Bush“ zu erhören und mächtig gerockt zu werden. Ohne großes Geplänkel, in diesem Kontext auch Vorspiel zu nennen, verbreitet Peaches Rock´n Roll der mitreißenden Art und ist dennoch nach wie vor ein Electro-Act, auch wenn Samantha Maloney (Ex-Hole, Mötley Crue) auf diversen Tracks das Schlagzeug rumpeln lässt.

Von Jeff Pecaros (Toto) in Los Angeles aufgenommen und mit tollen Gästen (Joan Jett, Feist, Josh Homme) verziert, ärgert man sich manchmal, dass man einigermaßen der englischen Sprache mächtig ist, sind es doch die Texte, welche einem spätestens nach der Halbzeit gehörig auf den Geist gehen. Songtitel wie „Tent In Your Pants“, „Two Guys (For Every Girl)“ oder „Slippery Dick“ geben lyrische Ergüsse vor, die man nur mit außerordentlichem Humor und/oder forscher sexueller Prägung genüsslich aufsaugen kann. Musikalisch tritt dieser Genuss jedoch wesentlich deutlicher und leichter realisierbar zu Tage, so dass nach dem eher als Intro dienenden „Fuck Or Kill“ gleich in „Tent In Your Pants“ die Discokugel brennt und feurig getanzt werden darf. Peaches´ Vocals sind dank lasziver Selbstsicherheit immer wieder vereinnahmend und bilden zusammen mit echten Drums, kräftigen Gitarrenriffs und punkigen Electrosounds, die auch den Umweg nicht scheuen und dennoch beim ersten Hören Energie in Reinkultur ausstrahlen, eine Symbiose, an der aufgeschlossene Musikhörer ihre Freude haben werden.

Die durch den Evergreen „I Love Rock´n Roll“ zusammen mit ihrer damaligen Band, den Blackhearts, allseits bekannte Joan Jett erfreut sich im dynamischen „You Love It“ an ihrem mindestens dritten Frühling und bildet mit Peaches das Duo Infernale schlechthin. Kühle Sequenzer und lässige Drums machen auch aus „Give ´er“ zusammen mit Handclaps und spielerischen Melodien einen Ohrwurm, der zwar nicht die Wucht so manch anderer Songs des Longplayers erreicht, aber durch eine präsente Spannung zu den Gewinnern gehört und auch nach mehrmaligem Hören nichts von seiner Dringlichkeit verliert. Und so schließt ein Album, das durchweg mitreißend ist und trotz seiner primitiven Lyrics für längere Zeit zu begeistern weiß. Ein Tipp am Rande: Ignoriert man manche Textzeile, ist der Zugang zu „Impeach My Bush“ deutlich vereinfacht.

Anspieltipps:

  • Tent In Your Pants
  • Boys Wanna Be Her
  • Two Guys (For Every Girl)
  • You Love It
  • Give ´er
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