One-Two - Love Again - Cover
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One-Two Love Again


  • Label: Four Music/SonyBMG
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Spätestens seit Air und Phoenix etablierte sich Frankreich als beachtliche Quelle für zeitgenössische Popmusik, die nicht gezwungen in Indie-Manier herumdruckst, sondern die große Geste mit Bravour und Stil einbringt. One-Two kommen ebenso aus unserem Nachbarland, genauer gesagt aus Paris, und erspielten sich auch ohne Veröffentlichung einen nennenswerten Live-Stellenwert, der besonders in England gelobt wurde und nun auch auf den Studio-Aufnahmen nachzuhören ist. Im Februar dieses Jahres kam das erste, auf Vinyl gepresste Lebenszeichen im Plattenladen unter und nannte sich „Oh Yeah, Alright“. Dieser eröffnet auch gleich den von Stephane „Alf“ Briat abgemischten Longplayer „Love Again“ und neigt zur Überdrehtheit, die bei diesem Stück aber noch in Ordnung geht. Laszive Vocals treffen auf elektronischen Pop und eine ganze Menge Sixties-Pop, welcher in die Beine geht und sakrale Gesangseinlagen genau so bereithält wie unverzichtbare Handclaps.

Nach dem Aufsehen erregenden, mit mächtig viel Spaß ausgestattetem Auftakt, dem je nach Betrachter eine Prise Kitsch zu viel beigelegt wurde, schaltet das Duo bei „Emma Needs A Love Song“ einen Gang zurück, was einen wirklich guten Popsong zur Folge hat, der zwar immer noch klebrig süß zwischen den Zähnen hängen bleibt, doch den Biss dank glorreicher Retro-Beats und raueren Vocals behält. Elektronische Spielereien ziehen sich bei dem folkloristisch angehauchten, von zauberhaften Akustikgitarren und melancholischen Sing-a-longs geführten „Blissfull Boy“ zurück und lassen Huldigungen an Volksfeste durchscheinen, denn im weiteren Verlauf des Songs darf geschunkelt werden. Obwohl die Melodienverliebtheit manchmal den Rahmen sprengt, sind es eben gerade diese fruchtigen Bonbons, die One-Two perfekt beherrschen und immer wieder aus sich herauskitzeln.

Munter und mit einem Bein im Reggae kommt „Have You Ever Been Blue?“ galant polternd um die Ecke und zaubert neben glatten Synthesizern auch schroffe Breaks hervor, die psychedelisch geerdet den Gameboy-Nerd in uns herausfordern, denn die Sounds erinnern doch stark an eben diese nicht gerade höchst anspruchsvolle Audioausgabe des Gerätes. Gut, dass immer wieder zumindest im Kosmos von One-Two zurückhaltend zu nennende, einfach nur schöne, zeitlose Popsongs, in diesem Fall „Love Again“ die Nerven retten und man den weiteren Taten der Franzosen wieder entspannt lauschen kann. Besonders die androgyne Interpretation des Refrains zeigt Größe, während die Sixties erneut vorbeischauen und bei „Pretty-Pretty“ Gitarren die Oberhand übernehmen, um zwischen kühlen Bassläufen beherzt zu rocken.

Leider schlagen One-Two bei den synthetischen Beigaben und der glamourösen Geste das ein oder andere Mal über die Stränge, so dass zwischen der mehrmaligen Einnahme dieser Musik eine größere Pause einzulegen ist, jedoch der Reiz einer wiederholten Kontaktaufnahme zu dieser überdrehten, völlig losgelösten Spielart zwischen Sixties-Pop, verschrobenen Electroklängen und Glam-Pop nicht unwesentlich ist.

Anspieltipps:

  • Blissfull Boy
  • Say It Loud
  • Love Again
  • Pretty-Pretty
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