Sometree - Bending The Willow - Cover
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Sometree Bending The Willow


  • Label: Pias/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Wahl-Berliner von Sometree dürften nach zahllosen furiosen Liveauftritten im In- und Ausland inzwischen auch über den kleinen Kreis der Eingeweihten hinaus bekannt sein und haben nach dem 2003´er Release „Moleskine“ die Latte für ihre höchst melancholischen, manchmal brachial befreienden Epen wieder ein Stück höher gehängt. Sometree zogen sich nun nach mehr als 300 Shows in Europa und dem zwangsläufigen, wohl verdienten Anstieg ihrer Popularität in ein kleines Ferienhaus an der Küste Dänemarks zurück, um die Gedanken schweifen zu lassen und in wohliger Urlaubsatmosphäre neue Songideen zu verwirklichen.

Kurz nach ihrer Rückkehr stoppte das Quartett in Tobias Levins (Tocotronic, Kante, To Rococo Rot) Electric Avenue-Studio in Hamburg, um die Basics des vierten Longplayers „Bending The Willow“ festzuhalten. Doch wieder wechselte man die Behausung und nahm Klavier, Bläser und die Vocals in den eigenen vier Wänden auf, um Ende 2005 mit Gordon Raphael (The Strokes, Phillip Boa) den finalen Mix des Silberlings über die Bühne zu bringen. Diese scheinbar sprunghaften Orts- und Equipmentswechsel während der Aufnahme/Produktionsphase hört man „Bending The Willow“ in keiner Sekunde an, denn wie schon auf den drei vorangegangenen Alben besticht die dichte Atmosphäre der sorgfältig ineinander greifenden Songs, deren einzelne Existenz man kaum wahrnimmt.

In zarter Melancholie und endloser Feingeistigkeit schwebt „Whatever Makes You Sleep“ vor dem inneren Auge und meistert geradezu leicht zugängliche Gefilde, ohne an Druck und Eigenständigkeit zu verlieren. Treibendes und doch unterschwelliges Drumming wird von Piano-Ausflügen verziert und gesanglich hat sich definitiv noch einmal einiges getan. Ob schmerzlicher Verlust oder klagende Dringlichkeit in der Stimme – der Hörer wird von ihr auf eine emotionale Reise mitgenommen, während die Instrumentierung dank einer enormen Präsenz und dem unaufdringlichen Einsatz von Streichern und Bläsern den eindringlichen Vocals in nichts nachsteht. „Hands And Arrows“ brilliert mit deutlichen, sich nachhaltig einprägenden Bassläufen und befreit sich dank rockiger Ausbrüche und einem kräftigeren Gesang aus der niederschmetternden Melancholie. Diese Melancholie beherrscht in vielen Momenten das Album, wenn man sie an sich heranlässt und sie nicht als Trauerbringer ansieht, sondern als zeitlose Verbeugung vor den Gefühlen, die jeden übermannen können.

Aydo Abay (Blackmail, Ken) gesellt sich als Gastsänger zum Titeltrack und trägt trotz des seltenen Einsatzes seiner Stimme mit dieser unverkennbaren Intonierung neben höchst kraftvollen Gitarrenparts und dynamischen Drums zur herausragenden Eleganz des Songs bei. Gelungene Breaks erhöhen die Spannung, während von einer Sekunde auf die nächste wütend die atmosphärische Rockkeule das Herz im Sturm erobert und der ganze Ballast von einem abfällt und man nur noch ganz tief in diese Musik voller emotionaler Intensität eintauchen möchte. Und so bestimmen vertrackte Songs, denen niemals herausragende Melodien fehlen und sich nach und nach zusammenfügen, das Geschehen, um eine prachtvolle Gesamtheit zu bilden und ruhigen, langsam wachsenden Arrangements mit wohl platzierten Rock-Ausbrüchen sowie markanten Hörnern/Trompeten ein süchtig machendes zuhause zu bieten, welches sich „Bending The Willow“ nennt.

Anspieltipps:

  • Whatever Makes You Sleep
  • Bending The Willow
  • Soft Remarks
  • FSDP-1
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