Meat Loaf - Bat Out Of Hell III: The Monster Is Loose - Cover
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Meat Loaf Bat Out Of Hell III: The Monster Is Loose


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 77 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Bat Out Of Hell 3“ ist eine Spur härter bzw. wuchtiger als die beiden Vorgänger.

Gleich mit seinem Debütalbum „Bat Out Of Hell” (Epic/CBS) aus dem Jahr 1977 schrieb Meat Loaf Musikgeschichte. Das Monumentalwerk war im Stile einer bombastischen Rock-Oper angelegt und begeisterte bis dato mehr als 30 Millionen Käufer. Damit zählt das Album zu den fünf meistverkauften Platten aller Zeiten. Aus diesem Grund verwundert es nicht, dass Meat Loaf mit seinen späteren Produktionen nicht mehr an den immensen Erfolg dieses Meisterwerks anknüpfen konnte. Trotzdem wiederholte sich das Wunder 16 Jahre nach „Bat Out Of Hell” ein zweites Mal. Das 1993er Werk „Bat Out Of Hell 2: Back Into Hell“ (Virgin/EMI) – erneut in Gemeinschaftsarbeit mit dem genialen Songschreiber und Produzenten Jim Steinman entstanden – war ein vergleichbarer Siegeszug und brachte Meat Loaf neben einem Grammy mehr als 20 Millionen abgesetzte CDs ein.

Im Jahr 2006 schließt sich der Kreis. „Bat Out of Hell 3: The Monster Is Loose“ (Mercury/Universal) vollendet die Fledermaus-Trilogie, obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass es dem Duo Meat Loaf/Jim Steinman noch mal in den Fingern juckt. Denn bei der Produktion zu „The Monster Is Loose“ musste sich der geistige Vater der Fledermaus arg zurückhalten, weil er noch immer an den Folgen eines 2003 erlittenen Schlaganfalls leidet. Dadurch ist die Chance vorhanden, dass die beiden irgendwann mit „Bat IV“ nachlegen, wobei das Album in alter Tradition bei einem neuen Label erscheinen müsste. Hoffentlich lässt der Fusionswahn bis dahin einen Major übrig, auf dem Meat Loaf noch kein Bat-Album veröffentlichte.

Für den rekonvaleszenten Jim Steinman sprangen Hit-Produzent Desmond Child (Bon Jovi, Aerosmith, Kiss), der seine Sache sehr gut gemacht hat, sowie Todd Rundgren in die Bresche, der bereits das erste „Bat Out Of Hell“-Album prägte. Als Gastmusiker und Songwritingpartner wurden u.a. so bekannte Leute wie Brian May (Queen), John Shanks (Michelle Branch, Bon Jovi, Shery Crow), John 5 (Marilyn Manson), Nikki Sixx (Mötley Crüe), sowie Mega-Schlagzeuger Kenny Aronoff und Gitarrengott Steve Vai ins Studio gebeten. Desmond Child kitzelte während der rund zwölfmonatigen Aufnahmen alles aus Meat Loaf heraus, ließ ihn z.B. vier Monate mit einem Gesangslehrer arbeiten, um dem bisherigen Werk nicht einfach nur gerecht zu werden, sondern um ihm einen würdigen dritten Teil hinzuzufügen. Deshalb zeichnet sich auch „Bat Out Of Hell 3“ durch dramatische Elemente und einem atemberaubenden Zusammenspiel von Orchester, harten Rockgitarren, weiblichen Duettpartnern (Marion Raven, Patti Russo, Jennifer Hudson) und bis ins kleinste Detail ausgefeilten Melodien aus.

An erster Stelle stehen diesmal großartige Songs wie „What about love“, ein Duett mit Patti Russo“, die schon den weltweiten Superhit „I’d do anything for love (but I won’t do that)“ veredelte, geschrieben von Desmond Child und Marti Frederiksen (Aerosmith, Paul Stanley, Bon Jovi), und das wunderbar hymnische „Blind as a bat“, das förmlich nach einer Auskopplung als Single schreit. Dass Brian May die Gitarre in „Bad for good“ spielt – ein durch und durch klassischer Meat-Loaf-Monstersong von 7½ Minuten Länge –, hätte nicht wirklich ins Booklet gedruckt werden müssen. Jeder Rockfan hört diesen seit 35 Jahren bekannten Sound sofort heraus. Zitat des Meisters: „Yeah, ich bin Brian May – so klinge nur ich!“ Die Jim-Steinman-Komposition „It’s all coming back to me now“ kennt man bereits in der Version von Celine Dion, die diesen schon vor zehn Jahren für „Bat Out Of Hell 3“ vorgesehnen Song zum Hit machte. Dazu stellt Meat Loaf klar: „Ich wollte daraus ein Duett machen, aber Jimmy sagte, `Lass uns den Song für Bat III aufsparen.´ Also sparten wir uns den Song, doch irgendwann gaben wir ihn dann Celine Dion.“ Geschadet hat’s nicht. Die Celine-Dion-Version geht in Ordnung, aber was Meat Loaf jetzt daraus gemacht hat, ist schlicht die Krönung.

Chef-Balladenschreiberin Diane Warren steuerte mit dem Liebeskummerlied „Cry over me“ einen relativ simplen, mit Streichern überfrachteten Titel bei, der zwar nicht schlecht ist, aber gegenüber den Steinman-Songs abfällt. Die Gitarren im etwas schräg anmutenden „In the land of the pig, the butcher is king“ übernahm Steve Vai. Es handelt sich um einen gewaltigen Song, in dem Metal-Riffs auf die volle Wucht eines Orchesters treffen. Aber genau das hatte sich Meat Loaf gewünscht: „Insgesamt wollte ich eine sperrigere, eine rockigere Platte machen, als die beiden Bat-Vorgänger es gewesen waren. Die Bat-Alben waren stets sehr stark auf das Klavier ausgerichtet – und das ist immer noch so, aber dieses Mal übernehmen die Gitarren einen größeren Part. Mir stand der Sinn schon länger nach härteren Platten, härter als diejenigen, die ich in der Vergangenheit gemacht habe.“

Tatsächlich ist „Bat Out Of Hell 3“ eine Spur härter bzw. wuchtiger als die beiden Vorgänger, was auch an den voluminösen Orchesterparts liegt, die bisweilen alles niederzuwalzen drohen. Doch das gehört einfach zu einer Bombastscheibe wie dieser dazu, die sich nicht hinter den ersten beiden Teilen verstecken muss. Der Hörer bekommt eine erstklassige Leistung vorgesetzt, die für Meat-Loaf/Jim-Steinman-Verhältnisse in Rekordzeit entstand. Hastig oder unfertig klingt aber keines der 14 Lieder. Vielmehr haben es die Verantwortlichen zugelassen, ein paar klitzekleine Elemente aus aktuellen musikalischen Strömungen mit einzubeziehen. Und das, obwohl Meat Loaf zugeben muss, von moderner Musik keine Ahnung zu haben. Gut so!

Anspieltipps:

  • Alive
  • Bad for good
  • Blind as a bat
  • What about love
  • It’s all coming back to me now
  • The future ain’t what it used to be
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