Woven Hand - Mosaic - Cover
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Woven Hand Mosaic


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf dem gesamten Album kommen mittelalterliche Freaks und Freunde der entrückten, mystisch verklären Folklore auf ihre Kosten.

Mit 16 Horsepower gelang dem Musiker David Eugene Edwards die Verschmelzung von Country, Alternative und Rock, welche die Band seit den frühen Neunzigern vermittelte und deren Auflösung nicht nur für die eingeschworene Fangemeinde einen herben Verlust darstellte. Auch für die großzügig gefächerte Musikszene ergaben sich dank 16 Horsepower neue Konstellationen und Herangehensweisen, die Country einmal mehr salonfähig machten und erneut aus dem Schlamm des Südstaaten-Patrioten hievten. Nun ist seit einiger Zeit Schluss für die 16 Pferdestärken. Doch die Tränen des Abschieds sind sogleich Tränen der Rührung und Entzückung, dass David Eugene Edwards sich nun voll und ganz seinem ehemaligen Zweitprojekt Woven Hand widmen kann, mit dem er schon seit geraumer Zeit mystisch verdunkelte Platten unter das Volk mischt und dank sakral anmutender Klangcollagen fremde Geister heraufbeschwört, die rein gar nichts mit Pop oder offensichtlicher Eingängigkeit zu tun haben, sondern der Vertonung von Ritualen ähneln und einzig der märchenhaften Mystik dienen.

Produziert vom Meister selbst, beginnt „Mosaic“ mit zarten Flötenklängen und einer Unheil heraufbeschwörenden Atmosphäre, die durch Dudelsack und Trommeln sowie Edwards´ dunkler, weit strahlender Stimme forciert wird. Mönchsgesänge gesellen sich zu festlichen „Hallelujah“-Intonationen und nehmen uns mit in eine Welt, die so gar nichts mit unserer zu tun hat und verwirrenden Träumen ein beruhigendes Zuhause gibt, in dem die Stille von majestätischer, mittelalterlicher Eleganz und den dazugehörigen Klängen durchbrochen wird. Im reichlich kurzen, eher als Zwischenspiel dienenden „Twig“ ist Edwards´ Stimme mit kirchlichem Hall versehen, während Orgeln die Atmosphäre weiter in Richtung Außerordentlichkeit treiben und „Whistling Girl“ wieder etwas mehr zur Songstruktur beiträgt. Auch hier gefällt das Piano neben zaghaft swingenden Percussions und höchst anspruchsvoll mit Harmonien spielenden Saiteninstrumenten.

Auf dem gesamten Album kommen mittelalterliche Freaks und Freunde der entrückten, mystisch verklären Folklore auf ihre Kosten, doch dem unbeschwert die Musik wahrnehmenden Hörer fehlen spätestens ab dem fünften Song die packenden Melodien und das zündende Songwriting, das auf „Mosaic“ der hingabevollen Stimmung, welche mitunter als dahinsiechende Trägheit wahrgenommen werden kann, weicht. Sicherlich, David Eugene Edwards verfügt über eine beeindruckende Stimme, die sofort tief ins Herz vordringt und er schafft es auch, zerbrechlichen Songs eine gewisse Magie einzuhauchen, doch ist das Album in der Gesamtheit nicht spannungsreich genug und zeitweise kommt es einem so vor, als wenn Woven Hand vor lauter Schöngeistigkeit und auf der Suche nach emotionalen Gefühlsreisen die Leichtigkeit und musikalische Präsenz in den 45 Minuten immer mehr aus den Augen verlieren.

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