Billy Talent - Billy Talent II - Cover
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Billy Talent Billy Talent II


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Viele Stücke auf „Billy Talent II“ klingen mehr oder weniger wie Kopien des Vorgängers.

Es gibt Bands, die müssen eine Platte nach der anderen aufnehmen und eine Tour nach der anderen spielen, um überhaupt mal Gehör zu finden. Und es gibt Bands, die ziehen schon mit ihrem Debütalbum über Los und kassieren wirklich alles ein, was es in dieser Branche zu holen gibt. Zu Letzteren gehören Billy Talent. Eine kanadische Band, die schon vor zig Jahren einen Plattenvertrag hätte haben können, aber jegliche Offerten ablehnte mit der Aussage, man wolle lieber erst den eigenen Stil finden und Musik spielen, welche einem selber Spaß mache und danach erst den Schritt ins Business wagen.

Es scheint, als hätten Billy Talent wirklich alles richtig gemacht. Wie aus dem Nichts schufen sich die vier Kanadier eine eigene Nische und überschwemmten die Szene in kürzester Zeit mit ihrer Mixtur aus powerpopgeladenem Skatepunk mit Emoanleihen. Schnell war die Rede von der neuen Hoffung der „Alternativen Szene“, vom nächsten großen Ding im Rock. Und so stürmte die Band, welche sich nach einem Charakter des Films „Hard Core Logo“ benannt hatte, die amerikanischen und auch europäischen Charts und kassierte zwei Juno-Awards als „Group of the year“ und für das „Album of the year".

Wenn die Messlatte des Erfolges so hoch liegt, erwartet man natürlich noch höhere Sprünge und so stehen Billy Talent mit ihrem Zweitwerk, dem man einfach den Namen „Billy Talent II“ verpasst hat, im Fokus des derzeitigen Interesses. Ob man den Titel nun gewählt hat, weil man voller Hoffung war, das Album könnte so stark werden wie das letzte, oder doch etwas die Inspiration in Sachen Titelwahl fehlte, wird wohl nie jemand erfahren. Ob der neue Langspieler dagegen das Potenzial besitzt, die Erfolgsgeschichte weiter zu erzählen, gibt es in vollem Ausmaße zu hören.

Da wäre zum einen die ersten Single „Devil in midnight mass“, ein typischer „Billy Talent“-Song im Sinne von kuppeln, Gas geben und durchheizen was der Tank hergibt. Ein Track, der einmal mehr die Tanzflächen der Indie-Discos dieses Planeten füllen könnte, die Buben zum coolen Köpfeschütteln animieren und die Mädels in vergnüglicher Ekstase dahinschmelzen lassen wird. Doch schon ab dem dritten Song „This suffering“ ist es vorbei mit „Baby, lass die Hüften kreisen“. Billy Talent haben runtergeschaltet und die Bremse gefunden. Sowieso klingt alles was nach „Red flag“ kommt irgendwie abgebrüht und kalkuliert, als hätte man alle Faktoren des Erfolges addiert und versucht, die Summe der musikalischen Essenz in jeden einzelnen Song zu packen.

Deshalb klingen viele Stücke auf „Billy Talent II“ mehr oder weniger wie eine Kopie des Vorgängers und dabei nicht unbedingt besser. Bassläufe wie in „Worker bees“ klopfen höchstens noch diejenigen Zuhörer weich, die sich bei großartigen Filmen wie „Killerbienen - Sie greifen an!“ oder dem großen Krabbeln vor Aufregung in die Hose machen. „Pins and needles“ wäre eigentlich der perfekte Soundtrack für Mel Gibsons „Passion Christi“, nur dass der Hörer diesmal durch die Nadelstiche der Eintönigkeit und Langatmigkeit gegeißelt wird. Die Spannung und die ergreifenden Songs des grandiosen Vorgängers fehlen diesmal. Zudem bestechen die Songs meistens nicht durch ein Happy End in Form hinreißender Melodik und Refrains. Außerdem sind Stücke wie „Devil in a midnight mass“, „Red flag“ oder „Where is the line“ einfach viel zu fulminant, um einfach die Ohren zu schließen und sich dem Popkornbecher der Gleichgültigkeit hinwenden zu können.

In diesem Fall kriegt die doofe Scarlett ihren Rhett dann eben doch, Herr Cruise tritt den Aliens kräftig in den Arsch und Billy Talent flanieren über den roten Teppich. Einzig und allein die Tatsache, dass der kanadische Vierer nicht den Mut bewiesen hat, neue Schritte zu gehen, sich auf neue Einflüsse und Stilvariationen einzulassen und den musikalischen Inzest in Form von Selbstplagiaten zu betreiben, lässt an dieser Platte ein gewisses Maß an Kritik platzieren. Doch im Grunde genommen liefert diese Scheibe Billy Talent von der Sohle bis zum Scheitel. Und wer tatsächlich ein poppiges Rockepos fernab aller Trends und Charts erwartet hat, konnte wohl auch schon bei ihrem Debütalbum nichts mit Billy Talent anfangen.

Anspieltipps:

  • Red flag
  • Where is the line
  • Devil in a midnight mass
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