Massive Attack - Heligoland - Cover
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Massive Attack Heligoland


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch auf „Heligoland“ ist es faszinierend, den pulsierend-düsteren Klangcollagen der beiden Bristoler Soundtüftler zuzuhören.

An sieben Jahre Wartezeit sind natürlich heftige Erwartungshaltungen gebuden. Ein fast fertiges Album verworfen, weil es einfach nicht zufriedenstellend war? Kein Ding für Massive Attack, die nun endlich wieder in ihrer Grundbesetzung Robert „3D“ Del Naja und Grant „Daddy G“ Marshall das Feld der Musiklandschaft betreten. Doch was soll man denn nun von einem solchen Album erwarten, das seine Schatten so weit voraus wirft? Vielleicht ist es wie immer einfach am besten, nicht auf ein achtes Weltwunder zu bestehen, sondern Massive Attack einfach mal Massive Attack bleiben zu lassen, besonders nach dem für viele enttäuschendem „100th Window (2003) und sie auf ihrer kleinen Insel der melancholischen Woge zu besuchen.

Denn auch auf „Heligoland“ ist es einfach wieder faszinierend, den pulsierend-düsteren Klangcollagen der beiden Bristoler Soundtüftler zuzuhören, die das Blut in den Adern gefrieren lassen. Mit einer größeren Anzahl an Gastsängern und -sängerinnen entwickelt sich jeder Song zu einem ganz eigenem Bild, wodurch das Album, trotz dem durchgehend gemächlichen Tempo, in besonders vielfältigen Farben strahlt. Wie bei „Pray For Rain“ mitten im Song die Synth-Fäden einfallen und ein immer dichteres Netz spinnen, bis sich schließlich das Anfangsmotiv wiederholt, als wäre der Song in einer hoffnungslosen Endlosschleife gefangen. Wie sich die tonnenschweren Bläser in „Girl I Love You“ aus dem Boden erheben oder das Rattern und Ächzen der Beats im verstörend-schrägen Alptraum „Flat Of The Blade“. Das alles ist auch heuer wieder atmosphärisch brillant, auch wenn „Heligoland“ die anfangs suggerierte Neuausrichtung von Massive Attack missen lässt.

Dabei ist gar nicht alles, was die Band veranstaltet verkopft oder verschlossen: Der stoisch-simple Beat von „Splitting The Atom“, der mit einer denkbar einfachen und sich ständig wiederholenden Synth-Fläche überzogen wurde, zeigt, dass es weniger eine Frage der Mittel, sondern mehr eine Frage der Methodik ist, mit welcher Massive Attack an ihre Songs herangehen: Sie ist einfach unheimlich effektiv. Damon Albarns (Blur, Gorillaz) Auftritt fällt mit seiner krächzenden Stimme bei „Saturday Come Slow“ besonders positiv auf, und auch Hope Sandoval, die in „Paradise Circus“ mit flüsternd-lasziver Stimme die Femme fatale gibt, fügt sich perfekt in das Massive-Attack-Klanguniverum ein. Weniger gelunge Tracks, wie das vor sich hin schlurfende und mit Akustikklängen spielende „Psyche“ bleiben dabei glücklicherweise eher eine Randerscheinung. Insbesondere die Vielfalt der Gastauftritte machen „Heligoland“ zu einer facettenreichen Platte, die weniger in sich geschlossen wirkt, sondern lieber hunderte Türen sperrangelweit offen stehen lässt. Es gibt viel zu entdecken auf „Heligoland“, ein Abstecher lohnt sich auf jeden Fall!

Anspieltipps:

  • Splitting The Atom
  • Girl I Love You
  • Paradise Circus
  • Saturday Come Slow (
  • Atlas Air

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