Bryan Adams - 11 - Cover
Große Ansicht

Bryan Adams 11


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Was auf diesem Album geblieben ist, sind spärliche Fragmente der (Hard-)Rock-Alben der 80er und frühen 90er.

Für sein letztes Album „Room service“ (09/2004) hat sich Balladenkönig Bryan Adams nicht gerade sehr ins Zeug gelegt. Irgendwo zwischen Tür und Angel diverser Hotelzimmer überall auf der ganzen Welt hat sich der mittlerweile 48jährige Kanadier und leidenschaftlicher Photograph kurz hingesetzt um besonders schöne bzw. schön langweilige Songs zu verfassen, die geradezu darum gebettelt haben, Vergleiche mit Fahrstuhl- und Kaufhausmusik über sich ergehen zu lassen. Doch wer kann es dem mit mehrfach Platin ausgezeichnetem Musiker eigentlich verdenken? Balladen sind nun mal sein Metier und genau mit locker-leichten Kuschelrockern wie „Everything I do“, „Heaven“, „Have you ever really loved a woman“ oder „Please forgive me“ erfüllt der Mann mit der rau-sinnlichen Stimme die kommerziellen Erwartungen seiner Plattenfirma und die schmachtenden Blicke seiner vorrangig weiblichen Fans.

Kein Wunder also, dass die erste Single-Auskoppelung aus Adams neuester Platte genau diesem Schema folgt. Im Vergleich zum Opener „Tonight we have the stars“, wo eine Hammond Orgel zumindest noch ansatzweise das Wort Rock im mittlerweile stark balladengetränkten Schaffen des Kanadiers rechtfertigt, ist „I thought I´d seen everything“ allerdings dermaßen unscheinbar beiläufiges Gedudel mit mittelmäßigem Text und unaufregender Instrumentierung, dass man sich nur fragen kann wieso gerade dieser Song als erster Anreiz für sein neues Album an den Start geschickt wurde. Die Antwort liegt auf der Hand: Viel anderes oder besser gesagt herausstechenderes Material gab es auf „11“ einfach nicht, dass diese Bürde auf sich nehmen hätte können. Egal ob „We found what we were looking for“, „Broken wings“, „Mysterious ways“, „She´s got a way” oder der mit pathetischen Streichern ausstaffierte Akustiktrack “Walk on by”, alles 1A Bryan Adams-Schmachtfetzen erster Güte.

Rein musikalisch betrachtet wäre zwar „Oxygen“ das beste Stück auf der ganzen Platte, die triviale und vor Kitsch triefende Lyrik („Oxygen – Every moment / Oxygen – Everyday / I can´t live without it – Don´t take it away / I need to breathe you in – Like Oxygen“) war aber wahrscheinlich selbst Herrn Adams zu banal um den Song in größerem Rahmen auf die Welt loszulassen. Dass der Sauerstoff, der im Song unbedingt zum Leben benötigt wird, eine Metapher für die angebetete Herzensdame ist braucht wohl nicht näher erläutert zu werden, denn beeindrucken wird den Song, was den Text betrifft, wahrscheinlich nur hoffnungslose Romantiker, die jeden Abend mit einem Glas Rotwein in der Hand vorm knisternden Kamin eng umschlungen einschlafen.

„This album started out as an acoustic record, but I think somewhere about a year and a half into it, into writing the songs and producing the songs and trying to sequence it, I went on tour in America and thought to myself: “You know what? I don’t really wanna do an acoustic album. I want a rock album. And I want a rock album that has the edge of the acoustic and the subtlety of the acoustic, but still has a lot of power behind it.” And so I went back to the studio and re-recorded a lot of the songs again” meint der zweifach für den Oscar nominierte Musiker. Leider ist trotz allem die Power und der Biss, die Adams zuletzt noch in ausreichendem Maße auf „On a day like today“ (06/1998) zelebrierte (man erinnere sich nur an den Titeltrack), verschwunden. Was geblieben ist, sind spärliche Fragmente seiner Hardrock-Alben der 80er und frühen 90er. Ein bisschen mehr davon hätte „11“ mit hoher Wahrscheinlichkeit gut getan. Schade drum.

Anspieltipps:

  • Oxygen
  • Flower Grown Wild
  • Tonight We Have The Stars

Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
Diskutiere über „Bryan Adams“
comments powered by Disqus