The Mars Volta - Amputechture - Cover
Große Ansicht

The Mars Volta Amputechture


  • Label: Universal Records
  • Laufzeit: 76 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wussten Sie schon? The Mars Volta besteht seit neuesten Begebenheiten aus zwei Teilen. Nein, nicht etwa so wie sich früher At The Drive-In aufgelöst hatten und daraus Sparta und zweite, vorliegende Band aus der Asche aufgestiegen sind. Es gibt jetzt nämlich The Mars Volta und The Mars Volta Group. Blödsinn? Eigentlich nicht, denn dem hübsch illustrierten Beiheft zu dem neusten 80-Minuten-Monolithen „Amputechture“ ist zu entnehmen: „The Partnership between Omar Rodriguez-Lopez (who wrote and arranged all music and directs the group) & Cedric Bixler-Zavala (who wrote all lyrics and vocal melodies) is The Mars Volta. These compositions are then performed by The Mars Volta Group.” Ist da vielleicht jemand übergeschnappt oder gar eingebildet? Angesichts der neuen acht Kompositionen sollten sich die Wuschelköpfe Rodriguez-Lopez und Bixler-Zavala allerdings eher an der eigenen Nase nehmen, als großspurige Besitzansprüche von sich zu geben, denn das dritte Werk ist leider nicht mehr geworden als kalt gewordener und wieder aufgewärmter Brei.

Gleich zu Beginn gibt es mit „Vicarious atonement“ einen psychedelischen Teppich, der sich zwar The Mars Volta-typisch in über 7 Minuten vor dem Hörer ausbreitet, aber keine interessanten Facetten aufwirft. Besonders ärgerlich ist das abrupte Ende des Tracks, das bei der Länge des Songs nicht sein hätte müssen, künstlerischer Anspruch hin oder her. Mit „Tetragrammaton“ schiebt sich über eine Viertelstunde eine Klanglawine aus üblichen Zutaten vor sich hin, gebärdet sich mal laut, mal leise, kommt zum Stillstand, teilt kräftig Hiebe aus, schafft es aber nicht einen positiven Gesamteindruck zu hinterlassen, da die verwendeten Gitarren, das An- und Abschwellen der Instrumente, das teils hastige Akkordspiel, sowie die restlichen Klänge im Gegensatz zu einem „De-loused in the comatorium“ angestrengt, verbraucht und ermüdend klingen und sogar Bixler-Zavalas Organ setzt sich nach und nach negativ im Gehirn fest.

Gut gelungen ist hingegen das balladeske „Vermicide“, das zwar genauso bekannte Strukturen aufwirft, jedoch wesentlich eingängiger gestaltet wurde, was zwar entgegen der bisherigen Klänge wirkt, aber beinahe wünschenswert ist. „Meccamputechture“ weist zum ersten Mal TripHop-artige Schemata im Hintergrund auf und wenn die wiederkehrende Zeile „Humans as ornaments“ als Gestaltungsmittel verwendet wird, ist hör- und spürbar, dass The Mars Volta wieder auf dem rechten Weg sind. Der zweite Ruhepol „Asilos Magdalena“ macht im Anschluss den geänderten Zugang zur Laut-Leise-Dynamik im Gegensatz zu den Vorgängeralben deutlich, da gemeinsam mit „Vermicide“, das die einzigen Tracks sind, die ganz und gar behutsam in Erscheinung treten, wobei die restlichen Stücke das Übereinanderlagern von Spuren als Hauptantrieb benutzen, was z.B. auf „Frances the mute“ oftmals in einem einzigen Song mehrmals passiert ist.

Wieder dem TripHop anheim gefallen ist der Beginn von „Viscera eyes“, bevor die Rhythmusgruppe loslegt und einen guten Groove vorlegt, der im weiteren Verlauf der Langeweile unterliegt. Da helfen die orgiastischen Stimmeskapaden in „Day of the Baphomets“ genauso wenig wie das andächtige Dahinsiechen von „El ciervo vulnerado“ mit Sitar und Free Jazz-Bläsern, denn spätestens im letzten Track möchte man dem Ganzen einfach nur mehr ein Ende setzen. So gesehen kann sich The Mars Volta Group wieder voll in The Mars Volta integrieren lassen, denn vorher klang das alles irgendwie besser und frischer.

Anspieltipps:

  • Vermicide
  • Meccamputechture
Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
8/10

Reap The Storm
  • 2017    
Diskutiere über „The Mars Volta“
comments powered by Disqus