The Divine Comedy - Victory For The Comic Muse - Cover
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The Divine Comedy Victory For The Comic Muse


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das letzte Album von Chef-Theatraliker Neil Hannon, „Absent Friends“ aus dem Jahr 2004, und seinen wieder einmal durchgewürfelten Musikern wurde von ausgedehnten Tourneen eingerahmt und so begab es sich, dass Mr. Hannon nach Dublin zu seiner Familie heimkehrte und sich prompt in einem sogenannten schwarzen Loch wiederfand, von dem so viele Künstler wahrhaftig ein Lied singen können. Rastlos und von der Leidenschaft nach den Tönen getrieben, komponierte er auf dem Dachboden seines Hauses die Titelmelodie zur neuen englischen Sitcom „The IT Crowd“, half mehreren Musikern (darunter Jane Birkin sowie Laura Michelle Kelly) mit Songs aus und spielte mit dem Gedanken, ein Album voller Coverversionen aufzunehmen, auf dem u. a. Depeche Modes „Question Of Time“ zu einer Dreißiger-Jahre-Cabaret-Nummer mutieren sollte. Allerdings verabschiedete sich Neil Hannon bald von diesem Gedanken, da er „mit jedem Song das Gleiche anstellte und es nur eine begrenzte Anzahl von möglichen Stücken gab“, die in diese musikalisch durchaus exotische Spielart zu transferieren wären.

So hat es wenigstens „Party Fears Two“ von den Associates auf die neue Scheibe von The Divine Comedy geschafft, die „Victory For The Comic Muse“ heißt und 28 Musikern filigrane Streicher- und Bläser-Arrangements aus den Fingern zauberte. Das unvermeidlich hohe Verkehrsaufkommen im Studio hat sich jedoch gelohnt, soviel kann man gleich nach den ersten, entspannt tänzelnden Songs des Longplayers sagen, denn zur großen Geste gesellen sich auch sofort erobernde Songstrukturen und das bereits erwähnte, reichhaltig ausgestattete Instrumentarium. Eine rhythmusgebende Bläserfraktion nimmt sich ohne lange zu zögern „To Die A Virgin“ an und lässt ob der strahlenden Musikalität offene Münder zurück. Perfekt abgestimmte Einsätze von Streichern und einer großartig inszenierten E-Gitarre machen den Song komplett und lassen fast, aber wirklich auch nur fast, Neil Hannons triumphierende Stimme in den Schatten wandern. Ganz egal ob man „Mother Dear“, „Diva Lady“ oder „The Light Of Day“ betrachtet: Die großzügigen Arrangements arten nie in Kitsch oder übertriebener Frickelei aus und sind Teil eines Puzzles, bei dem (vorerst) alles stimmt.

Es wäre aber auch zuviel verlangt und vielleicht illusorisch, wenn sich die Perfektion der zeitlosen Popmusik mit Geste und der atemberaubenden Kulisse von 28 Vollblutmusikern auf dem gesamten Album fortsetzen würde. Denn nach dem Instrumental „Threesome“ scheint es so, als wenn nicht nur die zweite Hälfte der Scheibe eingeläutet wird, sondern auch die Eindringlichkeit des Songmaterials nachlässt. „Party Fears Two“ tanzt noch beherzt und furchtlos in den Sonnenuntergang, doch in „The Plough“ wird einem schnell klar, wie schmal der Grad zwischen stilvollem Pop und bodenloser Theatralik sein kann. Etwas weniger Übertreibung und mehr Eingängigkeit wären der Schlüssel zu einem Spannungsbogen auf gesamter Albumlänge gewesen, doch am Ende fehlt den letzten Songs einfach das Ziel und genau die Direktheit, welche den ersten Teil des Longplayers so großartig macht. Dennoch melden sich The Divine Comedy mit einem wirklich tollen Album zurück, auf dem man auch die vergleichsweise maue zweite Hälfte mit Würde verschmerzt.

Anspieltipps:

  • To Die A Virgin
  • Mother Dear
  • A Lady Of A Certain Age
  • The Light Of Day
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