Mia. - Zirkus - Cover
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Mia. Zirkus


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Fünf von Mia. aus Berlin sorgen seit ihrem Debüt „Hieb & Stichfest“ (2002) und dessen ungestümen Electro-Punk samt künstlerischer Interpretationen für Furore in der Indie-Gemeinde. Jede Menge Zuneigung prallte auf hysterische Abneigung und auch mit dem Zweitwerk „Stille Post“ aus 2004 sowie den Singlehits „Ökostrom“, „Was Es ist“ und natürlich „Hungriges Herz“ sollte die gespaltene Hörerschaft nicht vereint werden. Warum auch, denn Mia. haben sich seit ihren Anfangstagen Konfrontation auf die Fahnen geschrieben und zeigen dem allgegenwärtigen Mittelmaß im Popbusiness die kalte Schulter. Im letzten Jahr tourte man durch Deutschland, Polen und sogar Asien. Kein Landstrich und kein Herz blieb unberührt von den freigeistigen Tönen und poetisch spielerischen Texten.

Spielerisch ist auch das Drittwerk Mias geraten und so lassen sie gleich mit dem ersten Song „Uhlala“ ihren luftigeren Weg erkennen, den sie mit „Stille Post“ schon zeitweise andeuteten: Mehr Weite, mehr Gefühl und weniger Rastlosigkeit. Mieze singt derart entspannt und stimmlich herausragend, dass man kaum glauben kann, es mit der scheinbar immer unter Strom stehenden Frontfrau zu tun zu haben. Nur wenig erinnert noch an die mitunter nervösen, drängelnden Songs vom Debüt, denn Mia. sind angekommen in der Wohligkeit des Seins. Selbst wenn bei der ersten Single „Tanz Der Moleküle“ der Beat prägnanter wird und wie einst „Hungriges Herz“ stark gen ewiger Ohrwurm tendiert, spürt der Hörer deutlich die neue Feingliedrigkeit, welche wie schon erwähnt in Miezes Stimme mehrere sanfte Zwischentöne zulässt und in der Instrumentierung konstant weitergeführt wird. Zu bekannten Synthesizer-Fundamenten und E-Gitarren gesellen sich Trompeten, Vibraphon, Hörner, Glockenspiel und Akkordeon, als wenn nichts selbstverständlicher wäre für eine als Electro-Punk tituliert gestartete Band, die hier beweist, dass sie die Freigeistigkeit auch im musikalischen Kontext vollkommen verinnerlicht hat.

Der bereits von den Festivalauftritten bekannte Titeltrack erklingt hymnisch und mit einer durch ein Glockenspiel zart untermalten Dramaturgie, in der all´ die Lebensfreude und die spielerische Extravaganz der Lebenskünstler des titelgebenden Schaugewerbes in der Musik neu auflebt und entflammt wird. „Wär Deine Liebe ein Boot, ich würde sinken“ heißt es in „Floß“, in dem nicht nur der sehnsuchtsvolle Text und die Interpretation Miezes genussvoll die Ohren erreichen, sondern auch der erst noch recht minimale musikalische Rahmen nach und nach von Vielfalt und bestens angebrachten Kanten aufgelockert wird.

Eine neue Lockerheit und das hinzugewonnene Instrumentarium machen „Zirkus“ schließlich zu einem Werk, welches leicht zugänglich und poppig wie nie im Mia.-Kosmos die Herzen tanzen lässt und doch mit jedem Hören variantenreiche Entdeckungen hinzukommen lässt sowie nie den künstlerischen, aneckenden und doch so herzensguten Aspekt von Mieze, Andi, Bob, Ingo, Gunnar nebst Produzent Nhoah vernachlässigt. Dennoch ist mit diesem Album die Chance am größten, auch unverbesserliche Mia.-Hasser zu überzeugen oder sie zumindest milde zu stimmen, wenn sie nicht viel zu sehr damit beschäftigt sind, neue Angriffspunkte zu suchen, anstatt einfach diesen seelenvollen, unheimlich vereinnahmenden Tönen zu lauschen.

Anspieltipps:

  • Tanz Der Moleküle
  • Floß
  • Odernichtoderdoch
  • Engel
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