Joy Denalane - Born And Raised - Cover
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Joy Denalane Born And Raised


  • Label: Four Music/SonyBMG
  • Laufzeit: 65 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist sehr erstaunlich, wie aktuell diese souligen Songs mit einfachen Mitteln klingen.

Seit ihrem Debütalbum „Mamani“ sind 4 Jahre vergangen und Joy Denalane hat zwei Kinder bekommen, ist mit Max Herre verheiratet und hat 2004 noch ein gleichnamiges Live-Album nachgelegt. Nun flog das musikalische Ehepaar nach Philadelphia, um mit Anthony Tidd das neue Werk einzuspielen. Dabei wurde viel Wert auf echte Musik gelegt, es werden zwar auch Samples verwendet, aber Trompeten, Gitarren und Drums sind live gespielt worden. Computer ade also, denn Denalane mischt mit Neosoul, Gospel, HipHop und afrikanischer Musik eine Black-Music-Scheibe der oberen Güteklasse. Drei Gastsänger erklingen auf der CD: Raekwon vom Wu-Tang-Clan, Jay Z-Schützling Lupe Fiasco und Governor.

Die in Südafrika geborene Joy Denalane ist keine billige Kopie von Mary J. Blige oder sogar Aretha Franklin. Sie wechselte die Sprache, vom Deutschen ins Englische, und fühlt sich anscheinend trotz ihrer Heimat Deutschland damit wohler. Die Texte stammen fast alle von Herre und Denalane, die Kompositionen sind aber nicht unbedingt Eigenproduktionen: Altmeister Curtis Mayfield mit „Change“ oder Songs von eher unbekannteren Komponisten aus der Black-Music-Szene werden neu interpretiert. 15 Tracks, davon sieben von Max Herre oder Joy Denalane geschrieben, erfreuen die Fans der ehemaligen Freundeskreis-Sängerin.

Der Backgroundchor, die echten Instrumente und die Kompositionen erzeugen diese altmodische Soulatmosphäre, die den Longplayer trotzdem zeitlos machen. Es ist sehr abwechselungsreich, denn nicht nur die bereits ausgekoppelte Single „Let go“ groovt dermassen, dass es einfach Spass macht. Es gibt sehr viele entspannte, also ruhigere Songs, die aber soviel Seele durch die sehr gute Stimme Denalanes versprühen, das kann niemanden kalt lassen. Politische Botschaften gegen Apartheid enthalten „Soweto“ und „Strangers in the land“, die restlichen Texte gehen eher in die Love-Song-Ecke. „Start over“ ist ein mit altertümlicher Orgel ausgestattetes Groovemonster, da kann man nicht still sitzen bleiben. Das „Beste von gestern“ kann die Wahl-Berlinerin nur als Motto ausgeben haben, denn es ist sehr erstaunlich, wie aktuell diese souligen Songs mit einfachen Mitteln klingen.

Das Titelstück „Born & Raised“ lebt neben Joys sanfter Stimme vom guten Backgroundchor und einer feiner Melodie, die mit eher leisen Beats unterlegt wird. Der Song „Soweto“ in Neuauflage kommt mit Männerbackgroundchor und Percussion sehr afrikanisch daher, doch die Eingängigkeit der flotten Beats wird die Tanzflächen füllen, die Weltmusik trifft hörenswert Joys Soulwelt. Obwohl die einzelnen Songs nicht alle Superhits werden, ist die Qualität der 15 Tracks beeindruckend. Das Konzept stimmt, schwache Songs sucht man vergeblich. Trotzdem wird die Klassikerpunktzahl nicht erreicht, dafür müsste die Güteklasse Eins vorgelegt werden. Joy Denalane ist erst 33 Jahre, die Stimme ist schon erstklassig, wenn dann alles selbst komponiert wird und die Musik noch eine kleine Qualitätseinheit nach oben klettert, dann ist sie für den Klassiker bereit.

Anspieltipps:

  • Let Go
  • Start Over
  • Born & Raised
  • Something Stirrin' up
  • Stranger in this land
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