Jens Friebe - In Hypnose - Cover
Große Ansicht

Jens Friebe In Hypnose


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

An Jens Friebe scheiden sich die Geister. Er ist einer jener Künstler, den man nicht einfach gut finden kann. Es gibt nur schwarz und weiß bei Friebe – entweder liebt man ihn und seine Musik, oder man hasst sie. Die einen sehen in ihm einen großen Pop-Philosophen mit dem Mut, musikalische Grenzen zu überschreiten. Die anderen betrachten seine Musik als seichte Mischung zwischen Schlager und seichtem Deutschpop mit.

Wer „In Hypnose“ aufmerksam hört, kann kaum an letzteres denken. Ja, Jens Friebes Lieder klingen beim ersten Hören teilweise tatsächlich wie Schlager (z.B. „Bungeeseil“), was nicht zuletzt der manchmal kitschigen Instrumentierung geschuldet ist. Aber welcher Schlagermusiker kann schon mit Zeilen aufwarten wie „Wie eine Decke, die dich zudeckt / Wie eine Zugen, die dich ableckt / Wie eine Stimme, die beim Tischfußball zu dir spricht / Klapp deine Männchen hoch / Den Rest mach ich“ („Lawinenhund“)? Das ist großes Kino. Friebe versteht es hervorragend, seine oft vom Mainstream abweichenden Gedanken zu formulieren.

Wenn Jens Friebe etwa in „Jede Menge Ziele“ gegen die Konsumgesellschaft wettert („Glaubt ja nicht, ich verschwende meine Zeit / Während ihr Geld verschwendet / Euch Mountainbikes und Snowboards leiht / Und damit Berge schändet“), dann klingt das keineswegs so platt wie in solchen Songs leider oft üblich. Im Gegenteil, die Frage, ob man eine Chance nicht auch als Gefahr begreifen kann, ist viel zu tiefgründig gestellt, als dass man die Überzeugung, die in diesen Zeilen steckt, anzweifeln könnte. Scheinbar nebenbei zeigt Friebe mit diesem Track, dass er auch die härtere Gangart des Rock durchaus beherrscht.

Auf „In Hypnose“ stellt Jens Friebe endgültig unter Beweis, was sich bei seinem Debüt „Vorher Nachher Bilder“ bereits angekündigt hatte: Er kann ein großer Entertainer im deutschen Indiepop sein, sozusagen der Bernd Begemann des Elektropop. Er singt über Liebe, gegen Heuchler und Blender, über Glück und das Leben, und nie klingt es kitschig oder unglaubwürdig. Auf dem Opener „Kennedy“ singt Friebe „Ich wär wohl euer Präsident / Und ihr findet mich o.k. / Ich fahr an euch vorbei und wink‘ / In einem Cabriolet“. Jens Friebe for president? Warum eigentlich nicht? Frau Merkel, ziehen Sie sich warm an.

Einen Schwachpunkt hat „In Hypnose“ dann allerdings doch: Der Schlusstrack „Roadmovie to Berlin“, im Grunde eine Klangcollage, stört ein wenig den Gesamteindruck des Albums. Aber auch das gehört zu Jens Friebe: Er schert sich wenig um Konventionen und Konzepte.

Anspieltipps:

  • Kennedy
  • Bungeeseil
  • Lawinenehund
  • Jede Menge Ziele
  • Es hat keinen Namen
Neue Kritiken im Genre „Liedermacher“
7/10

Reinrassije Strooßekööter: Das Familienalbum
  • 2017    
Diskutiere über „Jens Friebe“
comments powered by Disqus