Serena-Maneesh - Serena-Maneesh - Cover
Große Ansicht

Serena-Maneesh Serena-Maneesh


  • Label: Beggars Group/Indigo
  • Laufzeit: 59 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus Norwegen kommen Serena-Maneesh und wurden dort gleich mit ihrem Debüt, welches jetzt den Weg nach Deutschland findet, für den dortigen Grammy nominiert. Wenn man sich die Geschichte der Norweger zu Gemüte führt, kommen einem gleich Namen wie die Arctic Monkeys in den Sinn, denn wie bei den musikalisch weit entfernten Jungspunden aus U.K. gab eine einflussreiche Webpage (Pitchfork Media) u. a. den Ausschlag für eine Europa-Tournee mit den Dandy Warhols und drei Auftritte beim renommierten SXSW-Festival in den USA. Und das alles, obwohl „Serena-Maneesh“ damals erst in der Heimat erschienen war und kaum ein Nicht-Norweger die Scheibe in den Händen halten konnte. Pitchfork Media listete sie noch vor Franz Ferdinand in den Top 50 und fleißige Fans ließen durch virtuelle Mundpropaganda das Thema Serena-Maneesh schneller heranwachsen, als es Plattenfirmen jemals hinbekommen hätten.

Das Album wurde in einem Zeitraum von sechs Monaten in Chicago, New York, Oslo sowie Stockholm unter der Mithilfe von Remixer Martin Bisi (Swans, Sonic Youth) aufgenommen und ist mindestens genauso vielseitig und abwechslungsreich wie die genannten Städte, welche den Weg von „Serena-Maneesh“ würdevoll pflasterten. Freunde wie Sufjan Stevens, die Schwestern Elvira und Hilma von Band-Mastermind Emil Nikolaisen und andere Gastinstrumentalisten tragen zum bunten Reigen einer ansonsten eher verdunkelten Klangfarbe bei und dürfen sich glücklich schätzen, das individuelle und gleichsam eindringliche Debüt mitgestaltet zu haben. Denn schon der Opener und ebenso Single-Auskopplung „Drain Cosmetics“ fasziniert mit dichten Soundcollagen und der dank Hall träumerisch ausufernden Stimme von Herrn Nikolaisen, um neben krachigen Wave-Rock Elementen auch Orgel und Flöte unterzubringen. Drängelnde Gitarrenwände verzücken bei
“Selina´s Melodie Fountain“ und widmen sich einer steigenden Intensität, die gegen Ende des Songs immer mehr in Richtung Noise schwappt und doch melancholisch zart die Ohren des Hörers erklimmt.

Wabernde Electrosounds und ein lauernder Schlagzeugrhythmus verhelfen „Candlelighted“ mit atmosphärischem Nachdruck und psychedelischen Gitarreneinsätzen zu einem Song, den kein Genre ausreichend erfassen kann und einfach nur musikalischen Tiefgang in Reinkultur verbreitetet. Im weiteren Verlauf des Tracks erklimmt wieder einmal Nikolaisens Stimme die Regionen des absoluten Seelenheils. Als wäre das noch nicht genug, um vor der Stereoanlage gedankenverloren zu knien, sähen Cello, Flöten (u. a. von Sufjan Stevens eingespielt) und die Vocals von Gastsängerin Lina weiter eine Großartigkeit, wie sie kaum eine Band auf dem Debüt erreicht. Vor allem instrumentale, eng gewebte Collagen, denen auch mal gehörige Aggressivität („Beehiver II“) untergejubelt wird, verhelfen Serena-Maneesh zu einem Traumstart, in dem apokalyptische Szenarien und Noise-Attacken als Wachruf für die ruhigen, sphärischen, sich nur langsam offenbarenden Schwelgereien fungieren und trotz des unheilvoll grollenden Eskapismus stets die Authentizität im Auge behalten.

Anspieltipps:

  • Drain Cosmetics
  • Candlelighted
  • Sapphire Eyes
  • Simplicity
Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
6.5/10

Niente
  • 2017    
Diskutiere über „Serena-Maneesh“
comments powered by Disqus