Bonnie Prince Billy - The Letting Go - Cover
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Bonnie Prince Billy The Letting Go


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bonnie ´Prince´ Billy aka Will Oldham hat es wieder einmal geschafft, der Herbst kann kommen.

Will Oldham ist ein echter Tausendsassa, der trotz seiner zahlreichen Projektnamen und Gast-Auftritte immer für Songwriting erster Güte sorgt und mit dem kleinsten Detail in seinen Arbeiten die Welt zum Anhalten bringen kann. Wie ein Hauch aus einer anderen Welt, die Trauer genauso kennt wie herzerfüllende Sehnsucht, sind die Songs als Bonnie ´Prince´ Billy, Palace Brothers oder unter seinem wirklichen Namen eine althergebrachte Melange aus Folk, Country, Blues sowie einem Hauch Pop, der so gefühlvoll und erdig daherkommt, dass man sein Herz einfach öffnen muss.

Zuletzt erschien in Zusammenarbeit mit Tortoise das Cover-Album „The Brave And The Bold“, dass sicher nicht das intensivste Album des US-Amerikaners ist, aber doch die Wartezeit auf das neue Exemplar namens „The Letting Go“ geschmackvoll verkürzte. Der meist leicht grimmige Herr aus Louisville, der sogar schon mit Johnny Cash traumhaft „I See A Darkness“ intonierte und trotz seines jungen Jahrgangs (1971) schon auf geschätzte 20 Alben zurückblicken kann, kehrt also gerade rechtzeitig zum Herbst zurück in die Plattenläden und setzt sich erneut ein verletzliches, sanft funkelndes Denkmal.

Allein der Opener „Love Comes To Me“ mit seinen eindringlichen Streichern und natürlich der immer wieder ins Mark gehenden Stimme von Will Oldham ist in seiner zu Musik gewordenen einsamen Sehnsucht eine Momentaufnahme, die trotz der relativ spröden Arrangements und des minimalistisches Klangbildes für Eindruck sorgt. Beschwörerisch kommt „Strange Form Of Life“ druckvoller zur Geltung und beeindruckt durch filigrane Gitarrenarbeit, die wie auf der gesamten CD von Dawn McCarthy als Gastvokalistin mit ihrer glockenhellen Stimme vervollständigt wird. Auch die niemals zu aufdringlichen oder pathetischen Streicher-Arrangements von Ryder McNair und Nico Muhly durchziehen das gesamte Album und sorgen für wohlige Gänsehautatmosphäre.

Das gospel-artige, pulsierende „Lay And Love“, bei dem Dawns Stimme fast die des Meisters übertönt, zählt vielleicht sogar deswegen zu den Gewinnern dieser dunklen Reise mit dem Namen „The Letting Go“. Es beherrscht den Wechsel zwischen Tag und Nacht, Hoffnung und Schmerz, Euphorie und Melancholie perfekt, so dass jede Gefühlsfacette zwischen den Zeilen angesprochen wird und doch schemenhaft bleibt. „The Seedling“ gleicht danach einem Hexenkessel, in dem alles möglich scheint und das Unheil den Weltuntergang heraufbeschwört. Cello und kraftvolle Gitarren geben diesem kräftezehrenden Song den Rest und lassen ihn so andersartig auf dieser träumerischen, in sich gekehrten Scheibe erscheinen, dass ihm Faszination nicht abgesprochen werden kann.

Nicht absprechen kann man diesem Album auch seine durchdringende Ehrlichkeit und zerbrechliche Songstrukturen, die zusammen mit dem wechselseitigen Gesang und berührenden Streichern für lang anhaltende Freude in den Ohren sorgen. Bonnie ´Prince´ Billy aka Will Oldham hat es wieder einmal geschafft, der Herbst kann kommen.

Anspieltipps:

  • Love Comes To Me
  • Cold & Wet
  • Lay And Love
  • I Called You Back
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