Mastodon - Blood Mountain - Cover
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Mastodon Blood Mountain


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 68 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das besondere Zuckerl auf der neuen Scheibe ist neben den irren Akkordeskapaden und der unvorsehbaren Rhythmusveränderungen, die eigentliche Story.

Mastodon, die dritte. Eine metallische Grenzüberquerung von Stilen vergangener Jahrzehnte gepaart mit moderner Härte, die am Rande des Wahnsinns treibt und in einem Zustand der Schlaflosigkeit aus den Boxen driftet, den Hörer packt und ihn immer wieder mit dem Drücken der Play-Taste am Fuße des „Blood mountain“ aussetzt. Keine Mittel sind zu abwegig und kein Rhythmuswechsel zu sprunghaft um sie nicht einzusetzen, alleine was in den drei Minuten von „Circle of Cysquatch“ abgeht, ist alptraumhaft und faszinierend zugleich. Und das sind nur die ersten Anzeichen einer „Mastodonitis“, denn was neben einem hübsch aufgemachten Booklet Brent Hinds (Gesang, Gitarre), Troy Sanders (Gesang, Bass), Bill Kelliher (Gitarre) und Brann Dailor (Schlagzeug) auf dem neuen Longplayer mit mal klitzekleinen mal riesengroßen Puzzlesteinen zu einem Ganzen fügen, ist nicht nur schweißtreibend, atemberaubend und fordernd, sondern auch über weite Teile hinweg mit einer Grippe vergleichbar, bei der es selbst im letzten Fieberstadium noch lange nicht vorbei ist.

„Remission“ (2002) und „Leviathan“ (2004) hießen die Vorgänger und ebneten Mastodon den Weg zum Major Warner Music, der die Jungs im letzten Jahr unter Vertrag nahm. Eine Anbiederung an den derzeitigen Metalcore-Trend oder ähnliche Sperenzchen wurden damit jedoch zum Glück nicht eingegangen, der aus Atlanta, Georgia stammende Vierer ist noch immer heavy as fuck und dabei dennoch cool und gelassen an das dritte Album herangegangen. „Mir war immer klar, dass wir alle einzigartige Individuen sind, die zusammen eben eine Band formten, und wir haben uns zusammen getan, um eine Mahlzeit mit verrückten Zutaten zuzubereiten. Aber das wichtigste: Alles, was wir tun, ist rein und aufrichtig.“ erklärt Bassist Sanders.

Das besondere Zuckerl auf der neuen Scheibe ist neben den irren Akkordeskapaden und der unvorsehbaren Rhythmusveränderungen, die eigentliche Story, die nach „Leviathan“ (dort stütze man sich auf Herman Melvilles Roman „Moby Dick“) „Blood mountain“ ebenfalls zu einem Konzeptalbum macht. Die Grundidee besteht darin, dass mehrere Menschen auf der Suche nach einem kristallenen Schädel sind, der auf der Spitze des „Blood mountain“ in die Köpfe der anderen eingeführt werden muss um in der Evolution einen Schritt nach vorne zu machen. Damit dies kein leichtes Unterfangen bleibt, sorgen diverse Kreaturen und unliebsame Geschöpfe sowie unbarmherzige Naturgewalten für scheinbar unüberwindbare Hindernisse und Gefahren. Da wären zum einen herumstreunende Wölfe, die in „The wolf is loose“ ihr Unwesen treiben, Baumleute, die sich den Suchenden in den Weg stellen („Colony of birchmen“) oder eine Gruppe einäugiger Yetis, sogenannte Sasquatchs, die zuerst auf Beutefang aus sind, sich aber als hilfsbereite Wesen präsentieren, die Schutz und mentale Kraft spenden („Circle of Cysquatch“).

Wäre das nicht schon genug, gibt es auch eine psychologische und physische Ebene, die sich sowohl textlich als auch musikalisch niederschlägt und über die Brann Dailor folgendes zu berichten weiß: „Ich wollte, dass sich das alles ein bisschen anhört wie auf Acid. Es gibt einen Abschnitt darüber, wie die Protagonisten ein paar Wurzeln essen und zu halluzinieren anfangen, bevor alles sehr eigenartig wird. Oder in „Siberian divide“ werden wir von einer Schneeverwehung verschüttet, die von einem Abhang rutscht. Unsere Körper erleiden Hirnfrost und wir rasten völlig aus. Wir halten unsere Handgelenke für Essen und fangen an, unsere Pulsadern für das bisschen verbliebene Wärme anzubeißen, bis wir verbluten.“ All das ist eingebettet in eine hysterische, detailverliebte, erdrückende, behutsame und spannende Kulisse aus düsteren Bassläufen, schneidenden und wütenden Gitarren, die durch ein peitschendes Schlagzeug vorangetrieben werden, das gemeinsam mit dem kreischenden, aufgeregten und klaren Vocals von Hinds und Sanders zu einem alptraumhaften Szenario heranwächst.

Für die Unterstützung auf der Wanderschaft holte sich der Vierer niemand geringeren als Queens Of The Stone Age-Mastermind Joshua Homme („Colony of Birchmen“), Neurosis-Frontmann Scott Kelly („Crystal skull“) und Keyboarder Isaiah Owens und Sänger Cedric Bixler-Zavala von The Mars Volta („Pendulous skin“, „Siberian divide“), die Produktion übernahmen Matt Bayles (Pearl Jam, Soundgarden, Isis) und Mastodon selbst. Bleibt nur noch eins zu sagen: Lässt man sich auf diesen Höllentrip ein, dann wird es gewiss nicht nur bei einer kleinen Wanderung bleiben, sondern auch mehrmals heißen: „Auf zum Blood Mountain!“

Anspieltipps:

  • Crystal Skull
  • Bladecatcher
  • Siberian Divide
  • Capillarian Crest
  • Colony Of Birchmen
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