Three Days Grace - One-X - Cover
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Three Days Grace One-X


  • Label: Zomba/SonyBMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Fast drei Jahre nach erscheinen der selbstbetitelten Debüt ist es endlich soweit: Three Days Grace, melden sich mit ihrem neusten Album „One-X“ zurück. Das Debütalbum von Adam Gontier (Gesang), Neil Sanderson (Schlagzeug), Brad Walst (Bass) und Barry Stock (Gitarre) schlug 2004 ein wie eine Bombe, verkaufte sich bis heute allein in den USA weit über 800.000 mal und brachte die Jungs für mehrere Wochen in die kanadischen- und US-Top10. Die Single-Auskopplung „I hate everything about you“ war in Kanada wochenlang auf Platz 1. Dementsprechend hoch sind nun die Erwartungen an das neuste Album. Zeit genug hatten sie ja...

Der Opener „It's all over“ weißt zumindest schon mal eine gute Richtung. Zu Beginn dominieren verzerrte Gitarrensounds, die im Loop mehrmals übereinandergelegt werden, bis nach wenigen Sekunden brachial die Drums einsetzen und kurz darauf Adam Gontier wie ein Tornado hereinbricht und sich zu Wort meldet. Hier wird schon die erste Veränderung merkbar. Der Gute hat weiter an seiner sehr genialen Stimme gefeilt, welche nun einiges dreckiger und tiefer wirkt, als noch vor 3 Jahren. Nachdem er sich etwas ausgetobt hat und er bewiesen hat, dass er auch als Shouter gut klingt, darf sich Gitarrist Barry richtig ins Zeug legen und legt ein sehr cooles und einprägsames Solo hin, bis ganz am Ende gänzlich alle Instrumente verstummen, um Adams nun plötzlich sanfte Stimme nicht zu stören, nur damit zum Finale hin sich alle noch ein letztes Mal zu einer gigantischen musikalischen Welle aufbäumen, die noch mal über den Hörer hereinbrechen soll. Ein gigantischer Start!

Der nächste Track „Pain“ beginnt danach überraschend ruhig nur mit Gesang und minimalistischer Gitarre. Denkt man nun, dass jetzt schon die erste Ballade dran ist, dann irrt man. Denn kurz darauf klinkt sich dann überraschend das Schlagzeug ein und auch Gitarre sowie der Bass legen nun gewaltig an Lautstärke zu. Und während sich der Gesang von leise nach laut schraubt, wird der Refrain eingeleitet, wo alle wieder zeigen können, was sie drauf haben: Adam schreit sich sein „Pain“ von der Seele, nur um kurz danach wieder mit ruhiger Stimme weiterzusingen, bis er das nächste „Pain“ brüllen darf. Wirklich sehr schön zu sehen, dass er sein gesangliches Potential, was schon im Debütalbum vorhanden war, nun auch auf viele Stimmlangen ausgebreitet hat. Und währen er gutgelaunt vor sich hin singt und shoutet, zaubert Gitarrist Barry wieder mal einen coolen Riff nach dem anderen.

Mit „Animal I have become“ bahnt sich dann der erste richtig krachende Ohrwurm an. So darf Brad erst mal an seinem Bass zupfen, bis die Gitarre sich dazu einklingt und wieder mal einen unglaublich cool-dreckigen Riff an den Tag legt, der danach noch durch das Schlagzeug unterstützt wird, bis sich Adam mit dumpfer, zurückhaltender Stimme meldet: „I can't escape this hell!“ Was danach folgt, ist Ohrenschmaus pur: Die Band hält sich bis zum Refrain sehr zurück, nur um sich dann so reinzuhängen, dass einem ein irrsinniger Sound aus den Boxen entgegenschallt, der zum genüsslichen Kopfnicken einlädt. Nach so viel Power meldet sich dann mit „Never too late“ die erste Ballade, die textlich zwar sehr bewegend ist, ansonsten aber etwas an einem vorbeigeht, obwohl hier wieder die Gitarre sehr zu loben ist. Auch der folgende Track „On my own“ reißt einem nicht vom Hocker, obwohl dieses Lied den bisher wohl coolsten Refrain aufweißen kann. Allerdings sind die Brücken dazwischen etwas belanglos. Haben Three Days Grace etwa schon ihr Potenzial verschossen?

Doch die Bedenken werden mit „Riot“ über Board geworfen: Denn hier wartet das nächste große Highlight der CD auf den Hörer. So beginnt der Track nur mit Gitarre und minimalstem Schlagzeug, schraubt sich dann aber bis zum Refrain unaufhörlich nach oben, bis der Refrain brutal über den Hörer hereinbricht und wieder mal zum Kopfnicken einlädt bis es ein weiteres mal soweit ist: Gitarre und Schlagzeug liefern sich ein geniales Solo, welches nach einiger Zeit von Adam unterbrochen wird, der nun plötzlich in psychisch kranken Tönen singt und fast an Jonathan Davids beste Zeiten erinnern lässt. Jedoch währt dies nur kurz und so melden sich zum Finale noch mal alle Instrumente mit vollem Sound zurück und bringen das Lied zu einem grandiosen Ende.

„Let it die“, „Over & Over“ und „Time of dying“ sind dann wieder ruhigere Lieder, die nett zum Hören aber leider keine Offenbarungen sind. Die zweite Ballade „Gone forever“ ist das Gegenteil der ersten. Textlich belanglos aber musikalisch dafür umso besserer: Die Brücken werden nur mit Gitarre gespielt, die Refrains sind dagegen brachiale Ergüsse die sich tief in die Ohrwindungen fressen. Der letzte und titelgebende Track „One X" reiht sich dann aber leider wieder in die „hört man - findet man nett - vergisst man“ Ecke ein. Zwar besingen sich die Jungs selbstbewusst als „The ones“, dennoch klingt der Track wie schon mal gehört.

Was am Ende bleibt, sind gemischte Gefühle. zwar haben sich Gesang und Musik eindeutig zum positiven gewandelt, aber wo bleiben die Ohrwürmer der vergangenen CD? „Home", „I hate everything about you“ und „Scared“ haben sich damals in Mark und Bein gebrannt. Zwar hat auch „One-X“ einige gute Ohrwurm-Songs aber es sind eindeutig zu wenige. Zu viel sind dagegen diese belanglosen Tracks, die man zwar beim Hören ganz nett findet, die dann aber auch schon wieder vergessen sind. Alles in allem eine wirklich gute CD, die Fans von Three Days Grace auf keinen Fall verpassen sollten. Wer auf soliden Rock/Nu-Metal steht, wird ebenfalls seine Freude daran haben. Der Rest greift lieber zum eindeutig stärkeren Debüt.

Anspieltipps:

  • Pain
  • Riot
  • It's all over
  • Gone Forever
  • Animal I have become
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