Siebeth - Trainingsjackensupervisorfreak - Cover
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Siebeth Trainingsjackensupervisorfreak


  • Label: Mijo Discount/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Geschichte vom Sänger/Songschreiber Siebeth geht bis ins Jahr 1998 zurück, als die Hamburger Band Pornomat das erste Album veröffentlichte und vielfach für positive Stimmen sorgte. Doch nur ein Jahr später waren Pornomat Geschichte und Siebeth fortan auf Solopfaden unterwegs, was nicht weiter verwundert, da er schon auf dem Pornomat-Album allein für das Songwriting zuständig war. 2002 war es dann soweit: Das Solo-Debüt „Einmal Accum Und Zurück“ erschien, blieb jedoch ein wenig blass, so dass der aktuelle Longplayer „Trainingsjackensupervisorfreak“ wie ein Erstling erscheint. Musikalisch pendelt das Nordlicht zwischen Disco-Pop, Hip Hop, Indierock sowie humoristischen/ironischen Textausflügen und kann in der Gesamtheit des Werkes nur wenig überzeugen.

Dafür sind die Stimmungen sowie Musikstile zu breit gefächert und der rote Pfaden kaum erkennbar. Das Album gleicht mehr einer Compilation, bei der das Herzstück, der Zusammenhang, hinkt. Songs wie „Auto-Tune“, bei dem zweifelhafte Produzenten, die aus grässlichen Gesangsstimmen dank des titelgebenden Effektes hitverdächtige Vocals machen, auf´s Korn genommen werden und der Opener „3 Minutes“ im Duett mit Miss Jessica von der Sam Ragga Band setzen positive Energien frei und tänzeln poppig in die Sommernacht. Lockere Ironie und variantenreiche, fröhliche Arrangements machen auch den gleichzeitig als Single fungierenden Titeltrack zu einer runden Angelegenheit, bei der jede Menge soulige Wärme den PopRock-Kontext des Songs verfeinert. Dennoch ist auch dieser Ohrwurm irgendwann einfach nur noch mittelmäßig, denn es fehlen Ansatzpunkte, die man aufsaugt. Stattdessen thront eine Leichtigkeit, die sich nicht selten in Langeweile verwandelt, über der guten dreiviertel Stunde der CD.

Zwischendurch tauchen ernste Texte und gar melancholische Töne auf („Nur Noch Diesen Sommer“, „Vor Der Tür“), die man nur schwerlich als Herzensstürmer wahrnehmen kann, obwohl sie textlich und musikalisch für Wohlklang sorgen, denn sie wirken nach den manchmal ironisch wertvollen und manchmal platt witzigen Texten der anderen Songs wie Fremdkörper, denen man die angepeilte Melancholie nicht abnimmt und lassen Fragezeichen zurück, die nach mehrmaligem Hören von „Trainingsjackensupervisorfreak“ zu Ausrufezeichen werden. Textliche, manchmal arg nervige Herausforderungen und musikalische Zerrissenheit lassen den Zweitling von Siebeth trotz gelegentlich guter Ansätze im Niemandsland stehen. Es wird sich zeigen, ob der Longplayer wie schon das Debüt zwischen den anderen Veröffentlichungen untergeht. Die Musik hätte in diesem Album-Kontext aber auch nicht viel mehr verdient, obwohl einzelne, wenige Songs einigermaßen ordentlich punkten.

Anspieltipps:

  • 3 Minutes (Feat. Miss Jessica)
  • Nur Noch Diesen Sommer
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7.5/10

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