Elton John - The Captain And The Kid - Cover
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Elton John The Captain And The Kid


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Reduziert auf das Wesentliche haben die Kompositionen plötzlich eine ganz andere Aura und einen echten Singer/Songwriter-Touch.

An einem Musiker wie Elton John lässt sich das Auf und Ab im Verlaufe einer Karriere fast schon exemplarisch festmachen. Ende der 60er Jahre mit kolossal schlechten Verkaufszahlen gestartet, gestaltete sich die Laufbahn des jungen Komponisten, der mit Bernie Taupin einen kongenialen Texter an seiner Seite hat, bis zur Mitte der 70er Jahre als rauschhafter Erfolg, mit mindestens zwei Album-Veröffentlichungen pro Jahr (!) und Nummer-1-Hits auf dem ganzen Globus. Danach wurde es etwas ruhiger um Elton John, der es zwischenzeitlich ohne die Textkunst von Bernie Taupin versuchte. Erst im Verlauf der 80er Jahre stieg das Interesse an seiner Musik wieder. Allerdings waren es meistens nur die Singles, die sich zu Hits entwickelten. Die Alben waren dagegen nur so lala.

In den Neunzigern kam es endgültig zum künstlerischen Tiefpunkt. Und trotzdem gelang dem Briten mit der Neuauflage seiner Marilyn-Monroe-Hommage „Candle in the wind“ als Abschiedslied für seine verstorbene Freundin, Prinzessin Diana, die erfolgreichste Single aller Zeiten. Bergauf geht es erst im neuen Millennium. Das Album „Songs From The West Coast“ wird nach gefühlten 20 Jahren zum ersten Mal wieder von der Presse gefeiert. Auch „Peachtree Road“ (2004) schneidet in der Beurteilung gut ab und zeigt einen inspirierten Künstler, der endlich wieder zu sich und seiner Kunst gefunden hat. So soll es freilich weitergehen. Und zwar mit dem 44. Album (!) „The Captain And The Kid“. Dieses ist als Nachfolger des 1975er Meilensteins „Captain Fantastic And The Brown Dirt Cowboy“ konzipiert.

In der Fortsetzung singt der 59-Jährige zum Beispiel von der guten, alten Zeit („Old ’67“), als seine Karriere noch in den Kinderschuhen steckte und alles ganz einfach und unkompliziert war („What a time it was. What a time of innocence. What a time we’ve lost. Raise a glass and have a laugh“). Wie schon auf den vorangegangenen Werken in diesem Jahrzehnt, behandeln auch einige Stücke dieses Albums das Thema Amerika. Dazu verschickt das Duo John/Taupin musikalische Ansichtskarten („Postcards from Richard Nixon“), beschwört die Magie von New York City („Wouldn’t have it any other way (NYC)“) und stellt ernüchtert fest „Blues never fade away“. Dazu gibt Elton John den erdigen Pianorocker („Just like Noah’s ark“) genauso wie er wieder seine typischen Schmacht-Balladen darbietet („The bridge“). Der Unterschied zu früher ist nur, dass die neuen Songs heute nicht mehr so schrecklich überproduziert und wie abgeschmackte Schlagermusik klingen.

Reduziert auf das Wesentliche haben die Kompositionen plötzlich eine ganz andere Aura und einen echten Singer/Songwriter-Touch – auch wenn es sich dabei nicht um ausgemachte Meilensteine handelt. Dennoch ist Elton John in dieser Form wieder eine echte Alternative für den geneigten Musikfreund, der auf melodischen Songwriter-Pop steht und gewillt ist, dem guten Elton Quatsch wie „Made In England“ zu vergeben.

Anspieltipps:

  • I must have lost it on the wind
  • The captain and the kid
  • Just like Noah’s ark
  • The bridge
  • Tinderbox
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