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Eagle Seagull Eagle Seagull


  • Label: Lado/SPV
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus der Universitätsstadt Lincoln, Nebraska, gleich um die Ecke von Omaha, der Homebase des Saddle Creek Labels (Bright Eyes, Rilo Kiley), kommen Eagle Seagull – sechs Musiker (fünf Männer und eine Frau), die knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres Debüts in den USA nun auch bei uns mit ihrem Erstling um die Ecke kommen. In Amerika erscheinen die Platten von Eagle Seagull auf dem kleinen Label Paper Garden Records in Nashville. In Deutschland ist Lado zuständig, eher bekannt für elektronische Musik. Doch damit haben Eagle Seagull nichts zu tun.

Die Band hat ihre Wurzeln im Alternative Country, die sie nach ihren ersten Shows ab Oktober 2004 allerdings langsam aber sicher abgestreift hat. Inzwischen können die Musiker ihren Sound selbst nicht mehr so richtig einordnen. Und so knallt uns das Info-Schreiben erst mal eine ganze Latte an Referenzen um die Ohren, wie man das eben so macht, wenn man dem Publikum einen Newcomer schmackhaft machen möchte. Ist ja auch nicht schlimm. Die Presse macht’s schließlich ähnlich. Deshalb erfährt jetzt auch der werte Leser, dass das Sextett „das Erhabene von David Bowie, die Verschrobenheit von The Arcade Fire, die Atmosphären von Interpol und die Lässigkeit von Pavement besitzen.“ Gut gebrüllt, Löwe. Aber warum nennen wir das Ganze nicht einfach Indie-Pop/Rock?

Eagle Seagull lassen sich gerne Zeit, baden in traurigen Psychedelik-Pop-Sounds („Lock and key“, „Holy“, „It was a lovely parade“), können aber auch vermeintlich fröhlich und holpern bewaffnet mit Banjo, Piano und pumpendem Bass übers Parkett („Your beauty is a knife I turn on my throat“). Das passt natürlich perfekt in die aktuelle Nebraska-Szene, auch wenn sich der Hörer fragt darf, ob man wirklich so deutlich seine The-Cure-Einflüsse zur Schau stellen darf („It’s so sexy“, „Last song“), nur um danach mit „Heal it/feel it“ ein lärmendes Post-New-Wave-Stück aus dem Hut zu zaubern, mit dem auch Franz Ferdinand gut fahren würden.

Langweilig ist das nicht, was die Band auf ihrem Debüt fabriziert. Referenzen werden nicht versteckt, eine gewisse Eigenständigkeit mehr als angedeutet. Die ganz großen Melodien sind zwar nicht auszumachen, dafür jede Menge Atmosphäre und Lust an detailliert ausgearbeiteten Songs. Verschroben? Ja! Lässig? Durchaus. Erhaben? Sie arbeiten noch daran.

Anspieltipps:

  • Photograph
  • It’s so sexy
  • Heal it/feel it
  • Death could be at the door
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