Joan As Police Woman - Real Life - Cover
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Joan As Police Woman Real Life


  • Label: Pias/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Joan Wasser, neben Rainy Orteca sowie Ben Perowsky ein Drittel von Joan As Police Woman, ist längst keine Unbekannte im stilvollen Pop-Umfeld, auch wenn einem der Name nicht auf den ersten Blick etwas sagt. Denn Joan wurde die Ehre zuteil, Lou Reed, Nick Cave, Sheryl Crow und Dave Gahan bei deren Musik zu unterstützen und ist Teil von Antony & The Johnsons, deren außerordentlicher Namensgeber auch auf „Real Life“ neben diversen Gastmusikern zu hören ist. Aufgenommen in New York und mitproduziert von Joan Wasser selbst, haben wir es mit einem kammermusikalischen Stelldichein zu tun, wie es fragiler und sensibler kaum sein könnte. Obwohl das Instrumentarium auf diesem Album mit Streichern, Piano, Trompeten und einigen anderen Schönheiten aus der Schatzkiste eines guten Musikers üppig ausgefallen ist, regiert eine stilvolle Ruhe, welche durch Joans eigenständige, durchdringende Stimme zu einer Pracht in Moll heranwächst und sich entfaltet, so dass auch nach dem zehnten Hören die Sehnsucht nicht gestillt ist.

„The Ride“, bei dem Misses Wasser quasi im Alleingang für den wohligen Klang aus akustischer Gitarre, zarten Streichern und Klavier sorgt, setzt die Messlatte hoch an. Wenn dann noch ihre Stimme besonders im späteren Verlauf des Songs die ganze soulige Wärme einbringt, welche mit der Umschreibung „leidenschaftlich“ noch zu kurz kommt, bleibt selbstredend kein Herz unberührt und keine Gänsehaut unbemerkt. Dass sie jedoch auch swingen kann und jede Menge Jazz in sich aufgesogen hat, beweist das folgende „I Defy“, wo sie neben dem folkig poppigen „Christobel“ aus der ansonsten vorherrschenden introvertierten Herangehensweise schlüpft und zusammen mit Antony um die Gunst der Hörer buhlt.

Hingabe zeichnet nicht nur diesen herausragenden Song aus, sondern das ganze Album, welches eindringlich alles um einen herum erblassen lässt und den Fokus auf hochwertige, faszinierende Musiklandschaften richtet, die im Falle von „Flushed Chest“ selbst durch Saxophon-Arien nicht aus der Ruhe zu bringen sind. Überhaupt hat die ruhige Ausstrahlung der vielseitigen instrumentalen Beigaben einen großen Anteil an der Schönheit des Longplayers, denn selbst in konfusesten Momenten bringt einen „Real Life“ nach Hause, egal wo auf der Welt man gerade verweilt. Es ist das beruhigende Gefühl, beschützt und gleichzeitig verstanden zu werden, welches erst zu Ende geht, wenn das für Elliott Smith verfasste, erneut unheimlich intensive „We Don´t Own It“ verhallt ist und man sich unweigerlich wieder zum CD-Player begibt, um immer und immer wieder „nach Hause zu kommen“.

Anspieltipps:

  • The Ride
  • I Defy
  • Christobel
  • We Don´t Own It
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