The Rifles - No Love Lost - Cover
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The Rifles No Love Lost


  • Label: Red Ink/SonyBMG
  • Laufzeit: 36 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das erste Mal hören: Stille Akzeptanz. Ja, das bewegt irgendwie, ziemlich schnell sogar.

Wieder so eine neue Band aus dem Vereinigten Königreich. Vielleicht das nächste große Ding aus London? Angesichts der Tsunami-artigen Welle an britischen Indiebands, die derzeit über uns hinweg schwappt, darf man Zweifel hegen: The Rifles, No Love Lost – Protokoll einer skeptischen Novizin:

Das erste Mal hören: Stille Akzeptanz. Ja, das bewegt irgendwie, ziemlich schnell sogar. Runde zwei: Schon ganz gut, das Ganze, aber mal wieder nix Neues aus dem UK. Dritter Durchgang: Füße wippen, Finger schnippen. Die Rifles haben auf wundersame Weise ihren Weg in meinen Gehörgang gefunden. Obwohl ich ihnen doch anfangs so cool gegenüber stand. Aber nachdem sich die Sicherung der Rifles (dt. Gewehre) erst mal gelöst hat, kommt der Sound wie aus der Pistole geschossen.

„No Love Lost“ ist das Debüt-Album der Londoner Band und vereint den Sound der Smiths, der Strokes und von Oasis zu einer Scheibe, die wie geschaffen zum Nächte durchtanzen ist. Schade nur, dass so eine durchtanzte Nacht mit den Rifles höchstens eine halbe Stunde dauern kann. Dann muss bei der kurzen Spielzeit wieder bei „She's got standards“ angefangen werden. Der Opener ist allerdings ein echter Reißer. Den hört man auch gern mehrmals die Nacht. Etwas punkiger kommt der „Local boy“ daher. Das Schlagzeug macht ordentlich Dampf. Und diese Gitarre! Das Tanzflächen-Chaos ist vorprogrammiert. Mehr Power-Pogo gibt’s bei „Repeated Offender“. „Hometown Blues“ beginnt mit massivem Gitarren-Störgeräusch (eine kleine Hommage an Sonic Youth?), bevor erneut Tempo aufgenommen wird. „Peace & Quiet“ gönnt uns nicht die erhoffte Ruhepause.

Zum Glück geht’s bei „Spend Lifetime“ dann etwas ruhiger zu: Die elektrische wird gegen eine Akustikgitarre getauscht. Aus Indierock wird BritPop. Plötzlich sehen wir die Gallaghers vor uns. Eine Erscheinung, der die Existenz der Rifles zu verdanken ist: Die Idee eine Band zu gründen kam Gitarrist Luke Crowther und Sänger Joel Stoker beim Auftritt von Oasis auf dem Knebworth-Festival 1996. Von der Inspiration zur Gründung scheint der Weg weit gewesen zu sein: Die Rifles gibt es erst seit 2003. Sehr viel länger gibt es die Legende von Robin Hood. Der gleichnamige Rifles-Song holt uns nach „Spend Lifetime“ wieder zurück auf die Tanzfläche. Wie der Name des nächsten Songs schon vermuten lässt, ist „She's the only one“ eher balladesk. In der richtigen Stimmung hat das leicht weinerliche Lied bestimmt viel Schönes. Der Tanzbein-Faktor ist aber eher gering. Auch „Narrow Minded Social Club“ verführt eher zum Bier holen und in der Ecke stehen. Aber nach ein paar Becks singt mindestens jeder zweite Ecken-Abhänger mit.

Den Text von „One Night Stand“ sollte man sich genauer anhören. Zwar ist er nicht auf „Art Brut“-Niveau, aber trotzdem für ein Grinsen gut. Die oft vernuschelten Texte der Rifles sind ein Mini-Minus, aber die haben wir bei den Strokes schon kennen und lieben gelernt. Für Hymnen im Stil von Oasis sind die Lyrics außerdem eine Spur zu komplex. Aber zu Hymnen lässt sich oft schlecht tanzen, oder? Deswegen: Kein Punktabzug für sprachliche Finessen.

Eingängige Riffs und Beats in Formel-1-reifem Tempo dürften ein Konzert der Rifles zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machen. Und wenn die Jungs grad nicht in der Stadt sind, bleibt ja immer noch die CD-Konserve. „No Love Lost“ ist was für lange Nächte in der Lieblings-Indierock-Kaschemme: In Sachen Party ist bei den Rifles jeder Schuss ein Treffer!

Anspieltipps:

  • Local Boy
  • Repeated Offender
  • She's Got Standards
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