Angelo Kelly - I´m Ready - Cover
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Angelo Kelly I´m Ready


  • Label: Ten 4 One/EDEL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„I’m ready“ heißt Angelo Kellys erstes Soloalbum. Vielleicht ist Angelo bereit, aber sind wir es auch? Bei all den Vorurteilen, die man im Laufe der Kelly-Karriere über die Großfamilie angehäuft hat, fällt es schwer, Angelos Musik eine echte Chance zu geben. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Auch wenn Vergessen nahezu unmöglich scheint. Wir erinnern uns, teils schmerzhaft, an das Jahr 1994: In herzzerreißender Heintje-Manier schmetterte der damals 12-jährige Angelo mit den langen blonden Zotteln den Nummer eins Hit „An Angel“. Sentimentalen Menschen von sechs bis 66 trieb es Sturzbäche von Tränen in die Augen. Die daraus entstehende Erfolgswelle machte die „Kelly Family“ über Nacht zu Superstars.

Mehr als zehn Jahre später ist der Erfolg der Kellys längst Pop-Geschichte. Doch bei Angelo scheint sich erschreckend wenig verändert zu haben: Zwar hat der mittlerweile 24-Jährige Altkleider gegen Armani getauscht und ist nicht mehr mit dem gesamten Klan unterwegs. Seine Musik klingt jedoch sehr nach dem Spätwerk der Kelly Family: Seichter Poprock mit schnulzigen, teils religiös angehauchten Texten. Unwillkürlich fängt man an zu gähnen, während man sein Soloalbum hört: Fast durchgehend der gleiche 08 15-Beat. Besonders bestürzend daran: Angelo ist hauptsächlich Schlagzeuger. Bei „Finally one“ und „I’m sorry“ hören wir wieder den gepresste Gesang von früher, der viel Gesangsunterricht aber wenig Talent vermuten lässt. Die Familie ist nach gutem alten Brauch auch nicht ganz unbeteiligt am Soloalbum: Seine Schwester Patricia – damals auch Mitglied der „Kelly Family“ - spielt in „I trust in you“ Harfe. Angelos Frau Kira, die schon fleißig dabei ist, die nächste Kelly Family großzuziehen (sie und Angelo haben drei Kinder) singt im Background. Bei so viel Altbekanntem wirft man die angestrebte Unvoreingenommenheit sehr schnell über Bord.

Immerhin hat Angelo alle Songs auf „I’m ready“ allein getextet und komponiert. Bei der Produktion wurde er von Claus Fischer unterstützt, der schon mit Lionel Ritchie, Chaka Khan und Anastasia gearbeitet hat. Vielleicht hätte er sich doch etwas mehr Unterstützung suchen sollen: Der Titeltrack „I’m ready“ ist sehr schwerfällig und überladen. Während der Bass träge vor sich hin dudelt, wird uns ein Bon-Jovi-Riff nach dem anderen serviert. Genauso langweilig, aber diesmal mit akustischer Gitarre, ist „You have a place“. All die anderen Stücke gleichen Strickmusters werden im Folgenden ignoriert. Da bleibt nicht mehr viel übrig. „Child of god“ glänzt mit geistreichen Textzeilen: „I gave you my heart, you threw tomatos“. Hmm, ja, könnte passieren... „If you love me“ und „I’m coming home“ haben einen leichten Blues-Einschlag. „If you gotta do“ Teil eins und zwei versuchen sich am Funk: Teil zwei fängt da an, wo eins aufhört und ist nur etwas mehr als eine Minute lang. Die Hälfte der Zeit ist peinliches Gelächter zu hören. Warum also aus einem Song zwei machen? Wollte Angelo unbedingt dreizehn Songs auf dem Album haben? Ist dreizehn seine Glückszahl? Wir werden es wohl niemals erfahren.

Als homöopathisches Schlafmittel ersetzt Angelos Album locker alle Kuschelrock-Kompilations. Das muss ja auch nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Bei vielen über Vierzigjährigen, die kaum Englisch verstehen und „schöne“ Musik für einen „netten“ Abend suchen, könnte „I’m ready“ durchaus gut ankommen. Auch hippe Pfarrer, die musikalische Untermalung für den nächsten Ökumenischen Gottesdienst suchen („Jesus, I trust in you“), können Angelos Album getrost in ihre CD-Sammlung aufnehmen. Alle anderen sollten sich genau überlegen, ob ein weiteres Album mit handwerklich solidem, aber ziemlich uninspiriertem Poprock-Gedudel wirklich besessen werden muss.

Anspieltipps:

  • I’m ready
  • I trust in you
  • Child of God
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