Bushido - Von Der Skyline Zum Bordstein Zurück - Cover
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Bushido Von Der Skyline Zum Bordstein Zurück


  • Label: Ersguterjunge/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 72 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Expertenmeetings haben sich gelohnt und der interessierte Beobachter muss neidlos anerkennen, dass die Marketingstrategie für Bushidos drittes Majoralbum „Von der Skyline zum Bordstein zurück“ fast schon als genial zu bezeichnen ist. Denn: Die Kids sind in Panik! Der selbsternannte „Goldrapper“ (für jeweils 100.000 verkaufte Einheiten seiner letzten CDs gab es in Deutschland Goldauszeichnungen, daher der Name) ist scheinbar müde geworden und den Begleiterscheinungen seines Erfolges wie Videodrehs, Promipartys und Preisverleihungen, aber auch den albernen Szene-Streitereien überdrüssig.

Bushidos Haus- und Hof-Postille, das Jugendmagazin Bravo, darf daraufhin ganz offen spekulieren, ob „Von der Skyline zum Borstein zurück“ das letzte Album des Berliners ist. Der 27-Jährige selbst nährt die Spekulationen mit Sätzen wie „Ich will die Gerüchte nicht bestätigen – aber auch nicht aus dem Weg räumen“ und „Mein Leben dreht sich nicht mehr nur um die Musik“. Dafür stehen nun ein Fantasy-Roman (!) und ein Kinofilm (!!) auf dem Plan. Anstatt „Herr der Ringe“ heißt es dann frei nach den Herren Tolkien und Goethe „Herr der Reime“ oder „Der Rapperlehrling“. Echt krass, Alter, doch allein es fehlt der Glaube...

Überhaupt hat sich beim Verfasser dieser Zeilen etwas Eifersucht eingeschlichen. Denn der Gewinner des Echos als bester Liveact und des Silbernen Bravo-Otto wird von Deutschlands größter Jugendzeitschrift inzwischen zärtlich „Bu” genannt. Das macht natürlich neidisch. Was hat die Bravo, was dieses Magazin nicht hat? Wir beantragen deshalb ein freundschaftliches „Bushi“, „Bubu“ oder gar „Hui Buh“. Wäre das okay?

Doch zurück zum Thema. Tempelhofs Finest beschreitet für „Von der Skyline zum Bordstein zurück“ neue Wege. Zum einen ist das Album nicht die erwartete Fortsetzung der 2003er CD „Vom Bordstein zur Skyline“, zum anderen verzichtet der Rapper fast vollständig auf Features und interne Kollaborationen mit seiner Label-Posse. Lediglich Kingsize von Eko Freshs „German Dream“-Label war an zwei Stücken beteiligt, ansonsten liegt die Produktion des vierten Albums in vier Jahren voll in den Händen des Meisters persönlich. Ob dieser Alleingang am Ende richtig war, darf allerdings bezweifelt werden. Bushido legt natürlich seinen üblichen Flow vor, der immer noch keinerlei Abwechslung bietet, nimmt sich in seinen Texten aber diesmal etwas zurück – obwohl die Aggro-Jungs nicht gerade verschont werden und mehr als einmal die Pest an den Hals gewünscht bekommen („Weißt du?“). Trotzdem wirkt das Album fast schon zahm. Ob das ein Eingeständnis an den Mainstream ist? Der Verdacht liegt nahe. Denn ein sogenannter „nachdenklicher Song“ (sic!) wie „Janine“ oder eine Lovestory wie „Ich regele das“ sind nicht mehr der alte Gangsta-Bushido, sondern der neue Schlager-Bubu.

Als große Schwachpunkte stellen sich wie so häufig die schrecklich eintönigen Beats und die einfallslose Umsetzung der Arrangements heraus. Wo sich andere Rapper richtig etwas einfallen lassen (Eko Fresh!), tropft bei Bushido lediglich ein 70-minütiges Bum Bum Bum aus den Boxen, mit dem er sich entweder selbst kopiert („Kurt Cobain“) oder blamiert („Wenn ein Gangster weint“). Genreübliche Selbstbeweihräucherungen ohne jeglichen Wortwitz wie „Universal Soldier“, „Ich schlafe ein“, „Dealer vom Block“ und „Goldrapper“ braucht ebenfalls keiner mehr und ernten höchstens noch ein müdes Gähnen. Nur selten wirken die Tracks musikalisch frisch und machen sich auch inhaltlich mal locker. So zu hören in „Hast du was bist du was“, „Bravo Cover“ und „Bloodsport“. Das reicht aber nicht für ein klasse Album.

Somit lässt sich das Phänomen Bushido auch mit dem dritten Majoralbum nicht abschließend ergründen. Fragt sich nur was schlimmer ist: Ein derber Verriss, oder die Feststellung, dass „V.D.S.Z.B.Z“ kaum über den Durchschnitt herauskommt. Vielleicht sollte Bushido tatsächlich etwas Neues ausprobieren und Filmstar werden. Doch Obacht: 100.000 Kinobesucher sind im Vergleich zu 100.000 verkauften CDs ein Flop!

Anspieltipps:

  • Bloodsport
  • Blaues Licht
  • Sex in the city
  • Hast du was bist was
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