Alien Ant Farm - Up In The Attic - Cover
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Alien Ant Farm Up In The Attic


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es brennt im Hause Alient Ant Farm nicht nur „Up In The Attic“, sondern mittlerweile steht schon die ganze Bude in Flammen. Mit einfachen Worten, Alien Ant Farm sind kein von Fortuna geküsstes Schicksalskind. Erst der schwere Busunfall 2002, den man nur knapp überlebte, 2005 sagte Gitarrist und musikalisches Herdentier Terry Corso auf Nimmerwiedersehen und zu guter Letzt verweigerten auch noch die schurkischen Herrschaften der Plattenfirma, die Veröffentlichung des Albums „3rd Draft“, welches eigentlich Anfang 2005 erscheinen sollte. Ganz schön harter Tobak für eingefleischte Musiker, die sich nicht nur die Liebe zum Krach machen teilen, sondern auch ein kleines Vorstadt-Häuschen in Huntington Beach. Doch wahrscheinlich genau aus diesem Grund, das nämlich Alien Ant Farm für Frontmann Dryden Mitchell und seine Mitstreiter mehr ist als nur ein Zusammenschluss von Musikern, konnte der kalifornische Vierer diesen schwer gebeutelten Komapatienten von einer Band überhaupt noch am Leben halten. Mit Joe Hill an der Gitarre und „Up In The Attic“ als Adrenalinspritze bekommen wir nun endlich wieder Vitalzeichen von der extraterrestrischen Ameisenfarm.

Schwester holen sie den Defibrillator und machen sie die Infusionen klar, der Patient schwächelt. Um genau zu sein, das neue musikalische Bewusstsein der Band aus Riverside. Man war wohl noch etwas schlaftrunken, als man den Weg ins Studio suchte, um den Neuanfang zu wagen. Egal welchen Song man auf „Up In The Attic“ seine Aufmerksamkeit schenkt, apathisch und regungslos ziehen sie an einem vorbei. Das ist nicht mehr bissiger Alternativrock mit dem Witz alter Tage, das hier ist Poprock auf Hauptschulniveau. Natürlich sollte man nicht den Fehler machen, das neue Album mit Song wie „Attitude“, „Movies“ oder dem wohl kessesten Jackson-Cover aller Zeiten, „Smooth Criminal“, aufwiegen, aber wenn der kleine nun mal Fünfer schreibt, muss er eben sitzen bleiben.

Und das wird wohl oder übel passieren, das Sitzenbleiben auf der eigenen Platte. Wen sollen im Jahre 2006 noch Songs wie der Opener „Bad morning“, „San Sebastian“ oder „Sleepwalker“ in die Plattenläden treiben? Songs, welche sich anmaßen, durch Riffs auf Schulbandniveau und musikalische Mittelmäßigkeit zu überzeugen. Das kann nicht funktionieren und das wird es auch nicht! Kannte man Alien Ant Farm bis dato als Band mit Faible zu vertrackter Rhythmik, toller Melodik und Hang zu unterhaltsamen Blödeleinlagen, so muss man sich bei „Up In The Attic“ ernsthaft die Frage stellen, wer diese steifen Typen hinter Alien Ant Farm sind und wo sie die alten Mitglieder versteckt halten. Rückt sie wieder raus und schenkt uns Bretter wie „These days“ und die dazugehörigen, bissigen Videos (wohl mit die coolsten Musikvideos aller Zeiten). Aber alles Wünschen ist umsonst, den Weihnachtsmann gibt’s nicht und wenn es ihn gebe würde er diese Scheibe mit Sicherheit im Sack lassen.

Reden wir nicht um den heißen Brei, „Up In The Attic“ ist definitiv in die Hose gegangen. Mit viel Wohlwollen und einem Augenzwinkern könnte diese Platte noch den einen oder anderen Gönner finden, aber Kenner der älteren Alben werden hier die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Etwas Gutes hat das Ganze aber: Auch wenn „Up In The Attic“ in der Versunkung der Gleichgültigkeit verschwinden wird, so kann man doch getrost verkünden, dass Alien Ant Farm wieder da sind. Vielleicht liegt der Patient jetzt noch im Aufwachraum, aber wer weiß, vielleicht lernen sie ja schon auf dem nächsten Album erneut das Laufen und treten uns bereits bald wieder in den Allerwertesten mit ihrer Musik.

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