Ani Difranco - Reprieve - Cover
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Ani Difranco Reprieve


  • Label: Righteous/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die passionierte Sängerin und Songschreiberin Aimee Mann ist in dem Vorhaben ihre eigene Musik unter das Volk zu bringen einen sehr eigenen Weg gegangen. Als der eine oder andere Plattenboss versuchte, ihr Richtlinien aufzuzwängen, die in größere Umsätze gipfeln sollten, kaufte sie sich durch den Erwerb ihrer Masterbänder und einer Kündigung aus den Fängen ihres damaligen Labels frei und gründete ihr eigenes namens „SuperEgo Records“ - denn bevor sie bevormundet wird, gehe sie lieber auf eigene Faust pleite. Zum Glück ist das noch nicht passiert und Fräulein Mann bescherte uns im Mai letzten Jahres ein weiteres, talentiertes Werk über den Boxer John und seine Freundin Caroline, das als „The forgotten arm“ im gut sortierten Musikfachhandel aufzufinden ist.

Obwohl sie sich über ein Entgegenkommen der Plattenfirma sicherlich sehr gefreut hätte, gab es solche Überlegungen für Ani DiFranco, die das Selfmade-Genre ebenfalls ihr Zuhause nennt, so gut wie nie. Nachdem sie durch unzählige Kaffeehäuser und Bars mit nicht mehr als einer Akustikgitarre und etwa 100 Songs getingelt ist und sich schnell einen Namen erspielt hat, ließen sie gut gemeinte Vertragsangebote schlicht und einfach kalt. Ein höherer Grad an künstlerischer Freiheit und die Gewissheit auf eigenen Füßen zu stehen, bestärkte Ani in ihrem Vorhaben, genauso wie bislang 3 Millionen verkaufte Einheiten ihrer, seit über 15 Jahren konstant durch neue Veröffentlichungen am Leben gehaltene, Diskographie.

Dass sich diese erfolgreiche Selbstvermarktung über ihr Label Righteous Babe auch in ihrem neuesten Longplayer niederschlägt, wird nicht nur auf ihrem neuesten Werk „Reprieve“ klar. Vom aufbegehrenden Anfangsakkord in „Hypnotized“ einmal abgesehen, der schon anprangernd und vorwurfsvoll genug aus den Boxen perlt, ist ihr 19. Longplayer ein weiteres Mal eine politische sowie persönliche Angelegenheit geworden, der nicht wie im letzten Werk „Knuckle down“ von einer kompletten Band untermalt wird, sondern nur von Ani und Jazz-Bassist Todd Sickafoose getragen wird. Neben dem Hauptinstrument, der akustischen Gitarre, sind allerdings auch die elektronischen Vertreter zu finden, sowie ein Keyboard, ein zurückhaltendes Drumkit, Bass, Klavier, Orgel, Trompeten, Streicher und unter anderem eine Fahrradpumpe.

In den Texten erzählt die Sängerin in leidenschaftlicher Folk-Manier über eigene Erlebnisse, ihre Sicht der Dinge, seien diese politischer oder globaler Natur und vergisst nicht darauf, dem Ganzen eine persönliche Note zu geben. In „Millenium theater“ beweist die 36jährige ihr Gespür für Weitsicht, wenn der Song eine Kritik an der republikanischen Regierung beherbergt, die sie aufgrund einer fiktiven Krise in New Orleans tätigt, noch bevor Hurrikan Katrina das Land verwüstet hat und die Stadt wahrhaftig im Stich gelassen wurde. In Sachen Tempo und Rhythmik bleibt „Reprieve“ den kleinen Gesten treu und ein instrumentaler Ausbruch kommt nur selten in Frage, diese sind dem Organ DiFrancos vorbehalten.

Dennoch vertieft sich die Amerikanerin in „Shroud“, einem Diskurs über die Anbiederung an kommerzielle Normen, nach einer beherzten stimmlichen Darbietung am Ende in ein hastiges Akkordspiel, das sozusagen das letzte Aufbäumen vor dem ruhigen Schluss in „Reprise“, einem Instrumentalstück, darstellt, welches mit schwelgerischer Moll-Harmonik am Klavier eingeleitet wird, bis eine Gitarre wehmütig dem Geschehen beipflichtet, womit nach nur 1 1/2 Minuten dann das Kammerspiel „Reprieve“ beendet wird und der Abspann auf der Leinwand erscheint. Ganz großes Kino eben.

Anspieltipps:

  • Decree
  • Shroud
  • A Spade
  • Half-Assed
  • Millenium Theater
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